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4. Februar 2010 Bürgerschaftsfraktion

Servicewüste Deutschland?

Zu der Meldung „Jeder dritte Kunde sauer“ in der heutigen Morgenpost, erklärt Elisabeth Baum, Sprecherin für Wirtschafts- und Gewerkschaftspolitik:

Wenn man den liest, muss man wirklich glauben, dass die Beschäftigten in den Einzelhandelsgeschäften unfähig und faul, zudem noch unfreundlich wären. Zwar trifft es in Einzelfällen vielleicht zu, dass eine Verkäuferin nicht lächelnd das Wurstpaket über den Tresen hebt, aber ich muss hier eine Lanze für alle Verkäufer und Verkäuferinnen brechen. Die Arbeitsbedingungen in Handel und Dienstleistung sind keineswegs einfacher geworden und die Kunden nicht weniger anspruchsvoll. Die Ausbildung der Beschäftigten ist auch nicht minder zu bewerten.

Das Problem liegt da, wo der Geldbeutel sitzt – im Management!

Es werden doch heute um die Wette Personalkosten gespart! Der eine Einzelhändler schafft seine Umsätze bei 10% Personalkosten zu halten, der andere braucht nur 6%. Die Anforderungen der Kunden sind unterschiedlich: Wer in einen Discounter geht, erwartet nicht unbedingt Fachberatung, während in einem Elektrofachhandel vorausgesetzt wird, dass der Verkäufer Ahnung vom Fach hat.

Wenn 40% der Befragten den Service und die Beratung in Supermärkten bemängeln, frage ich mich, ob denn die Geschäftsführer und Manager diese Ergebnisse erfahren – nicht nur aus der Presse - und was diese Damen und Herren gedenken in ihrer Belegschaft ändern zu wollen?! Außer Personal zu entlassen und durch neue „günstigere“ Mitarbeiter zu ersetzen, oder vielleicht auch durch Zeitarbeitnehmer/Innen und Aushilfen.

In vielen Supermärkten gibt es nicht einmal genug Personal, um die Kassen bedarfsgerecht zu besetzen, geschweige denn Fachauskunft erteilen zu können. Es wird mit 400€-Kräften, die überwiegend am Rande der Legalität arbeiten müssen und mit Praktikanten versucht, über die Runden zu kommen. Es gibt kaum noch Vollzeitkräfte, manchmal noch sozialversicherungspflichtige Teilzeitkräfte, die aber die Arbeit gar nicht schaffen können.

Aufgrund der verlängerten Öffnungszeiten wurden die Schichtzeiten der Beschäftigten auseinander gezogen und nicht mehr Personal eingestellt.

Dass wir in Hamburg wachsende Beschäftigungszahlen im Handel haben, liegt vor allem an Teilzeitjobs und befristeten Arbeitsverträgen, sowie Neuansiedlungen von Discountern, die durch ihren Personalschlüssel die gesamte Beschäftigungsstruktur auch in Hamburg angreifen.

Hier pauschal zu behaupten, Deutschland wäre eine Servicewüste wird der Realität nicht gerecht!