Landstrom für Kreuzfahrtschiffe: Senat betreibt Greenwashing

Norbert HackbuschStephan Jersch

Ende 2023 hat der Senat verkündet, dass drei Viertel der Kreuzfahrtanläufe dieses Jahr in Hamburg mit Landstrom versorgt werden. Anfragen der Linksfraktion zeigen, dass es sich bei dieser Ankündigung um Greenwashing handelt. 180 Anläufe sollen laut Senat in Steinwerder und Altona mit Landstrom versorgt werden. Doch insgesamt sind derzeit lediglich elf Schiffe landstromfähig und zertifiziert. Die Zahl der Anläufe dieser Schiffe im Jahr 2024 beläuft sich gerade mal auf 46. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass keine Landstrompflicht besteht und somit die Entscheidung für oder gegen eine Landstromversorgung der Reederei obliegt. Bereits 2023 zeigte sich, dass nicht bei jedem Anlauf eines Kreuzfahrtschiffes, welches Landstrom beziehen könnte, eine entsprechende Versorgung erfolgt. Bei 45 Anläufen der bezugsfähigen Schiffe erfolgte nur bei 28 Anläufen eine Landstromversorgung. Ungereimtheiten gibt es auch bei den Angaben zur Landstromfähigkeit der Schiffe: Im vergangenen Sommer waren mehr Schiffe zertifiziert. Wie unter diesen Umständen drei Viertel der Anläufe von Kreuzfahrtschiffen mit Landstrom versorgt werden sollen, ist offen.

Dazu Stephan Jersch, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Meine Skepsis hat sich bestätigt. Entweder beherrscht der Senat den Dreisatz nicht oder er ist unehrlich gegenüber uns und den Hamburger*innen. Ein Bruchteil der Kreuzfahrtschiffe, die dieses Jahr geplant haben, Hamburg anzulaufen, können überhaupt - Stand jetzt - Landstrom beziehen. Die Zahlen belegen eindeutig, dass die Vorstellung des Senats weit von der Realität entfernt ist, sodass hier von einer Täuschung gesprochen werden kann. Das ist Greenwashing par excellence – zugunsten der Kreuzfahrtindustrie.“

Dazu Norbert Hackbusch, hafenpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Es gibt mehrere Ungereimtheiten und falsche Angaben in der Antwort auf unsere Anfrage. Die Angaben für das Jahr 2023 und die Prognose für das Jahr 2024 stimmen hinten und vorne nicht. Und nicht einmal auf Nachfrage fanden Korrekturen statt. Die Zahl der landstromfähigen und zertifizierten Schiffe hat sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert. Es ist daher unverständlich, wie es dann gelingen soll, drei Viertel aller Kreuzfahranläufe mit Landstrom zu versorgen! Selbst wenn alle AIDA-Schiffe landstromfähig und zertifiziert sind, würden gerade mal die Hälfte der Kreuzfahrtanläufe mit Landstrom versorgt. Also werden die Anwohner*innen im Hamburger Hafen sich auch in Zukunft auf schlechte Luft einstellen müssen, obwohl der Senat sie eigentlich schützen müsste.“