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16. Januar 2009 Bürgerschaftsfraktion

"Finanzkrise lässt Hapag-Lloyd taumeln ...und die Hansestadt auch"

- so die Schlagzeile des Hamburger Abendblattes. Auch Hapag-Lloyd hat massiv unter der weltweiten Wirtschaftskrise und den dadurch dramatisch gesunkenen Frachtraten für Container gelitten. Es droht ein Verlust für 2008 und die Banken könnten das Sonderkündigungsrecht für Kreditlinien in Anspruch nehmen, das ihnen bei Veränderungen des Unternehmens zusteht.

Mit Elan haben sich die vermeintlichen Wirtschaftsprofis im Hamburger Rathaus so ein weiteres Problemfeld beschafft: Die Hansestadt ist über ihre Vermögensholding mit 484 Millionen Euro an der Reederei Hapag-Lloyd beteiligt. Hinzu kommt eine 175 Millionen Euro teure Garantieerklärung für die von Hapag-Lloyd in Auftrag gegebenen Schiffsneubauten.

Dr. Joachim Bischoff, haushalts- und finanzpolitischer Sprecher, erklärt:

"Der Senat hält an seiner 'bewährten' Strategie fest: Man leugnet alle Probleme bis es zu spät ist und blockiert die parlamentarische Aufarbeitung. Nur weil Verluste in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro drohen, scheint das für den Senat noch lange kein Grund zu sein, sich Gedanken über das sich abzeichnende Krisenszenario zu machen. Die Koalitionsmehrheit hat eine Beratung über Hapag-Lloyd im Haushaltsauschuss ebenso abgelehnt wie im Unterausschuss über öffentliche Unternehmen. Mit Einsatz der parlamentarischen Mehrheit werden - wie bei der Elbphilharmonie und der HSH Nordbank - alle Probleme weggedrückt."

Hapag-Lloyd ist im Oktober 2008 vom Touristik-Konzern TUI an ein Hamburger Konsortium verkauft worden. TUI selbst bleibt mit 33,3 Prozent beteiligt. Hamburg ist mit 23 Prozent Mitgesellschafter des Konsortium Albert Ballin. In diesem Konsortium hält der Unternehmer Klaus-Michael Kühne 25 Prozent, die restlichen Anteile sind von der M.M.Warburg Bank, der Versicherung Signal Iduna, der HanseMerkur und der HSH Nordbank übernommen worden.

Der Kaufpreis für die Reederei betrug 1,4 Milliarden. Bestandteil des Deals war aber auch die Übernahme eines großen Schuldenberges. Jetzt gibt es ein doppeltes Problem: Nach dem Ankauf droht erstens eine längere wirtschaftliche Durststrecke und zweitens zögern die Banken, angesichts von Finanz- und Wirtschaftskrise die Kreditlinien für Hapag-Lloyd zu verlängern.

Mit großer Wucht hat der globale Konjunkturabschwung den maritimen Container-Verkehr erreicht. Nach Jahren der Nachfrageexpansion, die für Rekordpreise gesorgt hatte, sind im letzten Quartal des vergangenen Jahres Transportvolumen und Tarife weltweit eingebrochen. Beispiel: Die in Singapur ansässige NOL, die 2008 noch Interesse an einer Übernahme von Hapag-Lloyd bekundet hatte, hat inzwischen die Belegschaft um rund 10% abgebaut und bis zu einem Viertel ihrer Kapazität aus dem Verkehr genommen. Anders als in Hamburg, wo noch immer das baldige Ende der Krise prognostiziert wird, geht man in Asien, den USA etc. davon aus, dass sich das Container-Geschäft erst ab 2012 wieder beleben wird.

Die Entwicklung im Seefrachtverkehr spiegelt sich im Luftverkehr, wo der Cargo-Bereich ebenfalls eingebrochen ist und Luftfahrtgesellschaften die Ausmusterung von Maschinen und für die Piloten Kurzarbeit angesagt haben. Schließlich vergrößern sich durch diese Entwicklung die Probleme der HSH Nordbank, die eben nicht nur ein Global Player bei "toxischen" Wertpapieren war, sondern auch massiv in der Schiffs- und Flugzeugfinanzierung investiert ist.

Gewiss, die Dimension der Krise ist neu. Aber gerade dies sollte die Politiker der Mehrheitsfraktion zu neuen Überlegungen und Anstrengungen veranlassen. Das berühmte "Weiter so!" von Finanzsenator Freytag und seinen schwarzgrünen Gefolgsleuten wird für die Hansestadt sonst in einem großen Desaster enden.