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9. Juli 2009 Bürgerschaftsfraktion

Wie weiter mit Hapag-Lloyd ? Bischoff fordert Gesamtkonzept für maritime Wirtschaft

Die Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd ist ökonomisch in rauer See und muss als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise mit frischem Kapital gestützt werden. Das wird die Stadt Hamburg 170 Millionen Euro kosten. Finanz- und Wirtschaftsexperte Dr. Joachim Bischoff wirft dem schwarz-grünen Senat ein zu defensives Handeln vor und fordert ein übergreifendes Strukturkonzept die maritime Wirtschaft.

Im März 2009 hatte der TUI-Konzern nach monatelangem Hin und Her rund 57 Prozent seiner Reederei an das Hamburger Gesellschafter-Konsortium „Albert Ballin“ verkauft. Der Vorstand der Reederei hat jetzt von den Gesellschaftern einen zusätzlichen Kapitalrahmen von 1,75 Milliarden Euro eingefordert. 750 Millionen Euro sollen die Eigentümer unmittelbar aufbringen.

Auf die Stadt Hamburg kommen gemäß dieser Sanierungskonzeption 170 Millionen Euro zu, weil den größten Anteil am Hamburger Konsortium „Albert Ballin“ hält. Die anderen Beteiligten am Konsortium sollen 255 Millionen € zusätzlich Kapital aufbringen. Die TUI AG mit einem Anteil von 43 % muss 325 Millionen Euro einschießen. Der Großaktionär TUI hatte bereits eine Kreditlinie von 1,4 Milliarden Euro bereitgestellt, diese Kreditlinie reicht offenkundig für die nächsten Monate nicht aus. Daher sollen Bankkredite über rund eine Milliarde Euro aufgenommen und durch den Bund und die Freie und Hansestadt verbürgt werden. Der tatsächliche Finanzierungsbedarf ist abhängig vom Verlauf der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen internationalen

Die Situation im Containergeschäft ist auch mit Blick auf die nächsten Monate unverändert kritisch, Einnahmen und Transportmengen sind rückläufig. Die Verluste der Container-Reederei sollen sich im ersten Halbjahr 2009 auf eine Größenordnung von rund 500 Millionen Euro summieren. Der Großaktionär Klaus-Michael Kühne, auch an der Albert Ballin Holding beteiligt, hat gegenüber der Presse mehrfach gefordert, dass sich Deutschlands größte Container-Reederei um Staatshilfen bemühen müsse.

Dazu erklärt Dr. Joachim Bischoff, Finanz- und Wirtschaftsexperte der Fraktion die LINKE:

„Der gesamten maritimen Wirtschaft in Deutschland geht es schlecht. Die Branchen - Werften, Reedereien, Schiffsfinanzierer und die Logistik – leiden unter einem drastischen Verfall der Frachtraten für Container. Auslöser dieses heftigen Absturzes ist ein Rückgang der Transportmengen bei gleichzeitig wachsenden Kapazitäten. Der schwarz-grüne Senat handelt angesichts der massiven Wirtschaftskrise zu defensiv. Es hilft nicht weiter immer nur für einzelne Unternehmen Lösungen zu entwickeln. Da die maritime Wirtschaft mehrere wirtschaftlich schwierige Jahren vor sich hat, muss ein übergreifendes Strukturkonzept angeboten werden.

Weil sich auch Hapag-Lloyd, die nach Kapazität die fünftgrößte Containerreederei der Welt ist, der schweren Weltwirtschaftskrise nicht entziehen kann, muss Hamburg - zusammen mit den anderen Eigentümern – zügig eine auf die nächsten zwei Jahre angelegte Finanzkonzeption auf den Weg bringen. Es war seit dem Einstieg in die Holding „Albert Ballin“ absehbar, dass mit den Unternehmensverlusten der Hapag-Lloyd auch die finanzielle Belastung für Hamburg ansteigen wird. Es ist überfällig, dass Hamburg sich aktiv in die Unternehmenspolitik einmischt und dafür sorgt, dass die schwere Krise nicht wieder auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird.

Immer deutlicher zeigt sich zudem, dass der Logistikunternehmer Kühne von seinem Firmensitz in der Schweiz aus seine eigenen unternehmerischen Interessen verfolgt und in dem Gesellschafterkonsortium „Albert Ballin“ keineswegs eine auf die Unternehmensführung von Hapag-Lloyd ausgerichtete Konzeption mittragen will.“