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10. Dezember 2012 Pressestelle, AG Bildungspolitik

Stadtteilschulen als Reparaturbetrieb der Gymnasien

© Dieter Schütz / pixelio.de

Die Landesarbeitsgemeinschaft Bildungspolitik der Partei DIE LINKE hält den Bürgerschaftsbeschluss, die 11. Klassen der Stadtteilschulen für SchulformwechslerInnen aus den Gymnasien zu öffnen für ein völlig falsches Signal mit fataler Wirkung. »Hatte die Schulinspektion vielen Gymnasien unlängst hohen pädagogischen Nachholbedarf bescheinigt, fällt nun der positive Druck auf die Gymnasien, ihre Unterrichtsentwicklung so voranzutreiben, dass alle ihnen anvertrauten Jugendlichen auch das Ziel des Gymnasiums - das Abitur - ohne Sitzenbleiben erreichen, schlagartig weg und die Stadtteilschulen müssen einmal mehr für die Folgen gerade stehen,« sagt Christiane Albrecht, Abteilungsleiterin an einer Stadtteilschule und Mitglied im Landesvorstand der LINKEN.

Dass FDP und CDU diese Regelung goutieren, ist keine Überraschung. Schon in der Auseinandersetzung um die Primarschule, die zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen in der Sekundarstufe I wollte, haben sich die selbsternannten Bildungsbürger der Stadt vehement gegen ein Zusammengehen ganz unterschiedlicher SchülerInnengruppen zur Wehr gesetzt. Denn die eigentliche Herausforderung der Stadtteilschule ist das gemeinsame Lernen in der Mittelstufe (Klassen 5-10), nicht in der relativ ausgelesenen Schülerschaft der Oberstufe.

Sabine Boeddinghaus, Sprecherin der LAG Bildung: »Die Gegner des längeren gemeinsamen Lernens betreiben „Rosinenpickerei“. Sie melden ihre Kinder am Gymnasium an, wohlwissend, dass sie dort  in der Sekundartstufe I mit erheblich geringeren sozialen Herausforderungen konfrontiert sind. Sollten sie dann am Ende von Klasse 10 feststellen, dass ihre Kinder dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind, steht ihnen nun die Oberstufe der Stadtteilschule mit mehr Lernzeit offen. Damit werden die Stadtteilschulen nicht gestärkt, im Gegenteil, sie werden in ihrem Kerngeschäft, dem gemeinsamen Lernen in der Mittelstufe, erheblich geschwächt!«

Christiane Albrecht ergänzt: »Wir sind entsetzt, dass die SPD nicht an der Seite der Stadtteilschulen steht und sich weiter vor den „Scheuerl-Karren“ spannen lässt. Wir hätten erwartet, dass sie deutlich macht, wo die pädagogischen Stärken der Stadtteilschule liegen, nämlich in ihren interessanten Profilangeboten, in ihren über Jahre erprobten und bewährten Konzepten der individuellen Förderung und Binnendifferenzierung des Unterrichts und in ihrer nachgewiesenen hohen Qualität des Abiturs, zu dem sie eine große Zahl von Schülerinnen und Schüler führt, die in Klasse 5 keine gymnasiale Empfehlung hatten.«

Gerade vor Beginn der kommenden Anmelderunde ist diese Entscheidung verhängnisvoll. Anstatt offensiv für die integrative Qualität der Stadtteilschulen zu werben, sie mit entsprechend ausreichenden Ressourcen zu stärken, und sich damit bei den Eltern im Rahmen der Schullaufbahnberatung für ihre Kinder dafür einzusetzen, sich bereits ab Klasse 5 für eine Stadtteilschule zu entscheiden, öffnet die Sozialdemokratie den Eltern die bequeme Hintertür nach Klasse 10. Damit ist ein weiteres Mal deutlich geworden, dass die SPD die Stadtteilschule in Wahrheit nicht als gleichberechtigte Säule neben dem Gymnasium sieht, sondern als Auffang-und Reparaturbetrieb für das Gymnasium: Die Stadtteilschulen müssen schon jetzt eine erschreckend hohe Zahl von SchulformwechslerInnen nach Klasse 6 des Gymnasiums aufnehmen, sie schultern fast ausnahmslos die gesellschaftlich wichtige Aufgabe der Inklusion und nun wird „ihrem“ Abitur das Siegel der Zweitklassigkeit verliehen.

Die Mitglieder der LAG Bildung fordern die SPD nachdrücklich auf, diese Entscheidung rückgängig zu machen und mit einer angemessenen Ausstattung der Stadtteilschulen für deren Akzeptanz bei Hamburgs Eltern zu werben. In der kommenden Woche beschließt die Bürgerschaft über den zukünftigen Haushalt, also auch über den Bildungsetat. »Wir erwarten von der SPD ein klares Bekenntnis zur Stadtteilschule«, fordert Sabine Boeddinghaus, »und zwar nicht als Lippenbekenntnis, davon haben wir genug.«