Fehlplanung beim Recyclinghof Bergedorf: Stadt versenkt Projekt und steht mit leeren Händen da

Stephan Jersch

Nach immer weiteren Verzögerungen hat die Stadtreinigung Hamburg (SRH) Ende Januar den Abbruch der Planungen für einen Neubau des Bergedorfer Recyclinghofs („Recyclinghof der Zukunft“) in der Nähe der Krapphofschleuse verkündet. Damit steht der dringend notwendige Ersatz des Bergedorfer Recyclinghofs nach sechs Jahren Planung wieder am Anfang. Zu allem Überfluss scheint es keinen Plan B zu geben. Eine Anfrage der Linksfraktion zeigt jetzt: Nicht der problematische Baugrund auf einem ehemaligen Spülfeld der Erdölförderung brachte die Planungen zu Fall, sondern Senkungen des Geländes aufgrund eines abgepumpten Gasspeichers.

Dazu Stephan Jersch, Wahlkreisabgeordneter für Bergedorf und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Seit Jahren kommt es im Umfeld der Krapphofschleuse zu messbaren Bodenabsenkungen. Die Stadt hat sogar im Februar 2021 eigene Datensätze zu den Geländehöhen veröffentlicht. Im Vergleich mit den Zahlen von 2011 wurde die Problematik dort bereits deutlich. Auch die Bergedorfer Zeitung berichtete damals. Der Baugrund war von vornherein ein Risiko. Der schadstoffbelastete Boden musste abgetragen und eine überraschend gefundene Rohöl-Leitung ausgegraben werden. Warum trotz der jahrelangen Planungen zuerst nicht auffiel, dass der Untergrund, durch die fast 100-jährige Erdgas- und Erdölförderung einem Schweizer Käse gleicht und sich messbar senkt, ist völlig unbegreiflich - die Daten lagen ja vor. Bis zu einer halben Million Euro wurden für die bisherige Planung verschwendet.“

Stephan Jersch zu den möglichen Konsequenzen: „Der Ersatz des völlig unterdimensionierten alten Recyclinghofs ist alternativlos. An Sonnabenden sind die Warteschlangen schier endlos. Hier wurde bei der Projektierung im Blindflug agiert. Die fehlende Alternativplanung und die fehlende Berücksichtigung der Bodenabsenkungen fallen nun den Nutzer*innen, dem Bezirk und der SRH auf die Füße. Das Projekt muss unverzüglich neu aufgesetzt werden.“  

Unsere Anfrage (Drs. 22/14364) hängt dieser PM an.

 

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