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4. Juni 2012 Bürgerschaftsfraktion

HSH Nordbank: Zahlen zum 1. Quartal 2012 sind eine einzige Katastrophe!

Am Freitag veröffentlichte die Bank ihre Zahlen zum 1. Quartal 2012, die nach Auffassung der Fraktion DIE LINKE auf ganzer Linie enttäuschen: Der Gesamtertrag aus operativem Geschäft fiel 62 % schlechter aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Von den Bankverantwortlichen erklärt wird der Rückgang mit dem verordneten Schrumpfungsprozess der Bank. In dem gleichen Zeitraum reduzierte sich die Bilanzsumme jedoch lediglich um 2 %. Das vielbeschworen neue Geschäftsmodell der Bank wirkt sich offensichtlich nicht positiv auf die Ergebnisse des operativen Geschäftes aus, zudem sind die Personalkosten trotz Personalabbau gestiegen. Die Bank greift außerdem zu allerlei Bilanztricks, um das Ergebnis zu schönen.


Zu den wesentlichen Ergebnissen aus operativem Geschäft gehört der Rückgang des Zinsüberschusses um 18 % (265 Mio. Euro nach 325 Mio. Euro in Q1 2011), der Rückgang des Provisionsüberschusses um 25 % (24 Mio. Euro nach 32 Mio. Euro in Q1 2011) und ein deutlich mehr als 100 % höherer Verlustausweis im Handelsergebnis, von 203 Mio. Euro Verlust nach 34 Mio. Euro Verlust im Q1 2011.

Um trotzdem ein einigermaßen vorzeigbares Ergebnis präsentieren zu können, wurden wieder alle Register gezogen: Die "bilanzielle Sicherungswirkung" des öffentlichen Garantierahmens wurde erneut erhöht.  Es heißt im Quartalsbericht: "Die erstmals zum 31.Dezember 2010 eingetretene bilanzielle Sicherungswirkung des von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein über die HSH Finanzfonds gewährten Garantierahmens beträgt zum 31. März 2012 1.690 Mio. Euro." Diese "bilanzielle Sicherungswirkung" wurde im 1. Quartal 2012 um 131 Mio. Euro erhöht und trug mit diesem Betrag zum Ergebnisausweis eines Konzernüberschusses im Q1 2012 von 128 Mio. Euro bei.

Bekanntlich konnte die Bank im 1. Quartal 2012  500 Mio. Euro Einmalzahlung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein wieder vereinnahmen und zur Kapitalerhöhung verwenden, im Gegenzug gab die Bank 38.314.176 Stück neue Aktien an die Länder heraus. Die Länder mussten 13,05 Euro pro Aktie bezahlen, davon gingen je Aktie 10 Euro ins Grundkapital der Bank, 3,05 Euro je Aktie, insgesamt 116,85 Mio. Euro, wurden von der Bank in ihre Kapitalrücklage gebucht.

Diese komfortable neue Kapitalausstattung wurde sofort dazu genutzt, zwei Nachrangdarlehen in einem Gesamtvolumen über nominal 821 Mio. Euro von Investoren zu einem sogenannten Barwert (mit Abschlag) zurückzukaufen. Dieser Barwert ist um so geringer bzw. der Abschlag umso höher, je schlechter die Ergebnisprognosen der Bank für die weiteren Geschäftsjahre sind. Da diese Prognosen offensichtlich richtig schlecht ausfielen, konnte die Bank diese Nachrangdarlehen mit einem Abschlag über 261 Mio. Euro zurückkaufen. Diese 261 Mio. Euro wurden ertragswirksam verbucht und trugen wesentlich zum Ergebnisausweis im 1. Quartal 2012 bei.

Gestiegen sind zudem die Personalkosten trotz Mitarbeiterrückgang. Zudem stiegen die Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen. Im 1. Quartal 2012 wurden 71 Mio. Euro den Pensionsrückstellungen zugeführt, das entspricht 11 % auf den Bestand von 644 Mio. Euro. Erklärt wird dieses mit dem Rückgang des Marktzinses.

"Beruhigend, dass der Vorstand wenigstens seine eigene Versorgung nicht vergisst", kritisiert Kersten Artus, wirtschaftspolitische Sprecherin. "Das ,neue Geschäftsmodell' hätte jedoch ebenfalls eine entsprechende kompetente Aufmerksamkeit des Vorstandes verdient, bisher ist eine solche nicht ansatzweise erkennbar. Um eine gesicherte Zukunft gewährleisten zu können, müsste die HSH Nordbank endlich zeigen, dass sich das neue Geschäftsmodell auch in den Ergebnissen des operativen Geschäftes auswirkt, zumindest wäre ein positiver Trend dringend notwendig. Die Bank wird sich nicht auf ewig mit Hin- und-Her-Buchereien, vereinnahmten Ergebnissen aus Sondereinflüssen und Garantiehilfen der öffentlichen Hand über Wasser halten können."