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29. März 2011 Fraktion HH-Mitte, Stadtteilgruppe St. Pauli

Neuer Wochen- & Flohmarkt: Ein Aprilscherz?

Ablenkungsmanöver vom Scheitern einer Zwischennutzung auf dem Ex-Real-Gelände

Am 31. Mai 2010 schloss der Real-Markt in der Alten Rindermarkthalle an der Feldstraße auf St. Pauli seine Pforten. Nicht nur für den Einkauf von Lebensmitteln, sondern für unzählige Dinge des täglichen Bedarfs fehlt der vorherige Vollsortimenter an allen Ecken und Enden. VertreterInnen der bisherigen Bezirkskoalition aus SPD und GAL und der Bezirksverwaltung wurden nicht müde zu beteuern, dass sie alles täten, um die entstandene Lücke zu schließen. Konkretes zur Umsetzung des AnwohnerInnenwunsches nach Wiederherstellung der Nahversorgung ist hingegen bis heute hin nicht zu vernehmen. Seit vielen Monaten wird nun bereits behauptet, dass Verhandlungen liefen und ein Vertragsabschluss unmittelbar bevorstehe. Je länger eine Lösung dieses Versorgungsproblems auf sich warten lässt, desto wahrscheinlicher erscheint es, dass die Bemühungen nicht sonderlich intensiv gewesen sind.

Zur Zwischennutzung fassten die Sanierungsbeiräte Karolinenviertel und Wohlwillstraße (St. Pauli-Nord) mehrere Beschlüsse, in denen gefordert wird, dass die Bezirkspolitik die beiden Beiräte in die Entwicklung eines Zwischennutzungskonzepts einbezieht. Nun konnten die betroffenen Menschen Plakaten und kursierenden Werbeflyern eines kommerziellen Flohmarktbetreibers entnehmen, dass am 1. April auf dem Ex-Real-Gelände ein Wochen- und Flohmarkt eröffnet, der wöchentlich Freitags von 8 bis 15 Uhr stattfinden soll. Das ganze ist laut Aussage des Betreibers (www.kreaktiva.de) auf sieben Jahre angelegt, während SPD, GAL und Fachamt zuvor stets von einer Zwischennutzungszeit von drei bis vier Jahren gesprochen hatten. Die beiden Sanierungsbeiräte, trotz der Neuwahlen auch in diesem Jahr zu Sitzungen zusammengekommen, wissen bis heute weder etwas von dem neuen Marktangebot noch, welche Planungen für die Rindermarkthalle verfolgt werden. Obwohl die Bezirkspolitik selbst diese Gremien eingerichtet hat, werden diese komplett übergangen und zu Pseudo-Beteiligungsgremien degradiert.

„Bürgerbeteiligung“ im Bezirk unter Leitung von Markus Schreiber (SPD) funktioniert halt anders: „Kommt eine Geschäftsfrau zur Privataudienz bei ihm, spielt er schnell den großen Kümmerer, wenn die Umsetzung eines Anliegens ihm einen Zugewinn an Reputation verspricht. Dann interessiert ihn auch nicht, dass die engagierte Gewerbetreibende Mitglied im Sanierungsbeirat Karoviertel ist und sie am gesamten Gremium vorbei im Alleingang mit ihm im Hinterzimmer auskungelt, was die Menschen auf St. Pauli, im Karo- und im Schanzenviertel zum Leben brauchen“, so Markus Schneider-Johnen, Sprecher der St. Pauli-Linken. Wahrscheinlich spielt ihm das Marktvorhaben gut in die Karten, denn es dürfte ein willkommenes Ablenkungsmanöver vom Scheitern einer weitergehenden Zwischennutzung sein.

Es ist aber davon auszugehen, dass sich die AnwohnerInnen nicht für dumm verkaufen lassen und bei der Markteröffnung durch Markus Schreiber am 1. April deutlich machen werden, was alles weiterhin fehlt: von der Nahversorgung über bezahlbare Wohnungen bis hin zu Transparenz und ernsthafter Einbeziehung der Menschen vor Ort in die Planungen,“ sagt Bernhard Stietz-Leipnitz, Fraktionsvorsitzender der LINKEN in der Bezirksversammlung Mitte.