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31. Januar 2012 Bürgerschaftsfraktion

Tod des Pflegekinds Chantal: LINKE will Behördenstrukturen überprüfen

Mehmet Yildiz, familienpolitischer Sprecher Linksfraktion

Tragen undurchsichtige Behörden-Strukturen und die Überlastung von MitarbeiterInnen eine Mitschuld am Tod des Pflegekinds Chantal? Diese Frage stellt Mehmet Yildiz, familienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft.

"Dass Chantals Pflegefamilie nicht sorgfältig genug überprüft worden ist, ist nach allem, was jetzt bekannt geworden ist, offensichtlich", sagt Yildiz. "Aber statt nur über verschärfte Bestimmungen nachzudenken, sollten zudem die Verhältnisse in den zuständigen Ämtern und Institutionen genau analysiert werden. Denn was können neue Bestimmungen verändern, wenn die bestehenden Strukturen nicht in der Lage sind sie umzusetzen?"

Auffällig sei die Massierung von Problemfällen in Hamburg-Mitte und dann wieder die Häufung beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) Wilhelmsburg. "Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hamburger ASD generell in allen Bezirken überlastet sind, ist bekannt", stellt Yildiz fest. Sie hätten ein zu hohes Fallaufkommen. "Wenn da eine ungeeignete Pflegefamilie durch die Kontrollen ,durchrutscht', könnte das auch dieser Situation geschuldet sein."  Wäre der ASD besser ausgestattet, wäre eine sorgfältigere Prüfung des Falls möglich gewesen. Es müsse Fallobergrenzen für die MitarbeiterInnen des ASD in den Bezirken geben, fordert Yildiz.

Auch müßten die Behördenstrukturen überprüft werden. Nach Meinung von Yildiz gebe es momentan bei der Vermittlung von Kindern in Pflegefamilien "viel zu viele Schnittstellen und Institutionen": Chantals Pflegefamilie war von zwei Abteilungen des ASD, des Trägers VSE und der Amtsvormundschaft betreut worden. "Im Idealfall käme die Hilfe aus einer Hand", sagt Yildiz.

Im konkreten Fall hatte der Bezirk Harburg den Pflegefall an den Bezirk Mitte übergeben. "Es muss sichergestellt sein, dass für solche Übergaben genügend Zeit ist", sagt Yildiz. Fatal wäre es, wenn sich die MitarbeiterInnen der einen Behörde aus Zeitmangel zu sehr auf Vorarbeit der KollegInnen aus einer anderen Dienststelle verlassen würden. Wenn dann noch Wechsel bei den zuständigen MitarbeiterInnen dazu kommen - bei der hohen Fluktuation keine Seltenheit - geht der Überblick endgültig verloren.

Yildiz fordert, die Lage der Pflegefamilien genau zu überprüfen und im Familienausschuss zur Sprache zu bringen. In dem Zusammenhang seien auch die Unterstützungsmaßnahmen durch ASD und Träger genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei müsse auch über Geld gesprochen werden: "Der Bereich der Pflegefamilien ist generell unterfinanziert. Dem Grunde nach werden nur Aufwandsentschädigungen gezahlt", sagt Yildiz.