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20. März 2014 Bürgerschaftsfraktion

Fast jedes zweite Hamburger Kind hat kranke Zähne – Herkunft entscheidet über Zahngesundheit

Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft

Erschreckend viele Kleinkinder haben Karies, teilten kürzlich die Bundeszahnärztekammer und die kassenzahnärztliche Bundesvereinigung mit. An den Gebissen der Kinder könne man Status und Bildungsgrad der Eltern „ablesen“, zwei Prozent der Kinder würden 52 Prozent des Kariesbefalls auf sich vereinen.

Mit einer Großen Anfrage vom Senat wollte die Fraktion DIE LINKE jetzt herausfinden, ob das auch auf Hamburger Kinder zutrifft. Die Antwort: im Großen und Ganzen ja.Demnach hat sich die Zahngesundheit bei Hamburger Kindern insgesamt zwar verbessert. Doch die Zahlen sind noch immer sehr hoch. 45,7 Prozent (Jungen) bzw. 41,1 Prozent (Mädchen) haben oder hatten schon kranke Zähne. „Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung. Es besteht vielmehr umgehender Handlungsbedarf“, sagt Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Bei der genauen Betrachtung der Zahlen aus den Bezirken wird deutlich, wie sehr die Herkunft über die Zahngesundheit entscheidet. So gibt es im Bezirk Nord eine gute Entwicklung. Dort ging der Anteil der Vorschulkinder mit behandlungsbedürftigen Zähnen in den letzten Jahren erheblich zurück. In Mitte hingegen zeichnet sich keine Besserung ab: Dort haben bei den Vorschulkindern 60,5 Prozent aller Jungen und 54,8 Prozent aller Mädchen kranke Zähne. „In diesem Zusammenhang ist es erschreckend, dass es in Mitte nur drei Zahnärztinnen, bzw. Zahnärzte mit dem Schwerpunkt Kinderzahnheilkunde gibt. Zum Vergleich: In Altona gibt es aber elf, in Wandsbek sogar18, der in Hamburg insgesamt 55 darauf spezialisierten MedizinerInnen“, sagt Artus.

Doch nicht nur die Zahl, auch die Organisation der Kinderzahnmedizin sei in Hamburg nicht optimal, kritisiert Artus. „KinderärztInnen und ZahnärztInnen arbeiten offensichtlich nicht gut zusammen. Es gibt keine gemeinsamen Fachtagungen. Überweisungen von Kinderärztin zum Zahnarzt werden nicht erfasst.“ Außerdem sei kritikwürdig, dass in 15 Prozent der Hamburger Kitas keine Vorsorgeuntersuchungen durchführt würden.

„Wer sich ernsthaft Gedanken um die Zukunft unserer Kinder macht, muss auf die Zahngesundheit einen Schwerpunkt legen. Denn zu den Folgen gehört unter anderem ein schlechteres Sprechlernverhalten. Wir könnten uns viele Förderkurse sparen, wenn die Zähne unserer Kinder gesünder wären“, sagt Artus, die in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die wichtige Rolle der Hebammen verweist: „Kariesprophylaxe ist ein Teil der Hebammenarbeit. Auch deswegen muss sich der Senat umgehend für die Existenz freiberuflicher Hebammen einsetzen.“

Sonst könnten sich die Zahlen zur Zahngesundheit in Zukunft wieder erheblich verschlechtern.