Zurück zur Startseite
Autor/inn/en:

Kontakt zur Pressestelle

DIE LINKE,
Landesverband Hamburg
Pressestelle,
Martin Wittmaack
Wendenstr. 6 • 20097 Hamburg
presse@die-linke-hamburg.de
+49 -(0)176 - 600 22 592

 
17. September 2014 Pressestelle, AG Bildungspolitik

Warum wir G9 an Hamburgs Gymnasien nicht brauchen!

Die Landesarbeitsgemeinschaft Bildungspolitik der Partei DIE LINKE hat die Schulzeitverkürzung am Gymnasium immer für falsch gehalten, unterstützt dennoch nicht das Volksbegehren der G9-Initiative, das am morgigen 18.9. startet.

Sabine Boeddinghaus, Sprecherin der LAG Bildung: „Wir haben bereits den neunjährigen Bildungsgang zum Abitur, nämlich an den Stadtteilschulen. Laut Schulgesetz bieten beide Schulformen sowohl studien- als auch berufsqualifizierende Bildungsgänge an. Außerdem ist es möglich, nach dem Besuch der 10. Klasse am Gymnasium in die Oberstufe einer Stadtteilschule zu wechseln.“

Man muss sich also fragen, was die wahren Motive derjenigen Eltern sind, die Stress und Leistungsdruck am 8-jährigen Gymnasium beklagen, ihre Kinder nicht an einer Stadtteilschule anzumelden und warum die Anmeldezahlen für das Gymnasium sogar steigen, obwohl es offenbar den Schülerinnen und Schülern nur Kummer bereitet. Sabine Boeddinghaus zu diesem Aspekt: „Diese Initiative zeigt deutlich, dass das 2-Säulen-Modell Aufstiegs- bzw. Versagensängste und Standesdünkel einer 2-Klassengesellschaft widerspiegelt. Nur mit dem Abitur an einem Gymnasium werden Hoffnungen auf eine gute Ausbildung und ein gutes späteres Auskommen verbunden. Die Stadtteilschulen gelten bei der Mehrheit der Hamburger Eltern vermeintlich als Schulen für die »praktisch Bildbaren« und diejenigen »mit besonderem Förderbedarf.«“

„Die Auseinandersetzung um die Länge der Schulzeit am Gymnasium geht völlig an den real existierenden Problemen an Hamburgs Schulen vorbei.“ meint Jochen Grob, Sprecher der LAG Bildung.

Diese sind:

  • die mangelhafte und einseitige (weil fast ausschließlich an den Stadtteilschulen stattfindende) Umsetzung der Inklusion,
  • die Ausgestaltung des Ganztages (GBS und GTS),
  • fehlende pädagogische Konzepte an fast allen Schulen für binnendifferenzierten, schülerorientierten Unterricht,
  • unzureichende integrierte Förder- und Unterstützungsmaßnahmen in allen Jahrgangsstufen und mangelhafte integrierte Sprachförderung,
  • schleppende Realisierung notwendiger Zu- und Umbauten an den Schulen und
  • vor allem die durch das 2-Säulen-Konzept deutlich verfestigte soziale Spaltung der Hamburger Schülerschaft!

Die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in Hamburg und ihr Anrecht auf eine umfassende Bildung müssen der Ausgangspunkt der Hamburger Bildungspolitik werden. DIE LINKE tritt für die »Eine Schule für Alle« ein, weil diese demokratischer und sozial gerechter als das Zwei-Säulen-Modell ist. Beginnen kann dieser Prozess schon jetzt in Kooperationen von Stadtteilschulen und Gymnasien, organisiert in regionalen Schulentwicklungsplänen vor Ort, unter Beteiligung aller schulischen Gremien, der bezirklichen Politik und der regionalen Schulaufsicht. Für den Weg zum Abitur können Oberstufenzentren / Oberstufenverbünde aus jeweils mehreren Stadtteilschulen und Gymnasien eingerichtet werden, in denen alle Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrem Leistungsvermögen in zwei, drei oder vier Jahren das Abitur erlangen können. Diese Oberstufenverbünde würden den einzelnen Schülerinnen und Schülern ein breiteres Kursangebot bieten und ohne Veränderung der Schulstruktur allen einen individuelleren Weg zum Abitur entsprechend ihren inhaltlichen Interessen eröffnen.

Sabine Boeddinghaus abschließend: „Mit unserem Vorschlag, den in ähnlicher Weise bereits die GEW vorgestellt hat, wäre die leidige Diskussion über G8/G9 im Interesse aller Schülerinnen und Schüler ein für alle Mal erledigt.“