Zurück zur Startseite

Kontakt zur Pressestelle

DIE LINKE,
Landesverband Hamburg
Pressestelle,
Martin Wittmaack
Wendenstr. 6 • 20097 Hamburg
presse@die-linke-hamburg.de
+49 -(0)176 - 600 22 592

 
19. September 2012 Bürgerschaftsfraktion

Rotstift bei der Suchtselbsthilfe: SPD verkauft Kürzung als Gleichbehandlung

In der gestrigen Sitzung des Vergabeausschusses für die Hamburger Selbsthilfegruppen hat die Gesundheitsbehörde noch einmal dargestellt, in welchem Umfang und aus welchen Gründen die vor einiger Zeit bekannt gewordenen Kürzungen in der Suchtselbsthilfe erfolgen. Betroffen sind rund 120 Alkoholsuchtgruppen der Diakonie (ELAS) und die der Guttempler. Sie werden künftig von KISS betreut, der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Hamburg.  

Damit fallen für die Gruppen unter anderem spezielle Angebote weg, vor allem die Ausbildung in Gesprächsführung. Diese kostet zwischen 400 und 1000 Euro pro Person. Konkret geht es um ca. 150.000 Euro.

Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die gezielte und praxisnahe Ausbildung in Gesprächsführung ist kein Privileg für eine Selbsthilfegruppe, wie der Senat behauptet. Es findet nunmehr eine Angleichung nach unten statt, die sich bereits kurzfristig auf die gesundheitliche Versorgung süchtiger Menschen und damit auf die Kostensituation auswirken wird. Selbsthilfe kann umso besser erfolgen, je geborgener sich Betroffene in einer Gruppe fühlen. Sie gibt Kraft und Rückhalt, sie stabilisiert den Gesundheitszustand. Letztlich beugt sie Rückfällen vor – was wohl auch kostenpolitisch der wichtigste Effekt ist.“

Artus befürchtet zudem dramatische Folgen für das Vergabekonzept der Selbsthilfe in Hamburg. Die Mittel sind gedeckelt - ein Teil zahlt die Stadt, einen Teil die Krankenkassen. Wenn alle Fördergruppen ihre Rechte auf Förderung ausschöpfen, maximal 650 Euro pro Jahr plus Projekte bis maximal 1.000 Euro pro Jahr, entsteht eine Verteilungskonkurrenz. Das sei unzumutbar und ein fatales Signal. „Es wird immer großen Wert darauf gelegt, dass Selbsthilfe sich unabhängig organisiert. Mit der geplanten Kürzung aber werden die Gruppen systematisch in die Finanztöpfe der Pharmaindustrie getrieben. Das darf nicht geschehen!“

Kersten Artus hat einen Brief an die Gesundheitssenatorin geschrieben, in dem sie sie auffordert, die Kürzungen in der Suchtselbsthilfe nicht durchzuführen. Stattdessen sollte ein zweiter Blick auf die Anträge der Klinikkonzerne geworfen werden, die Millionen Euro an Investitionskostenzuschüsse beantragt haben. Hier könnte konkret umverteilt werden.