Zum Hauptinhalt springen

Mehr als 8? Ich glaub, es kracht!

Arbeitszeitverkürzung für alle.

  • Das Treffen mit einem guten Freund wieder verschoben, weil zu kaputt von der Arbeit?
  • Den Wäscheberg mal wieder nicht geschafft weg zu räumen?
  • Sport ausfallen gelassen, weil Ende der Woche auf Arbeit noch was fertig sein muss?
  • Wann hast du das letzte Mal einfach deine Gedanken schweifen lassen?
  • Keine Zeit die Eltern endlich wieder zu besuchen?
  • Wann konntest du zuletzt etwas machen, ohne dass es einen bestimmten Zweck hatte, sondern einfach für dich war?

 
  Warum passiert
  das nicht?
 

Kommt dir auch bekannt vor?

Auf der einen Seite haben wir zunehmend überarbeitete und gestresste Menschen in Lohnarbeit und auf der anderen Seite Viele, die keinen Job finden. Warum nicht die gesellschaftliche notwendige Arbeit auf alle vorhandenen Hände verteilen?

Wir als Landesarbeitsgemeinschaft Betrieb & Gewerkschaft Hamburg wollen das Thema der Arbeitszeitverkürzung zu einem Schwerpunkt unserer politischen Arbeit machen.

Wir brauchen eine Arbeitszeitverkürzung statt weiterer Flexibilisierung!

Eine Studie der Techniker Krankenkasse aus 2025 zeigt, dass 58% der Deutschen gestresst sind, durch Schule, Ausbildung, Studium oder Beruf und schätzen, dass es in Zukunft noch stressiger wird. Als einer der Hauptgründe wird der Stress durch die Arbeit genannt. Die aktuelle Bundesregierung plant die tägliche Höchstarbeitszeit in eine wöchentliche von 48 Stunden zu ändern. Eine tägliche Arbeitszeit von 12 Stunden wäre damit gesetzlich möglich. 

Moment mal: 48 Stunden? Tägliche Arbeitszeiten von 12 Stunden? Haben wir nicht einen 8-Stunden-Tag und eine 5-Tage-Woche, also eine 40-Stunden-Woche? Dies ist tatsächlich oft das Verständnis, welches Viele von uns haben und zeigt in Wirklichkeit die Erfolge von Gewerkschaften und fortschrittlicher Kräfte in der Gesellschaft.

Aktuelles Arbeitszeitgesetz und Mythos Flexibilisierung

Das Arbeitszeitgesetz hingegen besagt etwas anderes! Die tägliche Höchstarbeitszeit von 8 Stunden (in Ausnahmefällen 10 Stunden) gilt an 6 Tagen die Woche. Auch der Samstag gilt im Gesetz als Werktag. Das sind 48 Stunden (bzw. 60 Stunden die Woche). Das aktuell geltende Arbeitszeitgesetz, viele Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen lassen zurzeit schon viel Spielraum für Flexibilität. Sie ermöglichen 10-Stunden-Tage, Arbeit auf Abruf, kürzere Ruhezeiten und eine Sechs-Tage-Woche. Wer länger arbeiten will, kann das in der Regel bereits tun.

Die Arbeitgeberverbände suggerieren, dass der 8 Stunden Tag zu starr für die moderne Arbeitswelt sei. Die Arbeitsabläufe erforderten mehr Flexibilität. Dies, so die Arbeitgeber, würde auch den Bedürfnissen der Arbeitnehmer entsprechen, um z.B. Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Sicher – das Bedürfnis vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach mehr Selbstbestimmung ihre Arbeitszeit zu gestalten ist zu unterstützen. Ihnen geht es in der Regel um eine eigenständige Verteilung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. Den Arbeitgebern hingegen geht es um etwas völlig Anderes.

Aktuell gibt es keine konkrete Gesetzesvorlage. Was aber bislang bekannt ist, dass die tägliche Höchstarbeitszeit in eine wöchentliche geändert werden soll. Damit wären Arbeitstage von über 12 Stunden möglich. Eine Verlängerung der Arbeitszeit durch die Hintertür. 

Eine aktuelle DGB-Umfrage zeigt: „Wenn Beschäftigte mehr arbeiten wollen, scheitert das nicht am Arbeitszeitgesetz, sondern an starren betrieblichen Abläufen und der Ablehnung durch Vorgesetzte. Die Arbeitgeber sind somit selbst das größte Hindernis für flexible Arbeit. Weitere wichtige Faktoren sind verlässliche Kinderbetreuung und eine bessere Pflegeinfrastruktur. Statt die tägliche Höchstarbeitszeit auszuweiten, brauchen Beschäftigte mehr Arbeitszeitsouveränität. Dies gilt besonders für Frauen, die oft in Teilzeit arbeiten. Viele von ihnen sind bereit, ihre Arbeitszeit zu erhöhen, brauchen dafür aber die richtigen Rahmenbedingungen.“ Die jetzige Idee die Höchstarbeitszeit über die gesamte Woche zu rechnen, ist ein Versuch durch die Hintertür die tägliche Höchstarbeitszeit zu verlängern!

