
In der Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage von Christiane Schneider zum Thema „Neonazistische Gewalt in Hamburg“ unterschlägt der Senat drei Gewalttaten, die von Neonazis in Hamburg in diesem Jahr verübt wurden, obwohl diese im Fokus der öffentlichen Berichterstattung standen. Im Wahljahr 2009 haben Mitglieder der NPD gemeinsam mit militanten Neonazis von ihren Informationsständen aus mehrfach PassantInnen und DemonstrantInnen angegriffen und zum Teil schwer verletzt.
Christiane Schneider, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE:
„Es ist ein handfester Skandal, dass Innensenator Ahlhaus drei neonazistische Gewalttaten, bei denen vier Menschen in Hamburg zum Teil schwer verletzt wurden, in seiner Antwort auf die Anfrage der LINKEN verschweigt, obwohl die Medien über diese brutalen Neonazi-Angriffe ausführlich berichtet hatten.
Der Innensenator ist offensichtlich nicht bereit, detaillierte Auskunft über Ermittlungsverfahren gegen neonazistische Gewalttäter zu geben und behauptet, dass eine Einzellfallauszählung in der für die Beantwortung einer Kleinen Anfrage zur Verfügung stehenden Zeit mit vertretbarem Verwaltungsaufwand nicht möglich sei.“
Die dem Justizsenator unterstellte Staatsanwaltschaft hingegen hat zumindest eine Auswertung der Akten des Jahres 2009 vorgenommen, obwohl die Fragestellung auch den Zeitraum des Jahres 2008 umfasste.
Der CDU-GAL-Senat verweigert eine detaillierte Antwort zu folgenden drei neonazistischen Gewalttaten:
Die monatlichen Anfragen der Bundestagsfraktion DIE LINKE an die Bundesregierung haben ergeben, dass nach vorläufigen Erkenntnissen in den drei Quartalen des Jahres 2009 mindestens 13.231 Straftaten von Neonazis verübt wurden, darunter 620 Gewaltdelikte gegen MigrantInnen, Linke, Obdachlose und andere Opfer. Die Summe der Straftaten wird noch steigen, da davon auszugehen ist, dass die Landeskriminalämter weitere Fallzahlen für das Jahr 2009 nachmelden werden.
In Hamburg wurden nach Angaben der Bundesregierung im „Bereich politisch motivierte Kriminalität rechts“ 23 Gewalttaten und 142 sonstige Straftaten (Propagandadelikte) im Zeitraum Januar bis September 2009 verübt.
Hinzugezählt werden muss die sog. „Hasskriminalität“, das sind politisch motivierte Straftaten, die sich gegen eine Person aufgrund ihrer politischen Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung, ihres äußeren Erscheinungsbildes oder ihres gesellschaftlichen Status richten. Im Bereich der „Hasskriminalität“ wurden im Zeitraum Januar bis September 2009 in Hamburg 10 Gewalttaten und 39 sonstige Straftaten verübt.
Außerdem wurden im selben Zeitraum im Bereich der fremdenfeindlichen Straftaten 10 Gewalttaten und 27 sonstige Straftaten sowie im Bereich der antisemitischen Straftaten 11 Propagandadelikte verübt.
Damit wird deutlich, dass in Hamburg die Zahlen der registrierten neonazistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Straftaten mit insgesamt 43 Gewalttaten und 219 sonstigen Straftaten ein unerträgliches Ausmaß haben.
DIE LINKE fordert den Senat auf, unverzüglich und detailliert Auskunft über die Ermittlungsverfahren gegen Rechtsextremisten seit Januar 2008 zu geben.