Zurück zur Startseite

Kontakt zur Pressestelle

DIE LINKE,
Landesverband Hamburg
Pressestelle,
Martin Wittmaack
Wendenstr. 6 • 20097 Hamburg
presse@die-linke-hamburg.de
+49 -(0)176 - 600 22 592

 
6. Juni 2012 Bürgerschaftsfraktion, Fraktion HH-Mitte

Protest gegen Gentrifizierung in St. Georg: Rettet den Traditions-Buchladen Wohlers!

Innerhalb weniger Tage ist die Verteidigung einer kleinen St. Georger Buchhandlung gegen völlig aberwitzige Mieterhöhungen zu einem hamburgweit wahrgenommenen Beispiel für den Kampf gegen die Gentrifizierung innenstadtnaher Quartiere, die Zerstörung gewachsener Stadtteilstrukturen und speziell die Vernichtung des örtlichen Kleingewerbes geworden. Es geht um die Buchhandlung Dr. Robert Wohlers in der Langen Reihe 68/70, der mit einer Verdreifachung der monatlichen Miete von 1.400 auf 4.100 Euro durch den Vermieter und Spekulanten Frank Lendrusch der Garaus gemacht werden soll.

Seit 79 Jahren ist diese von einem ehemaligen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten gegründete „Traditionsbuchhandlung“ im Hauptbahnhofviertel ansässig, mittlerweile wird sie in dritter Generation geführt. Das drohende Ende dieser Buchhandlung ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, der in den vergangenen Jahren bereits Dutzende von kleinen Läden insbesondere auf der Langen Reihe zum Opfer gefallen sind, aktuell des Modell- und Hobby-Ladens Schellhaß (45 Jahre) und des weit über den Stadtteil hinaus bekannten Kräuterhauses (gut 100 Jahre). Geschäfte, die wegen exorbitanter Mieterhöhungen zum 30. Juni schließen bzw. die Lange Reihe verlassen müssen.

Dazu erklärt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft, Heike Sudmann: „Die gezielte ‚Aufwertung’ und Gentrifizierung innerstädtischer Quartiere trifft Menschen mit geringerem Einkommen und MieterInnen ebenso wie die kleinen, meist inhabergeführten Geschäfte. Sie werden von geldversessenen HauseigentümerInnen durch drastische Mieterhöhungen und Eigentumsumwandlungen verdrängt, um eine noch größere Rendite einzufahren. Solchen Entwicklungen, wie sie in vielen Hamburger Stadtteilen festzustellen sind, muss endlich Einhalt geboten werden. Überfällig ist eine Gesetzgebung, die auch kleine Gewerbetreibende und die Nahversorgung gegen den galoppierenden Mietenwahnsinn schützt. DIE LINKE wird hierzu den Antrag zu einer entsprechenden Bundesratsinitiative in die Bürgerschaft einbringen.“

Tim Golke, im Wahlkreis 1 (Hamburg-Mitte) gewählter Abgeordneter der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE, erläutert: „Der zu befürchtende Untergang der Buchhandlung steht exemplarisch für eine von Bezirksamt und Senat beförderte ‚Aufschickung’ St. Georgs. Seit Jahren wird hier ein Hotel- und Bürobau nach dem anderen durchgewunken, seit Jahren wird das Konzept verfolgt, das Hauptbahnhofviertel zur ‚Visitenkarte’ Hamburgs zu machen. Für immer mehr Touristen-, Hotel- und Gastropublikum sollen alle diejenigen weichen, die dieses Bild stören könnten: Randständige auf dem Hansaplatz und um den Hauptbahnhof, MieterInnen mit kleinem Geldbeutel und eben Geschäfte, die eine wichtige Versorgungsfunktion für die Wohnbevölkerung übernehmen. Hier muss endlich ein Umdenken einsetzen, Bezirksamt und Senat müssen akzeptieren, dass St. Georg und insbesondere die Lange Reihe gerade wegen der noch vorhandenen bunten und toleranten Atmosphäre eine Art Milieuschutz erfahren muss.“

Bernhard Stietz-Leipnitz, Fraktionsvorsitzender der LINKEN in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte und selbst seit Jahrzehnten in St. Georg ansässig, ergänzt: „Mit der Buchhandlung Wohlers würde einer der letzten Pluspunkte der Langen Reihe zerstört werden. Der Vermieter Jendrusch muss Abstand nehmen von seinem obszönen Mieterhöhungsverlangen und damit einen kleinen Beitrag leisten, den eh schon zusammengeschrumpften Gewerbemix auf der Langen Reihe wenigstens in der jetzigen Form zu erhalten. Wir begrüßen ausdrücklich den breit im Stadtteil formulierten Protest und rufen auf zur Teilnahme an der Demonstration am 6. Juni gegen Spekulation und Mietenwahnsinn um 18 Uhr. Der Parole, ‚die Jendruschs können gehen, Wohlers bleibt’ schließen wir uns uneingeschränkt an!“