Angriff auf den Achtstundentag

Die Bundesregierung, flankiert durch die Arbeitgeberverbände, planen die tägliche Arbeitszeit aufzuweichen, um den 12 Stunden Tag gesetzlich zu ermöglichen. Diese Lockerung würde vor allem Diejenigen treffen, die ohne Tarifvertrag, in prekären Arbeitsverhältnissen oder im Schichtdienst tätig sind. Die Linke fordert dagegen die schrittweise Verkürzung der Wochenarbeitszeit, gesetzlich garantierte Zeitsouveränität und das Ende permanenter Erreichbarkeit. 

Mehr Flexibilität bedeutet auch mehr Ungleichheit zwischen den Geschlechtern 

Eine weitere Ausweitung der Flexibilisierung – etwa durch die Aufhebung der täglichen Höchstarbeitszeit – droht bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu verschärfen. Längere und variablere Arbeitstage schaffen neue Anreize für Überstunden und begünstigen Beschäftigte, die zeitlich jederzeit verfügbar sein können. Das betrifft vor allem Männer, während Frauen weiterhin einen Großteil der unbezahlten Sorge- und Familienarbeit übernehmen. Die Folge ist eine weitere ungleiche Verteilung von Erwerbsarbeitszeiten. 

Mehr Flexibilisierung verschärft gesundheitliche Probleme 

Schließlich hat eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten auch erhebliche gesundheitliche Folgen. Lange Arbeitstage, wechselnde Arbeitszeiten, fehlende Erholungsphasen und ständige Erreichbarkeit erhöhen nachweislich das Risiko für psychische Erkrankungen, Stress, Erschöpfung und Burnout.
 

Warum ist das Thema „Arbeitszeit“ so wichtig?

Das Gesamtarbeitszeitvolumen befindet sich auf einem Rekordniveau. Gleichzeitig ist die Zahl der Erwerbstätigen so hoch wie noch nie. Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten strukturell verändert. Die sinkende durchschnittliche Jahresarbeitszeit ist dabei nicht Ausdruck geringerer Arbeitsleistung,sondern steht im Zusammenhang mit dem Anstieg der Teilzeitbeschäftigung. Vor diesem Hintergrund steigt das Gesamtarbeitszeitvolumen, während die durchschnittliche Arbeitszeit pro Person sinkt. Eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetz ändert nichts, Geschlechterungerechtigkeit wird dadurch eher noch größer. 


Eine gesetzliche Verkürzung auf eine 40-Stunden-Woche würde keine Senkung des Lohneinkommens verursachen. Denn das im Unternehmen zu leistende Arbeitsvolumen bleibt auch bei kürzeren Arbeitszeiten für alle stets das Gleiche. Somit müssen mehr Leute eingestellt werden und die Masse der Arbeitslosen schrumpft, wodurch der Druck auf die Löhne geringer wird. Wie bei jeder Ware auf dem Markt verteuert sich auch die Ware Arbeitskraft, wenn sie knapp wird. Unter anderem deshalbbekommen Ingenieure derzeit mehr Geld als Reinigungskräfte. Der gemeinsame Kampf um Arbeitszeitverkürzung bietet die Basis für einen erfolgreichen Lohnkampf. Die 40-Stunden Schranke im gesellschaftlichen Durchschnitt, erhöht die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Nachfrage erhöht den Preis der Ware Arbeitskraft, also den Lohn der abhängigen Klasse. Dies kommt allen Branchen und Berufen zugute. 

 

Alle abhängig Beschäftigten wirksam schützen

Eine gesetzliche Regelung ist deshalb notwendig, weil nur noch ein kleiner Teil der Beschäftigten überhaupt tarifgebunden arbeitet. Das heißt, wenn die Arbeitszeit allein auf der tariflichen Ebene verkürzt wird, gibt es für die Arbeitgeber einen weiteren Anreiz zur Tarifflucht. 

Stattdessen muss die verkürzte Arbeitszeit für alle gelten, damit die Gesundheit aller Beschäftigter geschützt wird. Eine tarifliche Regelung kann die gesetzliche ja zusätzlich noch unterschreiten oder die spezifische Ausgestaltung in der jeweiligen Branche regeln.
 

