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14. September 2011 Bürgerschaftsfraktion

Tagespflege: Lückenbüßer zu Dumpingbedingungen

Es gibt in Hamburg, zu wenig Kita-Plätze, insbesondere zu wenige Krippenplätze. Angesichts der Tatsache, dass Eltern ab August 2013 einen Rechtsanspruch auf die Betreuung ihrer Kinder ab einem Jahr haben, füllt das Tagespflege-Angebot eine Lücke. Viele Eltern nutzen es als Überbrückung, so lange ihre Kinder keinen Platz in einer Kindertageseinrichtung bekommen.

Die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christiane Schneider kritisiert die Tagespflege hinsichtlich Qualifikation und Einkommen als "Billig-Kita" und fordert "Verbesserungen bei den Standards und den fairen Umgang der Stadt mit den Menschen, die in der Kindertagespflege tätig sind" sowie den schnellen Ausbau der Kitaplätze.

Es gibt auch Eltern, für die die flexiblen Angebotszeiten und die kleinen Krippengruppen von bis zu fünf Kindern ein gutes Angebot sind. "Auch wenn wir dieses Anliegen verstehen, halten wir den zügigen Ausbau eines qualitativ guten Kita-Angebots mit fachlich gut ausgebildetem Personal für den einzig richtigen Weg. Die von möglichst vielen Kindern genutzte Kita ist der optimale Ort für soziale Integration, pädagogische Förderung und auch für den fachlichen Austausch zwischen den Beschäftigten.

Das große Problem ist überdies: Bei der Tagespflege handelt sich um ein Dumpingangebot, um eine Art Billig-Kita - vornehmlich im Krippenbereich -  für die Stadt Hamburg. Obwohl das Angebot durch den schwarz-grünen Senat im letzten Jahr besser ausgestattet wurde, bleibt es massiv unterfinanziert. In der Tagespflege arbeiten in der Regel keine qualifizierten Fachkräfte", erklärt Christiane Schneider.

Die Tagesmütter betreuen bis zu fünf Kinder, haben vier Wochen Urlaub im Jahr und eine Fortbildungsverpflichtung von mindestens 18 Stunden. Die Einkommen bewegen sich im Bereich von ALG II. Im Mai 2010 haben sie im Schnitt pro Kind und Betreuungsstunde 2,50 Euro bekommen, heute immer noch unter drei Euro. Bereits für 2003 hatte das deutsche Jugendinstitut berechnet, dass der Stundenlohn bei 4,30 Euro liegen müsse.

Seit letztem Jahr können sich mehrere Tagesmütter zu sog. Großtagespflegestellen zusammenschließen. Da diese in der Regel die Kinder nicht in der eigenen Wohnung betreuen, erhalten sie eine Sachkostenpauschale für die erforderlichen zusätzlichen Investitionen. Warum erst Zusammenschlüsse ab drei Tagesmüttern? Warum bekommen nicht alle, die Räume anmieten müssen, einen Zuschuss? Hier lässt der Senat viele Tagespflegepersonen im Regen stehen.
Vor diesem Hintergrund einer ohnehin prekären Situation ist es für die Betroffenen unerträglich, wenn der bürokratische Aufwand steigt und sie dann, so in Wandsbek und zum Teil in  Hamburg-Nord, manchmal monatelang warten müssen, bis ihre Anträge bearbeitet werden und sie ihr Geld erhalten.

"Wenn und soweit das Angebot der Tagespflege genutzt wird und genutzt werden muss, unterstützen wir ohne Wenn und Aber Verbesserungen bei den Standards und den fairen Umgang der Stadt mit den Menschen, die in der Kindertagespflege tätig sind", betont Schneider.

Mit dem Ausbau der Horte und der Krippen droht ein Arbeitskräftemangel. Dieser ist nur mit verbesserten Arbeitsbedingungen und Einkommen für die Beschäftigten zu beheben. Dazu muss sich der Senat verhalten. Gleichzeitig droht durch die Verlagerung der Horte an die Schulen ein Einrichtungssterben. Jedenfalls schließt die Vereinigung der Hamburger Kindertagesstätten betriebsbedingte Kündigung nicht mehr aus.