Awareness Strukturkonzept
Stand 2026
1. Grundlagen
1.1. Was ist Awareness?
Awareness ist eine Praxis, die aus feministischen und queeren Bewegungen und antirassistischen Kämpfen entstand. Den Ursprung hat das Konzept unter anderem Namen in den USA. Auf Grund von rassistischen und diskriminierenden Strukturen bei Polizei und Staat konnte sich nicht auf diese Institutionen verlassen werden und Konzepte wie Community Accountability und Transformative Justice entstanden. Sie sind der Vorläufer der Awareness, wie wir sie heute in Deutschland kennen und sollten daher immer mit erwähnt und mit bedacht werden. Awareness versucht Safer Spaces zu schaffen. Awareness Personen haben ihren Fokus auf der Unterstützung betroffener Personen.
1.2. Sozialisierung, Privilegien, Diskriminierung und Intersektionalität
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Eine der Grundlagen auf der Awareness basiert ist der Fakt, dass alle Menschen unterschiedlich aufgewachsen sind, unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, unterschiedlichen Zugang zu Ressourcen hatten, also unterschiedlich sozialisiert wurden. Unsere Identität basiert auf unseren Merkmalen, Zugangsmöglichkeiten, Vorteilen, Ressource, Zugehörigkeiten. Aus der Zusammenstellung dieser Aspekte ergeben sich dann wiederum unterschiedliche Ressourcen, Macht und PRIVILEGIEN. Diskriminierung entsteht durch unterschiedliche gesellschaftliche Positionen und ist geprägt von Macht, Privilegien und Erfahrungen. Daher erlebt jede Person Diskriminierung anders - abhängig von Kontext und Biografie.
1.3. Grundsätze und Leitlinien der Awareness-Arbeit
Die drei Grundpfeiler der Awareness sind:
Definitionsmacht: Die Definitionsmacht liegt immer bei der betroffenen Person. Nur sie kann wissen, wie sich die Situation angefühlt hat. Nur sie kann sagen, dass etwas diskriminierend war. Es ist dabei egal wie es von der anderen Person gemeint war und es ist auch nicht unsere Aufgabe zu beurteilen, ob etwas Diskriminierung war.
Parteilichkeit: Wir handeln immer parteilich für die betroffene Person. Wir stellen uns auf ihre Seite. Wir sind NICHT NEUTRAL.
Betroffenenzentrierung: Unser kompletter Fokus liegt auf der betroffenen Person. Wir versuchen die betroffene Person wieder handlungsfähig zu machen. Ihr das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Macht für die Situation wiederzugeben. Jede Handlung wird mit der betroffenen Person abgesprochen.
1.4. Warum Awareness in der Partei notwendig ist
Auch Die Linke ist nicht frei von den gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen, gegen die sie politisch arbeitet. Patriarchale Strukturen, Rassismus, Queerfeindlichkeit und andere Formen von Diskriminierung wirken auch innerhalb linker Strukturen. Sie können sich unter anderem in internalisierter Misogynie, Machtungleichgewichten, Ausschlüssen und grenzverletzendem Verhalten zeigen. Auch ein politischer Anspruch auf Gleichberechtigung schützt nicht automatisch davor, dass solche Strukturen reproduziert werden.
Einen vollständig sicheren Raum wird es nie geben. Eine Awareness-Struktur schafft keine Garantie dafür, dass keine Grenzverletzungen oder Gewalt stattfinden. Sie schafft vielmehr Strukturen, um mit solchen Situationen verantwortungsvoll umzugehen, Betroffene zu unterstützen und aus Vorfällen zu lernen.
Die Erfahrungen der #linkemetoo-Bewegung haben deutlich gemacht, dass auch innerhalb der Partei ein Bedarf an verbindlichen Strukturen zum Schutz Betroffener und zum Umgang mit Sexismus und sexualisierter Gewalt besteht. Eine Awareness-Struktur ist deshalb auch Ausdruck der Bereitschaft der Partei, Verantwortung für die eigenen Strukturen zu übernehmen, Kritik ernst zu nehmen und Veränderungsprozesse zu ermöglichen.
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