 

In Deutschland sind nur noch 49 % aller Beschäftigten tarifgebunden. Etwa 43% aller Beschäftigten haben einen Betriebsrat. Über die Hälfte aller lohnabhängig Beschäftigten sind nicht durch einen Tarifvertrag in ihrem Arbeitszeitrahmen geschützt. Ihnen bleibt nur der gesetzliche Schutz. 

Sollte das Arbeitszeitgesetz von dem 8-Stunden Normalarbeitstag weiter entkernt werden, wäre diese Masse der Arbeitnehmerinnen der Willkür der Arbeitgeber weitestgehend ausgesetzt. Gleichzeitig würde sich der Druck auf tarifgebundene Betriebe und Gewerkschaften massiv erhöhen, um die Grenzen der bestehenden Arbeitszeitregelungen nach oben zu verschieben.

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind also negativ betroffen, sollte der 8-StundenTag geschliffen werden. Dies ist ein Kampf den alle gemeinsam zu führen haben. Ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht. Das Arbeitszeitgesetz geht uns alle an! 

Durch einen Kampf um die Arbeitszeitverkürzung wird die Einheit aller Lohnabhängigen hergestellt, d.h. auch nicht gewerkschaftlich organisierte Kolleginnen und Kollegen werden eingebunden. Nur bei einem Kampf um eine Arbeitszeitverkürzung für alle kann das Gesamtinteresse aller abhängig Beschäftigten wirksam werden.

Was sind abhängig Beschäftigte?

  • Eine Person die aufgrund eines (mündlichen oder schriftlichen) Arbeitsvertrages zur Erbringung der vereinbarten Arbeitsleistung in der vereinbarten Arbeitszeit gegen Entgelt verpflichtet ist
  • Die in einem Betrieb des Arbeitgebers eingegliedert ist
  • Die insbesondere in Bezug auf Art, Ort und zeitliche Lage der Arbeit den Weisungen des Arbeitgebers unterworfen sind

Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit

Arbeit ist das wichtigste Merkmal einer Klassengesellschaft. Ohne den Zugriff auf die menschliche Arbeitskraft keine Anhäufung von Kapital. Gesetzlich und tarifvertragliche Arbeitszeiten, Entlohnungsbedingungen und Sozialversicherungen spiegeln die jeweiligen Abhängigkeiten, gegensätzliche Interessen und Kräfteverhältnisse. Gegenwärtig ist nicht nur am Beispiel des Kampfes um den 8-Stunden-Tag zu besichtigen, wie die Kapitalseite mit ihren „Helfern“ in der Bundesregierung erneut den Klassenkampf zuspitzt.

Deshalb fordern wir unter anderem:

  • Reduzierung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit auf 40 Stunden die Woche
  • Ausnahmen der täglich zulässigen Höchstarbeitszeit von 8 Stunden sollen weiter eingegrenzt werden
  • Keine Verkürzung der Ruhezeit von 11 Stunden
  • Überstunden zu begrenzen, die Arbeitszeit komplett zu erfassen
  • Ein Mitbestimmungsrecht bei der Personalbemessung

 

Was kannst du tun?

  • Teile diese Links mit deinen Kolleginnen und Kollegen und sprich mit ihnen darüber
  • Engagiere dich bei uns. Kontakt: ag-bg@die-linke-hamburg.de
  • Gemeinsam in die Gewerkschaft, werde Mitglied, nur wer mitmacht kann was bewegen
  • Nehmt als Bezirksvorstände und Stadtteilgruppen Kontakt zu aktiven Kollegen und Kolleginnen in örtlichen Betrieben auf

Verbreite diese Broschüre

Unsere Treffen

Wir, die Mitglieder der Landesarbeitsgemeischaft Betrieb & Gewerkschaft Hamburg treffen uns jeden letzten Donnerstag im Monat in den Räumen der Landesgeschäftsstelle der Die Linke Hamburg.

E-Mail: ag-bg@die-linke-hamburg.de
 

Demo: Sozialstaatretter*innen stehen zusammen

Ort: Innenstadt
Veranstalter: DGB und Einzelgewerkschaften

Mitten im Sommer der Zumutungen graben die so genannten Sozialreformen dem Sozialstaat mehr und mehr das Wasser ab:z.B. durch die Ausweitung sachgrundloser Befristungen, die Aufweichung des Kündigungsschutzes und des 8-Stunden-Tages, durch ein „GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ auf dem Rücken der Patient*innen, die Abschaffung der… Weiterlesen

Zurück zum Kopf der Seite