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20. April 2012 Bürgerschaftsfraktion

Zwei-Säulen-Modell gescheitert: Stadtteilschule wird zur Haupt-, Real- und Sonderschule

Abbildung: Verteilung der Schülerinnen und Schüler mit Gymnasial-Empfehlung, ohne Gymnasial-Empfehlung sowie mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf die 5. Klassen der Stadtteilschulen und Gymnasien, Hamburg Schuljahr 2012/13 (Stand nach Abschluss der Schulorganisation ende März 2012)

Hamburg ist eine sozial tief gespaltene Stadt. Einerseits wohnen hier die meisten Millionäre, andererseits leben 25 % der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahre in Armut. Während es in Groß Flottbek, Othmarschen, oder Blankenese nur 1 % sind, sind es in Dulsberg, Jenfeld, Rothenburgsort oder Wilhelmsburg 50 % und mehr.

Der SPD-Senat behauptet, er wolle den armen Kindern mehr Bildung zukommen lassen und sie dadurch aus der Armut herausholen. Dazu müsste zuerst die soziale Spaltung im Bildungswesen verringert werden. Tatsächlich passiert unter dem SPD-Senat das genaue Gegenteil: Fast alle SchülerInnen mit Gymnasialempfehlung werden auch ein Gymnasium besuchen (93 %), für die Stadtteilschulen bleiben nur 7%, dafür gehen fasst alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf die Stadtteilschule (98 %). Das geht aus den Antworten auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (Drs. 20/3293) zu den Anmeldungen für die Schuljahrgangsstufe 5 im kommenden Schuljahr 2012/13 hervor.

Dazu erklärt Dora Heyenn, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE: „Das Versprechen des SPD-Senats, mit Bildung gegen die Armut vorgehen zu wollen, entpuppt sich als bloße Worthülse. Hamburgs Stadtteilschulen entwickeln sich zurück zu Haupt-, Real- und Sonderschulen. Wenn nur die Hälfte der Schulen, nämlich die Stadtteilschulen, die Aufgabe der Inklusion meistern müssen, die Gymnasien aber nicht, kann man nur von ‚halber Inklusion’ sprechen. Im Hamburger Schulwesen wird auch unter Führung des SPD-Senats die soziale Spaltung vorangetrieben.“

Von den Gymnasialempfohlenen werden nur 7 % auf die Stadtteilschule und die restlichen 93 % aufs Gymnasium gehen. Umgekehrt werden 76 % der Schülerinnen und Schüler ohne Gymnasialempfehlung die Stadtteilschule besuchen, aber nur 24 % das Gymnasium. In den Stadtteilschulen sind kaum noch Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung zu finden. Die Stadtteilschulen werden damit zu dem, was früher die Haupt- und Realschulen waren (siehe Abbildung).

Allerdings gab es früher an den Haupt- und Realschulen keine Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Fast alle (98 %) Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden auf die Stadtteilschulen gehen, die Gymnasien bleiben hiervon weitgehend „verschont“. Die Stadtteilschulen müssen allein die „Inklusion“ meistern.

Insgesamt hatten von den 13.432 angemeldeten Schülerinnen und Schüler 40 % eine Gymnasialempfehlung und bei 3 % war ein sonderpädagogischem Förderbedarf festgestellt worden. Allerdings dürfte die letzte Zahl noch erheblich höher liegen, weil, wie es in der Antwort des Senats heißt,  „Erstellung sonderpädagogischer Gutachten ... zum Zeitpunkt der Schulorganisation noch nicht abgeschlossen“ ist.