Schließt die Notunterkunft
Zusammenhalt mit den Menschen in der Schlachthofstraße 3-5
Warum ist die Unterbringung mangelhaft?
Die Bedingungen in der Unterkunft sind geprägt von massiven Missständen, die den Alltag der Bewohner*innen erheblich belastet. Die Sanitäranlagen sind defekt oder unzureichend und befinden sich in Containern außerhalb des Gebäudes, was besonders in kalten Monaten zu zusätzlichen Belastungen führt. Immer wieder kommt es außerdem zu Heizungsproblemen. Auch die Versorgung mit Essen ist eintönig und wenig nahrhaft. Viele der Bewohner*innen würden gerne selbst einkaufen und kochen, doch mit nur 50 Euro Bargeld im Monat, das sie von ihrer Bezahlkarte abbuchen können, ist das kaum möglich. Außerdem gibt es keine Küchen.
Ein besonders gravierendes Problem ist der vollständige Mangel an Privatsphäre. Jeweils zwölf Personen müssen sich ein sogenanntes „Kompartiment“ teilen. Um sich wenigstens ein Minimum an Rückzug zu schaffen, hängen manche Tücher vor ihre Doppelbetten. Doch echte Privatsphäre ist unmöglich: Die „Wände“ bestehen lediglich aus Stellwänden aus dickem Karton, sie schließen oben nicht ab, Geräusche sind allgegenwärtig, und Türen gibt es nicht – nur Vorhänge trennen die Räume voneinander. Besuche sind generell verboten. Bewohner*innen dürfen sich weder gegenseitig in ihren Kompartments besuchen noch Personen von außerhalb empfangen. Die Behauptung, man könne in Absprache mit der Einrichtungsleitung außerhalb der Kompartiments Besuch empfangen, erscheint eher als ein Feigenblatt, denn praktikabel ist das nicht. Hinzu kommt, dass es in den Räumen kein natürliches Licht gibt.
Besonders betroffen sind Kinder, die dort teilweise bis zu zwei Jahre leben müssen – ohne geschützte Räume oder kindgerechte Rückzugsmöglichkeiten.
Immer wieder berichten Menschen zudem von repressiven Maßnahmen wie sogenannten „Wegweisungen“. Diese werden etwa bei vermeintlichen Verstößen gegen die Hausordnung verhängt. Im Oktober 2025 mussten Betroffene bis zu 8 Stunden außerhalb der Unterkunft bleiben und waren gezwungen, die Nacht auf der Straße zu verbringen.
Bewohner*innen berichteten, dass Menschen im Camp infolge des Aufenthalts unter schweren psychischen Belastungen leiden. Einige entwickeln traumatische Symptome, die auch nach einer Verlegung aus der Unterkunft anhalten. Die Zustände beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern gefährden eindeutig das körperliche und seelische Wohl der dort lebenden Menschen.
Es folgten Proteste
Rund 200 Bewohner*innen beschlossen am 12.10.2025 gemeinsam friedlich vor der Unterkunft gegen die Umstände zu protestieren. Ihre Forderung: Schließung des Camps, da es nicht mehr „reparierbar“ ist.
Der, jetzt suspendierte, Security Chef von ELB Security GmbH ruft später am Tag die Polizei und meldet dort eine drohende Schlägerei zwischen 150 Personen. Diese fährt mit Großeinsatz auf, leitete aber keine polizeilichen Maßnahmen ein. Trotzdem half sie dabei, bis zu 8-stündige „Wegweisungen“ für 15 Bewohner*innen, die an den Protesten beteiligt waren, durchzusetzen. Bei niedrigen Temperaturen müssen sie auf der Straße vor dem Camp übernachten, ohne Decken oder sonstigen Schutz vor der Kälte.
Der Security Chef wird am Tag darauf auf Druck der Bewohner*innen und der Öffentlichkeit suspendiert und versetzt. Fördern und Wohnen bestreitet jedoch Anzeichen eines Fehlverhaltens des Security Chefs.
„Wegweisungen“ werden weiterhin als Maßnahme durchgeführt, die maximale Stundenzahl einer „Wegweisung“ aber nun auf 2 Stunden reduziert. Auch zuvor hätte eigentlich nur maximal für vier Stunden „weggewiesen“ werden dürfen.
Update
Nachdem sich Beschwerden der Bewohner*innen über die schlechte Qualität des Essens häuften wurde der Caterer ersetzt.
Rund 600 Menschen mussten sich bislang überwiegend defekte Toiletten und Duschen im Außenbereich teilen. Die 33 Toiletten und 10 Duschen unter dem Hallenvordach wurden inzwischen entfernt. Die weiteren 131 Toiletten und 49 Duschen in den Containern im Innenhof bleiben lediglich als Reserve bestehen. Nach Angaben der Sozialbehörde wurden inzwischen 59 Toiletten und 40 Duschen baulich umgesetzt und im Innenbereich in Betrieb genommen, die geschützten Raum für Frauen und Kinder bieten sollen.
Außerdem wird nun dauerhaft warmes Wasser bereitgestellt.
Wir bleiben dabei die Bewohner*innen in ihren Forderungen der Schließung der Notunterkunft in der Schlachthofstraße zu unterstützen. Selbst mit Verbesserungen kann eine Notunterkunft keine würdige langfristige Unterbringung bieten.

