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29. September 2011 Bürgerschaftsfraktion

Jugendliche Alkohol-TestkäuferInnen: Minderjährige nicht zu verdeckten Ermittlern machen, die andere zu Straftaten anstiften

Gerd Altmann / pixelio.de /www.pixelio.de

Äußerst kritisch äußert sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kersten Artus zu dem Vorhaben des SPD-Senats, Jugendliche als TestkäuferInnen für Alkohol einzusetzen. In der Aktuellen Stunde der Bürgerschaft sagte sie:

"Jugendliche sollten vor problematischem und gefährlichem Alkoholkonsum zu geschützt werden. Die Wahl der Mittel ist dabei nicht egal: Testkäufe von Kindern und Jugendlichen lehnt DIE LINKE aus ethischen, pädagogischen und entwicklungspsychologischen Gründen ab. Vielmehr haben sie ein Recht darauf, dass Schutzbestimmungen uneingeschränkt eingehalten werden. Kinder als Lockvögel zu missbrauchen ist nicht mit ihrer Würde vereinbar. Auch das Argument, dass nur über 16 jährige mit strengen Auflagen als TestkäuferInnen genutzt werden sollen, greift zu kurz. Das heißt in seiner Konsequenz: zu jung zum trinken, aber alt genug um als verdeckte ErmittlerInnen zu agieren.Fakt ist: Alkoholkonsum ist eine Alltagskultur. Er erfüllt sowohl im sozialen Miteinander als auch in der individuellen Alltagsbewältigung zahlreiche Funktionen - ob uns das nun gefällt oder nicht. Kinder erlernen am Beispiel ihrer Eltern die soziale und kulturelle Bedeutung und die vermeintlich positiven Auswirkungen des Alkohols kennen. Der jugendliche Alkoholkonsum ist daher nur ein Spiegelbild des allgemeinen Umgangs  mit  der  Alltagsdroge  Alkohol. Wer ein für Erwachsene allgemein kulturell  akzeptiertes Verhalten  bei  Jugendlichen als grundsätzlich falsch oder moralisch verwerflich erklärt,  macht sich für Jugendliche völlig unglaubwürdig. Während der Pubertät müssen junge Menschen erwachsenes Verhalten erproben, reflektieren und ein eigenes Verhältnis dazu entwickeln. Das Erlernen eines eigenverantwortlichen und verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol gehört zur Entwicklung einer erwachsenen Persönlichkeit dazu. Nicht aus dem jugendlichen Alkoholkonsum an sich entsteht ein riskantes Trinkverhalten oder eine Alkoholsucht, sondern aus den sozialen und psychischen Risikofaktoren und den in zu geringem Maße vorhandenen Schutzfaktoren. Während auf der einen Seite die Diskussion um jugendliche TestkäuferInnen schon seit einigen Jahren andauert, wurden im gleichen Zeitraum die Ladenschlussgesetze so geändert, dass Discounter auf der Reeperbahn bis 23 Uhr billigen Alkohol  verkaufen können - ein Angebot, dass sich in hohem Maße an Jugendliche und junge Erwachsene richtet, die sich die teuren Getränkepreise in den Bars und Clubs gar nicht leisten können.Jugendschutz muss immer und für alle Kinder und Jugendlichen gelten und kann nicht, da wo es vielleicht für die Gesellschaft oder die Politik der einfachere Weg ist, relativiert werden. Sowohl der Kinderschutzbund als auch die Kinderkommission des Deutschen Bundestages stehen dem Ansinnen ebenfalls ablehnend gegenüber."