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9. November 2010 Bürgerschaftsfraktion

Hortbetreuung ohne Konzept: LINKE kritisiert überstürzte Einführung der Betreuung an Schulen

Die Fraktion DIE LINKE hatte bereits vor der überstürzten Einführung der Betreuung an Schulstandorten gewarnt (Pressemeldung vom 27. 9.2010), jetzt hat die Schatztruhe in Ottensen als erste Einrichtung verkündet, dass sie aus der Hortbetreuung aussteigen und ab sofort keine neuen Schulkinder mehr aufnehmen wird. "Der Hamburger Senat ist dabei ein weiteres an sich gutes Projekt in den Sand zu setzen, weil er ohne Beteiligung von Fachleuten, Eltern und Beschäftigten und ohne eine seriöse Auswertung der Pilotphase, die Horte an Grundschulen flächendeckend einführen will", erklärt Mehmet Yildiz, Sprecher für Kinder, Jugend und Familie. "Der Hamburger Senat handelt wie ein Getriebener auf Kosten der Kinder und der Eltern. Die Qualität der Hortbetreuung sinkt auf Aufbewahrungsniveau und die Gebührengerechtigkeit muss hinten anstehen."

Anstatt die Erfahrungen mit den fünf Piloteinrichtungen in aller Ruhe auszuwerten, sollen jetzt schon ab 2011 rund 80 Grundschulen eine kostenlose Betreuung von 8 bis 16 Uhr anbieten. Eigentlich war die flächendeckende Einführung 2013, gemeinsam mit der Einführung eines fünfstündigen Rechtsanspruches für alle zweijährigen Kinder geplant. Dann hätte ein großer Teil der Kitas, die keine Schulkinder mehr betreuen können, dafür Krippenkinder aufnehmen können.

Dazu erklärt Mehmet Yildiz: "Der Senat hat kein schlüssiges Konzept für die Kitas. Keiner der Akteure dieser Reform ist darauf vorbereitet. Die Räume in den Schulen sind nicht dafür ausgestattet. Die bisherigen Träger der Horte stehen unter großem Druck ihre Investitionen zu refinanzieren. Die fehlenden Plätze müssen belegt werden, damit die Einrichtung nicht mit Verlusten arbeitet. Das Fachpersonal ist in der Regel nicht vorhanden und die Qualität des Angebotes stimmt nicht. Anstatt 17 Kinder sollen in der Zukunft 19 bzw. 23 Kinder von einer Erzieherin betreut werden. Auch die Gebührenfreiheit ist nicht durchgehend gewährleistet und trifft Teilzeit-Beschäftigte und Schichtarbeiter in besonderer Weise. Ein pädagogisches Konzept liegt ebenfalls nicht vor."

Es bleiben zahlreiche Fragen offen: Was passiert, wenn sich wie in Berlin 60% aller Kinder anmelden und nicht die vom Senat prognostizierten 40% und das Geld dann nicht mehr reicht? Was geschieht mit den leer stehenden Räumen in den Einrichtungen, die bis jetzt Horte betrieben haben. Wo sind die geeigneten Räume an den Schulen? Was passiert mit den bis jetzt in Horten tätigen Erzieherinnen? Welche Auswirkungen hat es auf die Arbeitszeiten, sollen sie künftig an zwei Arbeitsstellen tätig werden und werden sie in der Zeit von 13 - 16 Uhr nur auf Honorarbasis beschäftigt? Wo will der Senat diese Arbeitskräfte her nehmen?