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29. April 2013 Bürgerschaftsfraktion

Interfraktionelle Initiative: Hamburger Ehrenbürgerschaften stärker historisch einordnen

Paul von Hindenburg. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-S51620 / CC-BY-SA, via Wikimedia Commons

Über Hamburgs Ehrenbürgerschaften soll die Öffentlichkeit künftig umfassender informiert werden. Darauf haben sich die Bürgerschaftsfraktionen von SPD, Grüne, FDP und DIE LINKE in einem gemeinsamen Antrag verständigt (siehe Anlage). Welche historischen Zusammenhänge und Gründe führten jeweils dazu, dass einer Persönlichkeit die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde? Wie sind die Ernennung und der Anlass heute im Lichte neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu bewerten? Dazu finden sich – vor allem in der im Internet zur Verfügung stehenden Liste aller Hamburger Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger (www.hamburg.de/ehrenbuerger/) – bislang keine Auskünfte.

Dass eine solche Überarbeitung notwendig ist, zeigt allein der unzureichende Eintrag zu Paul von Hindenburg, dem 1917 die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde und über die gegenwärtig kontrovers – auch in den antragstellenden Fraktionen – diskutiert wird: „Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934), Königlich preußischer General-Feldmarschall und späterer Reichspräsident, dankbare Verehrung des siegreichen und ruhmgekrönten Feldherrn.“ In die offiziellen Darstellungen zu den Ehrenbürgern und Ehrenbürgerinnen Hamburgs, insbesondere derer vor 1945, müssen deshalb neue Forschungserkenntnisse einfließen, ihr Leben und Wirken kritisch hinterfragt werden. Die aktuelle Debatte zum Thema Hindenburg bietet hierzu einen guten Anlass.

Dora Heyenn, Fachsprecherin Wissenschaft der Fraktion DIE LINKE: „Es ist wichtig, dass Ehrenbürgerschaften breit diskutiert werden. Denn schließlich sind sie eine besondere Ehre, die die gesamte Stadtgemeinschaft vergibt. Das gilt auch rückblickend. Nach einer sorgfältigen Abwägung im historischen Kontext kann auch die Aberkennung dieser Ehre durchaus geboten sein. Das befürworten wir von der LINKEN ausdrücklich. Besonders wichtig für die Diskussionen in der Stadt und für uns ist die Begründung, warum eine Person die Ehrenbürgerschaft erhalten hat oder erhalten soll. Deshalb begrüßen wir, dass durch den Antrag der vier Fraktionen in der Hamburgischen Bürgerschaft der Anlass und die Verdienste, die zu einer Ehrenbürgerschaft geführt haben, transparent gemacht und ins Netz gestellt werden sollen. Das ist auch für die Verleihung dieser Auszeichnung in der Zukunft hilfreich.“

Philipp-Sebastian Kühn, Fachsprecher Wissenschaft der SPD-Fraktion: „Ergänzen statt Tilgen – dieses Prinzip halten wir gerade auch mit Blick auf die Ehrenbürgerschaft Hindenburgs für richtig. Ohne jede Frage lässt sich die damals getroffene Entscheidung aus heutiger Sicht nur noch schwer nachvollziehen. Aber das darf trotzdem nicht automatisch dazu führen, dass wir unser historisches Gedächtnis aus falsch verstandener politischer Korrektheit um einzelne Personen 'bereinigen'. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte muss auch die Schattenseiten in den Blick nehmen. Dazu braucht es die nötigen Hintergründe und Informationen. Insofern ist es gut, dass wir uns im Zuge der Diskussion um Hindenburg mit dieser Frage jetzt intensiver auseinandersetzen und den Anstoß für eine wissenschaftlich begleitete Überarbeitung der offiziellen Ehrenbürgerschafts-Liste geben.“

Dr. Wieland Schinnenburg, wissenschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion: „Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Hamburger Ehrenbürgerschaften macht gleich aus mehreren Gründen Sinn: Sie stellt dieses Thema grundsätzlich wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit, wird mit großer Wahrscheinlichkeit zur Versachlichung der Debatten beitragen und könnte durchaus auch neue Erkenntnisse liefern. Deshalb unterstützt die FDP-Fraktion diesen Antrag.“