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5. August 2012 Bürgerschaftsfraktion

Schulschwänzer in den Knast: Drakonische Strafen sind keine Lösung!

Hamburger Behörden gehen immer rabiater gegen Schulschwänzer vor: Dabei werden nicht nur Bußgelder verhängt, sondern mit stark steigender Tendenz landen zahlungsunwillige oder –fähige SchülerInnen auch im Knast. 2011 wurde in 132 Fällen Jugendarrest verhängt. Die Fraktion DIE LINKE kritisiert das Vorgehen scharf und fordert Hilfe statt Strafen. Betroffen seien vor allem SchülerInnen, die Leistungen auf oder unter dem Hauptschulniveau erbringen und deren Perspektivlosigkeit vorgezeichnet ist.

Sogenannte „anhaltende Schulpflichtverletzungen“, die nichts anderes bedeuten als tagelanges Wegbleiben vom Unterricht – meist ohne Wissen der Eltern – findet überwiegend in den Klassen 8 und 9 statt. Und wie der damalige Oppositionspolitiker Ties Rabe im Dezember 2008 in einer Bürgerschaftssitzung sagte: „Je niedriger der Bildungsgang ist, desto höher sind die Schwänzerquoten.“ Und in der Tat ist Schulabsentismus an den Gymnasien nicht das Thema.

„Jeder junge Mensch, der ein Schulschwänzer ist, ist einer zuviel“, kritisiert Dora Heyenn, hochschulpolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende. „Es sind vorwiegend SchülerInnen, die Leistungen auf oder unter dem Hauptschulniveau erbringen, die keine Lust mehr haben in die Schule zu gehen. Anstatt den Druck immer weiter zu erhöhen und die Jugendlichen sogar in den Knast zu schicken, wie in 132 Fällen im letzten Jahr, sollte nach den Ursachen geforscht werden. Fakt ist, dass 2011 nur 16% aller Jugendlichen, die mit einem Hauptschulabschluss eine Hamburger Schule verließen, einen Ausbildungsplatz erhielten und 65 % in Warteschleifen landeten. Wer keine Perspektive hat, der hat auch keine Lernmotivation.“

„Allen Versprechungen zum Trotz: die Chancen für SchülerInnen mit dem Ersten Bildungsabschluss sind immer noch sehr, sehr schlecht und das wissen die jungen Leute. Es müssen mehr Ausbildungsplätze angeboten werden, nicht nur dual sondern auch schulisch voll qualifizierend. Anstatt zu bestrafen, sollten Hilfen angeboten werden“, so Heyenn.

Und das ist auch in der Vergangenheit geschehen – ansatzweise. 48 Asklepios-RückkehrerInnen wurden von 2008 bis Juni 2012 als so genannte Assistentinnen und Assistenten für Schulbesuchsüberwachung eingesetzt. In einem Abschlussbericht zu diesem Projekt geht hervor, dass das eine wirkungsvolle Maßnahme gewesen ist und die unentschuldigten Fehlzeiten signifikant zurückgegangen sind.

Der damalige Oppositionspolitiker Ties Rabe hob im Juni 2009 im Schulausschuss lobend hervor, dass der Einsatz einer Kraft „an einer Schule alleinig zur Erfassung und zur Kontaktaufnahme von Schulschwänzern und deren Eltern sehr erfolgreich verlaufen“ sei und forderte konsequenterweise für die SPD „Konzepte zu entwickeln, die solch positiven Bestrebungen an Hamburger Schulen flächendeckend implementierten.“ „Der sozialdemokratische Schulsenator sollte das jetzt auch umsetzen“, fordert Dora Heyenn.