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25. Januar 2012 Bürgerschaftsfraktion

SPD-Dekadenstrategie Sport: Privatisierung, Elite und Events

© Rochus / pixelio.de

Mit dem Strategiepapier "Hamburg macht Sport" setzt Innensenator Neumann auf die Fortführung der unter Schwarz-Grün geplanten Privatisierung der städtischen Sportplätze und öffentlicher Turnhallen.
"Damit verabschiedet sich Hamburg nach und nach aus seiner Verantwortung und damit aus der Sorge um Bewegung und Sport für alle Hamburgerinnen und Hamburger", so Mehmet Yildiz, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion. Großen Vereinen und anderen Trägern wird die Verfügungsgewalt über öffentliche Anlagen überlassen. "Instandhaltung, Sanierung und Betrieb wird, wenn überhaupt, nach Kassenlage stattfinden."

Durch die Ausweitung von PPP-Projekten ("Public-Private-Partnership") läuft es mittel- und langfristig darauf hinaus, dass Stiftungsverbunde und private Geldgeber entscheiden, ob und wer die Anlagen nutzen darf. Aktuellstes Beispiel: Das Pestalozzi-Quartier in St. Pauli. "Die Stadt überlässt es privaten und damit gewinnorientierten Investoren, ob und unter welchen Konditionen eine Turnhalle erhalten bleibt. Leidtragende sind Vereine und die Mitglieder, die über wenig Geldmittel verfügen. Das ist untragbar und hat mit Sportoffensive gar nichts zu tun", so Yildiz weiter. "Statt jedem Verein und anderen Zusammenschlüssen von Sportinteressierten kostengünstigen Zugang zu sanierten Anlagen zu ermöglichen, wird unter dem Deckmantel einer vermeintlichen ,Sportoffensive' der Ausverkauf öffentlicher Anlagen betrieben."

Kritisch sieht DIE LINKE auch die Pläne des Senates im Bezug auf die Einführung einer Spitzensportler-Quote für Bewerberinnen und Bewerber für Hamburger Hochschulen. "Nicht nur, dass in gleichen Atemzug die Härtefall- und Ausländerquote, also die Quoten, die einen Zugang von benachteiligten Menschen verbessern, massiv gesenkt werden. Es wird ein ganzes Hochschulgesetz geändert, weil 10 von 58 SpitzensportlerInnen in einem Zeitraum von drei Jahren abgelehnt wurden."


Grundsätzlich ist überhaupt fraglich, ob eine Spitzensportler-Quote beim Hochschulzugang sinnvoll ist. Bereits jetzt schon können Sportlerinnen und Sportler durch einen Antrag auf Nachteilsausgleich im Wege einer individuellen Anhebung der Durchschnittsnote bzw. über die Wartezeit einen erleichterten Zugang zu Hochschulen bekommen. Ganz davon abgesehen, dass es keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse darüber gibt, dass Spitzensportlerinnen und Sportler schlechtere Schulleistungen abliefern.

Weiter kritisiert Yildiz das Vorhaben des Senates, jährlich zehn Großveranstaltungen nach Hamburg zu holen. "Allein die Bewerbung um die Schwimmweltmeisterschaft 2013 hat den Steuerzahler knapp 50 Millionen Euro gekostet. Verbunden mit der Tatsache, dass in benachteiligten Stadtteilen wie Billstedt teilweise nur jedes zehnte Kind schwimmen kann, während in Blankenese die Quote bei nahezu 100% liegt, sind die Pläne des Senates wie ein Schlag ins Gesicht der benachteiligten Menschen. Wenn nur ein Bruchteil der Bewerbungskosten für Großveranstaltungen in den Breitensport investiert würde, könnte jedes Kind und jeder Erwachsene, unabhängig von den finanziellen Hintergründen den Sport betreiben, den es möchte", so Yildiz.