Zurück zur Startseite

Kontakt zur Pressestelle

DIE LINKE,
Landesverband Hamburg
Pressestelle,
Martin Wittmaack
Wendenstr. 6 • 20097 Hamburg
presse@die-linke-hamburg.de
+49 -(0)176 - 600 22 592

 
30. November 2010 Bürgerschaftsfraktion

HSH Nordbank: "Schwarze Zahlen" im dritten Quartal?

Der vor seiner Ablösung stehende Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, wird das Feld nicht ohne Geltendmachung von Ansprüchen räumen. Stolz präsentiert der Vorstandsvorsitzende die Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2010 und verweist auf seinen überragenden Anteil am Sanierungserfolg.

Das Debakel mit der HSH Nordbank ist nicht durch die Finanzkrise und die Pleite der US Bank Lehman verursacht worden, sondern dadurch lediglich ans Tageslicht gekommen. Der ursächliche Grund war - wie bei anderen Landesbanken auch - das Geschäftsmodell. Auch die HSH Nordbank investierte wegen des auf ihr lastenden Renditedrucks gewaltige Summen in risikoreiche Wertpapiere und Geschäftsfelder.

Das veröffentlichte Zwischenergebnis der Sanierung nach neun Monaten sieht folgendermaßen aus: Die Bank schrumpft weiter, die Bilanzsumme ist jetzt bei 162 Mrd. Euro angelangt. Die Bank trennt sich, soweit überhaupt möglich, von Kreditbeständen und wird dabei unterstützt von der konjunkturellen Aufwärtsbewegung und der damit zusammenhängenden Konsolidierung im Schifffahrtsbereich. Das Neugeschäft ist ausgesprochen unterentwickelt, Verlängerungen bzw. Prolongationen von bestehenden Kreditengagements und Umschuldungen bestimmen das operative Geschäft.

Das Ergebnis aus Finanzanlagen ist mit 193 Mio. Euro nunmehr positiv: die Stabilisierung der Finanzmärkte zeigt sich in Wertaufholungen im Kreditersatzgeschäft. Entscheidend für die Verminderung des Konzernfehlbetrages auf minus 246 Mio. Euro ist allerdings nicht das Ergebnis aus einem möglicherweise erfolgreichen neuen Geschäftsmodell, sondern fußt auf erfolgswirksamen (GuV-wirksamen) Rückbuchungen von Risikovorsorgen im Kreditgeschäft. Die Bank trifft nicht nur deutlich weniger Vorsorge für eventuelle Kreditausfälle - was kaufmännisch dringend geboten wäre -  sondern löst teilweise sogar die in vergangenen Perioden gebildeten Positionen an Risikovorsorgen wieder erfolgswirksam auf. Per Saldo hat sich die Bildung von Risikovorsorgen von 1.841 Mrd. Euro per 30.09.09 auf 252 Mio. Euro per 30.09.2010 reduziert. Die im Saldo enthaltenden Auflösungen in den ersten neun Monaten 2010 betragen 1,597 Mrd. Euro.

Bestandserholungen erklären sich zum Großteil aus der positiven Entwicklung der früheren toxischen Wertpapierbestände. Geld "verdient" die Bank also in den Segmenten, die die HSH Nordbank in früheren Jahren in die existenzielle Schieflage gebracht haben. Diese positive Entwicklung bei den Wertpapieren wird durch die Bewertungsspielräume der internationalen Bilanzierungsregeln unterstützt.

Dazu erklärt der finanzpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft, Dr. Joachim Bischoff: "Die Sanierungserfolge sind nicht belastbar! Das veröffentlichte Ergebnis stammt nicht wie wünschenswert aus operativem Geschäft, geschweige denn aus einem neuen Geschäftsmodell. Auch nach neun Monaten des Umbaus ist noch nicht erkennbar, worauf künftig die HSH Nordbank ihre Geschäfte und Erträge stützen will."

Die ständigen Anspielungen der Bank, ohne die Zahlung der Garantieprovision in einer Größenordnung von 393 Mio. Euro per 30.09. wären die Ergebnisse positiv, ist nur die halbe Wahrheit. Ohne die Garantien wäre die Bank schon längst Geschichte. Zudem hat sie hierdurch erst wieder die Möglichkeit erhalten, sich angemessen und wirtschaftlich zu refinanzieren. Die Summe der eingesparten Zinsaufwendungen der Bank aufgrund der gegebenen Garantien der Länder Hamburg und Schleswig Holstein sowie des SoFFin dürften die geleisteten Garantieprovisionen um ein mehrfaches übersteigen.

Zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit hat die Bank die Länder-Garantien erhalten, zur Liquiditätssicherung hat sie darüber hinaus nennenswerte Bestände an Kundenkrediten bzw. Kundenforderungen verbrieft und in Form von Wertpapierpensionsgeschäften teilweise verkauft und teilweise als Sicherheit hinterlegt.

Die Fortsetzung der allgemeinen Aufwärtsbewegung auf den Wertpapiermärkten ist keineswegs gesichert. Auch im Schiffbaubereich geht es immer noch um den Abbau von Überkapazitäten; viele Schiffsfonds sind nach wie vor in einem kritischen Zustand. Im letzten Quartal fallen üblicherweise Schlussbuchungen an, so dass sich das Jahresergebnis 2010 nicht weiter verbessern dürfte. Im Sanierungsprozess der Bank ist keineswegs der Durchbruch erzielt, ein Nachfolger von Nonnenmacher wird sich großen Herausforderungen stellen müssen.