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12. August 2009 Bürgerschaftsfraktion

Bildungsstreik zeigt Wirkung - Diskussion Bachelor-/Master-Studiengänge

Die kontroverse Diskussion um die Ausgestaltung der Bachelor-/Master-Studiengänge wird seit ihrer Einführung 1999 geführt. Kritiker bemängelten immer wieder die Konzeption als Schmalspurausbildung. Während des Bildungsstreiks wurde insbesondere kritisiert, dass das eigentliche Ziel ein kürzeres, stärker verschultes Studium mit höherem Praxisbezug ist und damit einer besseren Verwertbarkeit der Bachelor-Absolventen in Wirtschaft und Industrie dient.

Nach mehreren erfolglosen Anläufen, die Bachelor-/Master-Studiengänge im Wissenschaftsausschuss zu diskutieren, begrüßt die hochschulpolitische Sprecherin der LINKEN, Dora Heyenn, dass Frau Senatorin Gundelach nun offenkundig doch gewillt ist, dieses Thema aufzugreifen. Bei dem Memorandum, das die Wissenschaftssenatorin und die Präsidien der 6 staatlichen Hamburger Hochschulen jetzt unterzeichnet haben, bleiben allerdings Zweifel, ob die Bedingungen und die Abschlüsse wirklich verbessert werden im Sinne der Studierenden. Die wesentlichen Schwachstellen sind dabei:

  1. Es geht nicht um die Defizite bei der Umsetzung der Bachelor-/Master-Studiengänge sondern um die Konzeption.
  2. Eine Straffung der Studieninhalte verstärkt die rein formale und unwissenschaftliche Ausrichtung und führt weiter in die bildungspolitische Sackgasse.
  3. Die Praxiszeiten auszuweiten und mehr duale Bachelor-Studiengänge anzubieten trägt nicht unbedingt zu Verwissenschaftlichung des Studiums bei, eher zur beruflichen Qualifikation. Warum muss der Bachelor dann an einer Universität durchgeführt werden?
  4. Eine flexible Handhabung der Regelstudienzeit im Sinne von Verlängerung und eine Verringerung der studienbegleitenden Prüfungen sind ein Schritt in die richtige Richtung.
  5. Die Reform der Reform hat jedoch nur Sinn, wenn jeder Bachelor-Absolvent, der ein Masterstudiengang anschließen will, das auch tun kann. Da sieht die Realität allerdings ganz anders aus. Aus dem HIS-Projekt 2004 "Auswirkungen der Empfehlungen der Struturkommission auf dem Ressourcenbedarf der Universität Hamburg" geht hervor, dass Hamburg eine 50%-Regelung anstrebt.

Nach wie vor problematisch bleibt, dass die herausragenden Qualitätsmerkmale der deutschen Hochschulausbildung - das Diplom und der Magister - der Neuerung im Bologna-Prozess zum Opfer gefallen sind.

"Es ist doch bezeichnend, dass in USA jetzt ein neuer Studiengang angeboten wird: The German Diplome. Ein Herumwerkeln am Bachelor reicht nicht. Wenn schon daran festgehalten werden soll, dann müssen sich die Änderungen daran messen lassen, ob eine unabhängige, interdisziplinäre und kritische Bildung gewährleistet ist", so Dora Heyenn abschließend.