Um eigene Projekte und Arbeiten realisieren zu können, greifen Kunst- und Kulturschaffende oft auf Finanzierung durch Förderung zurück – wenn ihnen diese bewilligt wird. Beantragt werden können die jeweiligen Fördergelder in Hamburg z.B. über die Behörde für Kultur und Medien (BKM), über Stiftungen, die beispielsweise privat oder an Unternehmen angedockt sein können, oder über an Branchen ausgerichteten Förderinstituten. Auch in den Arten der Förderungen ergeben sich große Unterschiede. So gibt es Förderungen, die sich an Einzelpersonen richten, „Abspielförderungen“, die erst dann ausgezahlt werden, wenn Projekte, wie beispielsweise Theaterstücke, vor Publikum gezeigt werden, Produktionsförderungen, die schon während der Erarbeitung von Projekten greifen oder institutionelle Förderungen, die mehrere Bereiche abdecken. Viele Kunst- und Kulturschaffende
könnten ihre Projekte ohne diese Förderung nicht umsetzen, bzw. müssten in der Zeit, in der die Projekte entstehen, auf Einnahmen verzichten. So entsteht auch eine Abhängigkeit gegenüber den fördernden Instituten und gegenüber der Themenwahl, die diese setzen. Das Problem bei ersterem zeigte sich erst kürzlich, als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, bekanntgab, dass der Etat von 5 Millionen Euro für die Förderung des Netzwerks internationaler Produktionshäuser (hierzu zählt auch Kampnagel) ersatzlos gestrichen werde.
Zudem sind Förderungen oft nur auf wenige Monate ausgelegt, was eine langfristige finanzielle Planbarkeit verunmöglicht. Viele Geförderte müssen deswegen bei neuen Anträgen abwägen, ob sie thematisch dort wieder ansetzen, wo bereits gefördert wurde oder einen neuen Ansatz verfolgen wollen. Es entsteht außerdem etwas, über das in der Kunst- und Kulturbranche ungern geredet wird: Konkurrenzdruck. Denn auch diese Branche kann sich dem kapitalistischen Druck nicht entziehen.
Bei dieser Veranstaltung sollen die einzelnen Problemfelder, die sich aus der Abhängigkeit von Förderungen ergeben, genauer beleuchtet und über Alternativen diskutiert werden. Moderiert wird das Panel von Marie Kleinert (MdHB), zu Gast sind Dan Thy Nguyen (fluctoplasma) und Sonja Engler (Zinnschmelze).
Veranstaltungsort: Rathaus Hamburg - Kaisersaal
Rathausmarkt 1
20095 Hamburg

