Olympia-Wahlwerbung in Unterrichtsmaterial?

Bjørn Knutzen & Luzian Massarrat (Sprecher der LAG Bildungspolitik)

Im Vorlauf zum Olympia-Referendum am 31. Mai hat die Schulbehörde Unterrichtsentwürfe zum Thema Olympia angefertigt und an die Hamburger Lehrer*innenschaft versendet. Damit überreizt die Behörde deutlich, was im Sinne der politischen Neutralität erlaubt ist!

Insbesondere im Unterrichtsmaterial für die Klassen 11 bis 13 - in denen die Schüler*innen bereits stimmberechtigt sind - wird der Fokus sehr stark auf das Bewerbungskonzept des Senats gelegt, in dem dieser den Hamburger*innen einseitig und unwidersprochen das Blaue vom Himmel verspricht. Auch in den Materialien für die Klassen 8 bis 10 fällt unangenehm auf, dass fast ausschließlich Pro-Olympia-Quellen verlinkt und empfohlen werden. Zudem ignoriert die Behörde die NOlympia-Initiative so intensiv, dass sie es sogar schafft, eine Unterrichtseinheit zu Bürgerschaftsreferenden und Volksentscheiden zu entwerfen, in der die Rolle von zivilgesellschaftlichem Engagement und Initiativen vollständig ausgeblendet wird. Darüber hinaus empfiehlt die Behörde, vor dem Referendum weitere Unterrichtsideen wie das Malen der Olympischen Ringe und das Singen der Olympischen Hymne. 

Offensichtlich bemüht sich die Behörde, ihre Möglichkeiten zur Beeinflussung der Schüler*innen und Lehrkräfte maximal auszureizen, um ein Abstimmungsergebnis im Sinne des Senats zu erwirken. Damit überwältigt der Senat Schüler*innen mit seiner politischen Position, bricht so den Beutelsbacher Konsens und bringt Lehrkräfte in eine schwierige Lage. Rotgrün ist wohl gar nichts mehr heilig.

Wir raten allen Hamburger Lehrer*innen, das Olympia-Referendum im Unterricht mit ihren Schüler*innen kritisch zu behandeln und empfehlen zur Ergänzung der einseitigen Senatsdarstellung die Informationsangebote auf nolympia-hamburg.de. Auch raten wir unbedingt dazu, in der Unterrichtseinheit zu Volksentscheiden und Referenden die Schlüsselrolle zivilgesellschaftlichen Engagements einzubinden, um Schüler*innen politisch zu ermächtigen!

Die Linke Hamburg fordert die Einrichtung eines umfangreichen Materialpools, aus dem Lehrkräfte Material für ihren Unterricht beziehen können. Und sicher hätten Unterrichtsstunden zu Volksentscheiden viele Schüler*innen auch vor dem Zukunftsentscheid im vergangenen Oktober interessiert. Die bittere Wahrheit ist: Engagiert zeigt sich der Senat nur bei seinem Lieblings-Partyprojekt, während nachhaltige und strukturelle Verbesserungen auf der Strecke bleiben.