Femizide benennen, analysieren, verhindern!

Cansu Özdemir

Jeden dritten Tag tötet in Deutschland ein Mann seine (Ex-)Partnerin. Jeden Tag versucht ein Mann, dies zu tun. Insbesondere wenn Frauen sich trennen wollen, müssen sie um ihr Leben fürchten – Männer nicht. Die Tötungen von Frauen aufgrund ihres Frauseins und aufgrund ungleicher Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern wird als Femizid bezeichnet. Trotz des alarmierenden Ausmaßes der Fälle gibt zu diesem Phänomen erschreckend wenige Daten. Dies wurde von der Expert*innengruppe zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt (GREVIO), dem Deutschen Institut für Menschenrechte (DIMR) sowie der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft immer wieder angemahnt. Seit letztem Jahr analysiert die Justizbehörde als Reaktion auf diese Kritik Urteile von Tötungsdelikten zu Lasten von Frauen.

Auf Anfrage der Linksfraktion teilt die Behörde nun mit, dass bislang zwölf Urteile aus dem Jahr 2022 analysiert wurden. Sechs der Fälle wurden als klar geschlechtsspezifisch motiviert verortet, also als vollendete oder versuchte Femizide. In weiteren vier Fällen wurden die Täter für schuldunfähig erklärt, weshalb es problematisch sei, ihnen ein eindeutiges Motiv zuzuschreiben. Und nur zwei der zwölf Fälle wurden klar als nicht geschlechtsspezifisch motiviert deklariert.

Hierzu Cansu Özdemir, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: "Das sind krasse Zahlen. Mindestens die Hälfte der vollendeten oder versuchten Tötungen von Frauen sind Femizide. Bei einem weiteren Viertel kann die Behörde es zumindest nicht ausschließen. Die Zahlen müssen in die Öffentlichkeit. Sie zeigen, dass wir mehr und tiefer analysieren müssen, um endlich wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln. Das Töten aus Frauenhass und Frauenverachtung muss ein Ende haben!"

Unsere Anfrage (Drs. 14232) finden Sie im Anhang an diese Mitteilung. 

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