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2. Februar 2009 Bürgerschaftsfraktion

Erneut Suizid in U-Haft: LINKE fordert Aufklärung

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage wurde eine Gefangene bzw. ein Gefangener in der Untersuchungshaftanstalt am frühen Morgen erhängt aufgefunden. Beide, die 24-jährige Natascha W., die in der Nacht zum 24.1. starb, und der 41-jährige Oliver B., der in der Nacht zum 1.2. starb, begingen innerhalb der ersten 24 Stunden in Untersuchungshaft Suizid.

Die rechtspolitische Sprecherin der Linksfraktion Christiane Schneider hatte bereits nach dem Tod von Natascha W. eine Kleine Anfrage (Drs. 19/2078) an den Senat gerichtet, in der sie u.a. wissen will, welche Gesprächs-, Hilfs- und Betreuungsangebote die Untersuchungshaftanstalt Gefangenen gerade in den ersten Tagen ihrer Haft macht.

"Jeder kann sich vorstellen, dass die Inhaftierung einen Schock auslöst. Unter Bedingungen, in denen die Untersuchungsgefangenen 23 Stunden am Tag in der Zelle eingeschlossen sind, bleiben sie mit ihren Ängsten, ihrer Verzweiflung, ihrer Hoffnungslosigkeit vollständig allein. Es ist durchaus bekannt, dass Gefangene in den ersten Hafttagen ein extrem hohes Suizidrisiko haben. Die meisten Suizide (58%) passieren in Untersuchungshaft. Rund 18% aller Suizide in Haftanstalten ereignen sich in den ersten sieben Tagen, sechs Prozent am ersten Tag!"

Das geht aus der Studie "Suizide in Justizvollzugsanstalten der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 2000 bis 2004" des Kriminologischen Dienstes im Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges hervor.

"Deshalb müssen sich die Verantwortlichen fragen lassen, welche Vorsorge sie treffen, um Risikofaktoren zu erkennen und Verzweiflungstaten zu verhindern. Wir fordern die lückenlose Aufklärung möglicher Versäumnisse und die Änderung von Strukturen, die Gefangene in schwierigen, ja verzweifelten Situationen allein lassen", erklärt Schneider abschließend.