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2. November 2011 Bürgerschaftsfraktion

Langzeiterwerbslosigkeit in Hamburg nimmt weiter zu – Statistiktricks eingeräumt!

Dieter Schütz /pixelio.de

Laut Arbeitsagentur Hamburg gab es im Oktober in Hamburg im Vergleich zum Oktober 2010 einen Rückgang von 2.700 (13%) gemeldeten Arbeitslosen auf jetzt 68.800. Die Arbeitslosenquote bleibt wie im September 2011 aber bei 7,4 %. Bei den Arbeitslosen im Hartz-IV-Bezug (SGB II) hat es dagegen im Vergleich zum Oktober 2010 sogar einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 50.500 (+1.000 oder 2,0%) gegeben.

Nach Angaben der Arbeitsagentur gebe es nach wie vor einen hohen Anteil von Arbeitslosen, die aufgrund geringer Qualifikation, wegen Langzeitarbeitslosigkeit oder ihres Alters schwer Arbeit fänden. Zwar gehe die Jugendarbeitslosigkeit zurück, der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung sei aber schwierig.

Dazu erklärt der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE Dr. Joachim Bischoff: „Die Arbeitsagentur hat nun erstmals bestätigt, dass das eigentliche Problem der beschönigenden Statistik der Bundesagentur darin liegt, dass Teilnehmer-/innen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen statistisch nicht als arbeitslos gezählt werden und damit die tatsächliche Arbeitslosigkeit nicht richtig abgebildet wird. Im Vergleich zum Oktober 2010 hätten etwa 6.500 weniger Menschen an Maßnahmen (z. B. Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigungszuschuss oder berufliche Weiterbildung) teilgenommen.

Daraus zu schlussfolgern, dass sich dadurch die Zunahme der Arbeitslosen beim Jobcenter ,relativieren’ würde, ist aber Unsinn. Es gibt entgegen den Behauptungen der Arbeitsagentur leider auch keinen tragfähigen Beleg dafür, dass hat die Arbeitskräftenachfrage inzwischen auch die Kundinnen und Kunden des Jobcenters erreicht hätte. Die Maßnahmen sind nämlich weitgehend ohne anschließenden Integrationserfolg ausgelaufen. Die betroffenen Menschen bleiben im Hartz-IV-System, weil die Unternehmen sie trotz angeblichen Fachkräftemangels nicht wollen.“

Es ist grundsätzlich erfreulich, dass sich der Hamburger Arbeitsmarkt nach wie vor stabil zeigt und von einer hohen Arbeitskräftenachfrage bestimmt ist. Es gibt auch einen Beschäftigungszuwachs im Vergleich zum Vorjahresmonat in allen ‚Wirtschaftsabschnitten’ mit einem Jahreshöchstwert an offenen Stellen.

Das resultiert jedoch leider vor allem aus dem großen Bedarf der Leiharbeitsfirmen. „Gut jede dritte Arbeitsstelle ist von Leiharbeitsfirmen gemeldet, was auf die zunehmende dramatische Fehlentwicklung weg von regulärer Arbeit hinweist.

Es gilt auch in Hamburg, dass schlecht bezahlte Leiharbeit die Arbeitsmarktstatistik schönt. Besonders dramatisch ist die Lage zudem in Harburg, wo die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat erneut gestiegen ist. Alles in allem geben die neuen Arbeitsmarktzahlen also keinerlei Grund zur Entwarnung, zumal auch die Bundesagentur für Arbeit selbst in Anbetracht der deutlichen Abschwächung des Wirtschaftsaufschwungs für 2012 bereits mit ‚unsicheren Zeiten für den Arbeitsmarkt’ rechnet“, schließt Dr. Bischoff.