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27. Juni 2008 Bürgerschaftsfraktion

Selber schuld! IN FORM blendet soziale Faktoren aus

Zu dem Nationalen Aktionsplan für gesunde Ernährung, der am Mittwoch im Bundestag verabschiedet wurde, erklärt die Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Kersten Artus:

Der Aktionsplan soll die Menschen bewegen, sich gesünder zu ernähren und mehr sportlich zu betätigen. Ein richtiges und gutes Ziel. Aber die beschlossenen Maßnahmen zielen nur auf individuelle Verhaltens-änderungen durch gezielte Informationskampagnen ab und bedienen damit ein weiteres Mal das Vorurteil, wer zu dick ist, ist selbst Schuld und muss nur mal richtig aufgeklärt werden.

Seit langem ist ein deutlicher Einfluss der sozialen Situation auf alle gesundheitlichen Faktoren bekannt, auch auf die Ernährung und sportliche Aktivitäten. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass von den Regelsätzen des ALG II, 4,25 Euro pro Tag für einen Erwachsen, 3,42 Euro für Jugendliche und 2,57 Euro für Kinder unter 13 Jahren eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht gewähr-leistet werden kann. Diese Entwicklung verschärft sich zusätzlich durch die überdurchschnittlichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln.

Anstatt von den Einzelnen die Quadratur des Kreises zu verlangen müssen die Regelsätze sofort angepasst werden. Darüber hinaus ist für allen Hamburger Kindern in Schulen und Kitas ein kostenloses und gesundes Mittagessen zur Verfügung zu stellen.

Jedes Kind, ob arm oder reich, bewegt sich gern. Aber der Besuch in einem Hamburger Schwimmbad kostet für Erwachsene zwischen 4,50 und 9,50 Euro, Kinder zahlen (auch schon als Babys) zwischen 2,40 und 6,80 Euro. Arme Kinder leben in enger bebauten Gebieten mit weniger Platz zum Spielen und Bewegen. Die Hamburger Sportpolitik muss daher dem Breitensport den Vorrang einräumen. Solange den Vereinen Trainings-zeiten in Hallen und auf Plätzen nach der Leistung der Mitglieder zugewiesen werden, haben die Sportvereine ein größeres Interesse an Spitzensportlern. Auch arme Menschen müssen sich sportlich betätigen können, zum Beispiel durch kostenlose Besuche von Sportvereinen und Schwimmbädern.

Die Ausrichtung des Programms wird nur eines bringen: In der öffentlichen Diskussion wird Übergewicht weiter als individuelles Versagen dargestellt und mit "faul" und "gefräßig" gleichgesetzt. Vor allem für Frauen und Mädchen werden Schlankheitsideale weiter zu einer körperlichen und psychischen Belastung. Sie werden immer häufiger und früher Erfahrung mit Diäten und Medikamenten zur Gewichtsreduktion machen und an Essstörungen leiden.