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1. September 2011 Bürgerschaftsfraktion

Ganztagsschulen: LINKE sieht Licht und Schatten!

Schulsenator Rabe und Sozialsenator Scheele haben heute gemeinsam die flächendeckende Einführung von ganztägiger Bildung und Betreuung an Grundschulen (GBS) verkündet. Die Einführung soll zu verbesserten Bedingungen erfolgen. Rund 30 Mio. € mehr will der SPD Senat ausgeben, insgesamt 115 Mio. €. Die Fraktion DIE LINKE sieht Licht und Schatten bei dieser neuen Initiative.


Die zusätzlichen Mittel für mittelbare pädagogische Arbeit sind unbedingt erforderlich, um eine Mindestausstattung der Horte an den Schulen zu gewährleisten. Die Proteste der Eltern, der Beschäftigten und Verbände waren in dieser Hinsicht erfolgreich. Auch die Fraktion DIE LINKE fordert seit Langem eine Aufstockung der Mittel. „Aus unserer Sicht wird allerdings in keinem Fall eine Verbesserung des bisherigen Personalschlüssels von gegenwärtig einem Erzieher auf 17 Kinder erreicht“, erklärt Mehmet Yildiz, Sprecher der Fraktion für Kinder, Jugend und Familie: „Die unbedingt notwendige Finanzierung der ‚mittelbaren pädagogischen Arbeit’ in Form von mehr Geld für die Kooperation der Träger, Vorbereitungszeiten für die Beschäftigten oder Elterngespräche ist zu begrüßen, wird aber nicht zu mehr Betreuung direkt bei den Kindern führen.“

Dass das Angebot freiwillig ist, wird von Mehmet Yildiz begrüßt. Allerdings bleiben viele andere Fragen offen. Dazu erklärt Mehmet Yildiz: „Die Mittagessenversorgung ist noch nicht optimal gelöst. Auch an der Frage der Doppelnutzung von Räumen muss weiter gearbeitet werden. Auch das Thema Inklusion steht aus meiner Sicht weiterhin auf der Tagesordnung.“

Sehr unbefriedigend ist für Mehmet Yildiz die bisherige Regelung bei den Vorschulkindern. Dazu erklärt Mehmet Yildiz: „Die hier vorgesehenen Rahmenbedingungen würden bei einer Kita, die nach dem jetzigen Gutscheinsystem arbeitet, zum Entzug der Betriebserlaubnis wegen Kindeswohlgefährdung führen“. Zudem gibt es Kritik an dem Gebührenmodell, so z.B. an den Pauschalen für Zeiten vor 8 Uhr oder nach 16 Uhr für die Kinder von Schichtarbeiterinnen, die aufstockend Arbeitslosengeld II erhalten, oder für die Ferienbetreuung.

Zwar haben die Senatoren jetzt eine weitgehende Übereinkunft mit den Kitaträgern geschlossen, aber die Zusammenarbeit mit den Trägern der offenen Kinder und Jugendarbeit ist noch lange nicht unter Dach und Fach. „Die Perspektive dieser Einrichtungen im System von GBS bleibt ungeklärt“, erklärt Mehmet Yildiz. Das Gleiche gilt auch für den Arbeitskräftebedarf. „Angenommen, der Senat betreut wirklich etwa doppelt so viele Kinder bei gleichem Personalschlüssel, wo will dann der Hamburger Senat die benötigten Arbeitskräfte hernehmen. Schon jetzt suchen die Einrichtungen händeringend nach Fachkräften. In Zukunft mehr Fachschüler auszubilden und die Ausbildungszeiten zu verkürzen, löst das Problem nicht einmal langfristig“, erklärt Mehmet Yildiz.

Abschließend erklärt Mehmet Yildiz: „Grundsätzlich hätte ich mir gewünscht, dass der Ausbau von Hortplätzen innerhalb des Kita-Gutscheinsystems erfolgt und parallel echte Ganztagsschulen mit rhythmisierten Unterricht entstehen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig, aber der Blick auf das, was Kinder brauchen, kommt an vielen Stellen immer noch zu kurz.“