„Was ich für sie empfand, findet ihr in ihren Briefen“, sagte die japanische Russistin und Übersetzerin YUASA Yoshiko (1896-1990) kurz vor ihrem Tod. Ihre Freundin, die sozialistische Schriftstellerin CHÛJÔ Yuriko (18991951), hatte sie seit deren zweiter Heirat 1930 nicht mehr gesehen. Seit ihrem ersten Treffen 1924 bis zu ihrer gemeinsamen Reise in die Sowjetunion 1927 schrieb Yuriko an Yoshiko leidenschaftliche Briefe aus allen Regionen Japans. Die beiden Frauen gehörten der proletarischen Literaturbewegung Japans an. Die Genossinnen schrieben darin nach der Gründung der KPJ 1923 gegen die Unterdrückung der Arbeiterklasse und dann gegen die eigenen Genossen an. Die Freundinnen unterstützen sich bei den ersten schriftstellerischen Schritten, die sie aus der Ehe und aus der politischen Bevormundung durch die Partei führen sollten. Zweifel über die Beziehung der beiden Frauen und Angriffe auf die Qualität der Werke bekämpften die beiden Frauen bis zu ihrer Trennung 1930. Die Veröffentlichung der Briefe 1986 durch Yoshiko war ein Liebesbeweis an die Freundin Yuriko, die 30 Jahre zuvor gestorben war.
In ihrer Dissertation schreibt die Übersetzerin und Autorin Sandra Beyer über Reiseliteratur von Japanerinnen nach Europa. Dabei ist sie auf die Werke von Frauen gestoßen, die die Bewegung aus den weiblichen Sphären des Hauses zur Selbstbefreiung und die Feder als Schwert nutzten.
Moderation: Hildegard Heinemann, LISA