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27. Mai 2010 Bürgerschaftsfraktion

Östliche HafenCity: Retortenstadtteil mit Büros und teuren Wohnungen

Der am gestrigen 26. Mai vorgestellte Entwurf des "Masterplans für die östliche HafenCity" wird vom Senat als großer Schritt in Richtung einer urbanen Großstadt gefeiert. Die Kritik an dem westlichen Quartier - zu teurer Grund und Boden, zu wenig bezahlbare Wohnungen, zu viel überflüssiger Büroraum, zu viele aufwändige Leuchtturmprojekte - wurde in Maßen berücksichtigt. Jedoch viel zu wenig, so die Kritik der Fraktion DIE LINKE.

Im östlichen Bereich sollen 2.800statt der vorgesehenen 2.500 Wohnungen "mit hohen ökologischen Standards" entstehen, teilweise in bis zu 150 m hohen Hochhäusern gegenüber den stark befahrenen Elbbrücken. Doch nach wie vor ist das Doppelte für Gewerbe- und Büronutzung vorgesehen. Teil des Masterplanes ist auch der Lohsepark, in dem ein "Gedenkort Hannoverscher Bahnhof" entstehen soll; das integrierte Dokumentationszentrum, das an die Deportation von mindestens 7.692 Juden, Sinti und Roma während der Nazi-Zeit erinnern soll. Im Oberhafen ist zudem ein "Kreativ- und Kulturquartier" angedacht.

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE, Dr. Joachim Bischoff, erklärt dazu:

"Es ist sicher zu begrüßen, dass der Senat die Zahl der Wohnungen auf 2.800 erhöhen will. Doch es werden keine günstigen (Sozial-)Wohnungen entstehen, sondern überwiegend Wohnungen mit vergleichsweise teurem Passivstandard ab 10 Euro/qm. Von einem gemischten Quartier für alle Bevölkerungsschichten, kann keine Rede sein."

Die Hochhäuser mit den möglicherweise etwas günstigeren Wohnungen ausgerechnet nahe den stark frequentierten Elbbrücken zu bauen ist wegen der Lärmbelastung mehr als fragwürdig. Warum trotz des Büro-Leerstands in Hamburg mit etwa 1 Mio. qm immer noch doppelt so viel Fläche für Büro- und Gewerbeneubau vorgesehen ist, bleibt ein Rätsel.

"Schon jetzt gibt es große Schwierigkeiten, die Gewerbeimmobilien in der westlichen HafenCity zu vermieten. Wir brauchen nicht noch mehr Büro-Leerstand, wir brauchen vor allem bezahlbare (Sozial-) Wohnungen in Hamburg", so Bischoff weiter.

Die seit längerem geplante Gedenkstätte im Lohsepark ist unzureichend konzeptioniert, weil vom Hannoverschen Bahnhof zwar die Juden und Jüdinnen in der Nazi-Zeit deportiert wurden, nicht aber die Sinti und Roma. Die mussten ihren Weg in die Vernichtungslager vom ehemaligen Fruchtschuppen C aus antreten, einem Gelände in der HafenCity, das bereits verplant ist. Hier wäre es angemessen, ebenfalls eine würdige Erinnerungsstätte für die Deportation der Roma und Sinti zu schaffen.