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29. Oktober 2014 Bürgerschaftsfraktion

PUA-Yagmur: Letzte Zeugenbefragung

Einen beeindruckenden Schlusspunkt setzte gestern Horst Tietjens, Leiter der Jugendhilfeinspektion in seiner Befragung im Untersuchungsausschuss Yagmur – Kinderschutz in Hamburg. Er war in der 14. Sitzung des PUA der letzte Zeuge, der von den Abgeordneten befragt wurde, bevor nun die Beratungen für den Abschlussbericht beginnen.
 
Durch die Frage von Mehmet Yildiz, familienpolitischer Sprecher der Fraktion der LINKEN in der Hamburgischen Bürgerschaft, wurde das ganze Dilemma des ASD noch einmal auf den Punkt gebracht: Herr Tietjens hatte in seiner zweieinhalbstündigen Befragung immer wieder deutlich gemacht, in welch prekärer Lage die ASD-Abteilung Mümmelmannsberg sich Ende 2013 befand. Von den 16 Mitarbeitenden, für einen sozial hoch belasteten Stadtteil mit vielen Familien mit komplexen Problemen zuständig,  waren 9, also über 50%, wenig berufserfahren, davon 4 noch in der Probezeit. Von den übrigen 7 erfahrenen Fachkräften waren 3 langzeiterkrankt. Die für Yagmur zuständige hochschwangere Sozialpädagogin hatte, nach eigenem Bekunden, keine Zeit, die Fallakten gründlich zu studieren, konnten dadurch die Gefahr, in der Yagmur sich befand, nicht erkennen. Zum Schluss musste sogar eine Mitarbeiterin, die sich noch in der Probezeit befand, allein die Fallbearbeitung weiterführen, da es offenkundig keine erfahrene Mitarbeiterin mehr gab, die sie hätte anleiten können. Aber auf die Zusammenfassung von Mehmet Yildiz, dass es in der ASD-Abteilung also ein Personalproblem gegeben habe, entgegnet Tietjen ‚ es hätte kein allgemeines Personalproblem gegeben, sondern nur individuelles Fehlverhalten. Sonst hätte die zuständige Abteilungsleitung ja das Problem gemeldet.
 
„Es kann nicht sein, was nicht sein darf“, resümiert Mehmet Yildiz. „Wider besseres Wissen muss der langjährige Mitarbeiter der Behörde, kurz vor seiner Pensionierung noch die Weste seines Arbeitgebers sauber halten. Der ASD wurde jahrelang von der Behördenleitung im Stich gelassen. Die Mitarbeitenden schlagen schon seit Jahren Alarm, dass ihre Arbeitssituation unhaltbar und damit das Kindeswohl in der Stadt hochgradig gefährdet ist. Keiner wollte sie hören. In den Anhörungen hörten wir viel über Betroffenheit. Doch diese Betroffenheit reicht nicht, um nun endlich mal ehrlich zuzugeben, dass der Tod Yagmurs vielleicht hätte verhindert werden können, wenn der ASD Mümmelmannsberg personell so ausgestattet gewesen wäre, dass die Mitarbeitenden hätten gut arbeiten können. Nun wird das Personalproblem geleugnet, nur weil die Abteilungsleitung dies nicht offiziell zugegeben hat. Die Verantwortung nun auf einen Abteilungsleiter abwälzen zu wollen, der keine Überlastungsanzeige gestellt hat, ist billig“, so Yildiz „Der Senator weiß seit Jahren, wie schlecht die Personalsituation aussieht. Ein Abteilungsleiter ist ein Bauernopfer, Herr Scheele!“