Ignoranz bei IV-Klassen: Warum schert die Behörde sich nicht um Recht junger Geflüchteter auf Bildung?

Sabine Boeddinghaus

Auch geflüchtete junge Menschen haben ein uneingeschränktes Recht auf Bildung. Die schulische Bildung hat gerade hier entscheidenden Anteil an ihren Zukunftschancen in dieser Gesellschaft. Eine Anfrage der Linksfraktion nach dem Unterrichtsausfall in Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) zeigt das Desinteresse des Senats.

Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Schulbehörde kann doch wohl nicht ernsthaft behaupten, keinen Einblick in die Art und den Umfang des Unterrichtsausfalls in den IV-Klassen zu haben. Jedes Schulkind kann morgens um halb acht feststellen, wieviel Unterricht ausfällt – nur die Behörde nicht? Das ist schlichtweg unglaubwürdig!“

Sabine Boeddinghaus„Wenn der Senat behauptet, er sorge für die gleichmäßige Verteilung der IV-Klassen auf alle Schulen und Schulformen, dann blendet er aus, dass Schulen mit Sozialindex 1 bis 3 ein Drittel mehr IVK-Schüler*innen unterrichten als Schulen mit Sozialindex 4 bis 6: Hier sind es 1914 Schüler*innen, dort 1450. Ähnlich ungleich ist die Verteilung zwischen den beiden weiterführenden Schulformen, 1100 IVK-Schüler*innen an den Gymnasien und 1523 an den Stadtteilschulen. Der Senat muss aber alle Schulen in die Pflicht nehmen – auch die Privatschulen, von denen immerhin zwei IV-Klassen haben!“

Eine weitere Erkenntnis der Anfrage ist das Desinteresse des Senats an der Qualifikation der in IV-Klassen eingesetzten Lehrkräfte. Sabine Boeddinghaus„Diese Ignoranz schreit zum Himmel! Wer dort was wie tut, scheint zweitrangig, zumindest hat der Senat darüber Null Kenntnis! Ich meine: Integration gelingt nur, wenn wir auch integrieren: Das System der separaten IV-Klassen führt offenbar eher zu einer Parallelstruktur in den Schulen und eben nicht zu einer solidarischen und inklusiven Schulgemeinschaft, in der alle dieselben Rechte auf guten und sicheren Unterricht haben! Doch genau das wäre ein Modell für die Zukunft – wenn sich alle Schulen beteiligen!“

Unsere Anfrage (Drs. 22/14656).