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16. März 2010 Bürgerschaftsfraktion

Eine neue, leistungsfähige HSH Nordbank?

Der Vorstandschef der HSH Nordbank Nonnenmacher stellt für 2012 die Rückkehr der Normalität in Aussicht. In diesem Jahr soll die Bank voll dividendenfähig sein und damit wieder zu Zahlungen von Boni berechtigt sein. Die Radikalkur der letzten Monate habe bereits im Jahr 2009 enorme Erfolge gezeigt. Zitat aus der Presseerklärung der HSH Nordbank vom 15.03.2010: "Trotz erheblich reduzierter Bilanzsumme und Belastungen aus dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld, ist es uns gelungen, den Verlust deutlich zu begrenzen." Vor der Bilanzpressekonferenz Mitte April stellt Nonnenmacher einen Verlust von "nur" 700 Millionen Euro für das Jahr 2009 in Aussicht.

Der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion Dr. Joachim Bischoff sieht dennoch keinen Grund zur Euphorie: " Die Verluste sind offenkundig durch einen positiven Ertragssteuereffekt von 400 Millionen Euro gedrückt. D.h. der Verlust beträgt regulär 1,1 Milliarden Euro und wird durch Vereinnahmung von Steuererstattungen gedrückt. Von einer deutlichen Minderung der Verluste kann keine Rede sein."

Zudem sollen die Kosten für die Restrukturierungsmaßnahmen 200 Millionen Euro betragen. Darüber hinaus werden die Zahlungen an die Garantiegeber Hamburg und Schleswig-Holstein sowie den Bankenrettungsfonds SoFFin mit 400 Millionen Euro angegeben. Die erhebliche Reduzierung der Bilanzsumme und die Auslagerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Geschäftsfeldern in die Restrukturierungseinheit sollen lediglich eine Belastung von 200 Millionen Euro bedeutet haben. Das wird man sich nach Veröffentlichung der Zahlen am 14. April genauer ansehen müssen.

Positiv ist hingegen, dass die Erholung an den Wertpapiermärkten zu einer Verbesserung des Jahresergebnisses beiträgt. Die von der HSH Nordbank zur "Ergebnisverbesserung" des Abschlusses 2009 in den Vorjahren gebildete Risikovorsorgen auf Wertpapiere (Abschreibungen) konnte aufgrund Wertaufholungen wieder etwas zurückgenommen werden.

"Shipping": Ein Geschäftsbereich in der Krise

Laut Restrukturierungskonzept sollte die HSH Nordbank 2009 und 2010 mit Verlusten abschließen. Für 2009 war rund eine Mrd. Euro als Verlust in den Sanierungsprozess einkalkuliert worden. Doch spätesten 2011 sei wie geplant wieder mit Gewinnen zu rechnen. Aus dem Kreditersatzgeschäft und dem Immobilienbereich will sich die Bank weitgehend zurückziehen. Die kritischen Bereiche bei der HSH Nordbank sind seit dem Neubeginn im Frühjahr 2009 die Geschäftsbereiche "Shipping" und "Real Estate". Ob aus diesen Geschäftsfeldern die "neue" HSH Nordbank ausreichende Gewinne erwirtschaften kann, bleibt fraglich.

Alle Experten sind sich einig, dass die HSH mit der für den Bereich "Shipping" gebildeten Risikovorsorge in Höhe von 1% bezogen auf den Bestand von 35 Mrd. Euro viel zu niedrig vorgesorgt hat. Nachzuholen sind mindestens noch weitere 3% bis 5% Abschreibungen auf den Bestand, um die massive Schiffsbaukrise überstehen zu können. Wir sprechen also von einer weiteren Risikovorsorge von 1,05 bis 1,75 Mrd. Euro ausschließlich auf den Bestand "Shipping". Auch die Deutsche Schiffsbank, an der die Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner Bank 92% der Anteile hält, verzeichnet eine hohe Risikovorsorge und sieht die Gefahr im laufenden Jahr längst nicht gebannt.

Zudem sieht die Zukunft dieses Geschäftsfeldes "Shipping", auf das sich die HSH in ihrer Neuausrichtung konzentrieren will, alles andere als positiv aus. Deutsche Banken sind von der Schifffahrtskrise besonders betroffen. Hier wird ein Großteil der Schiffsneubauten von Privatanlegern über geschlossene Fonds finanziert. Zahlreiche Fonds verdienen aber nicht mehr genug, um ihre Kredite bedienen zu können. Hinzu kommt das Problem der Neubestellungen: Reeder und Fondsanbieter haben in den Boomjahren eine riesige Zahl neuer Schiffe bestellt. Banken haben sich nicht nur bereit erklärt, wie üblich einen Teil des Schiffes per Hypothekendarlehen zu finanzieren, sondern auch das Eigenkapital vorgestreckt, das die Fondshäuser bei Anlegern einsammeln wollten. Dieser Markt ist fast völlig zusammengebrochen.

Die HSH ist der weltgrößte Schiffsfinanzierer. So macht das Schiffskreditportfolio mit 35,3 Mrd. Euro auch ein gutes Drittel der Bilanzsumme der Kernbank aus (Stand 30.9.2009). Rund 40% der Schiffsfinanzierung entfällt auf den Containerbereich, der nach wie vor mit großen Problemen zu kämpfen hat. Die Commerzbank dürfte in ähnlichen Größenordnungen wie die HSH Nordbank in diesen Bereich investiert sein.

Bis in die jüngste Zeit hinein decken die Frachtraten nicht mehr die Kosten des Transportgeschäftes. Das hat Konsequenzen:

  1. In der Boomphase bestellte Schiffe können lt. Medienberichten nicht abgenommen werden (Zitat: "195 Stück bei koreanischen Werften zum Stückpreis von durchschnittlich 150 Millionen Euro" - Volumen also etwa 30 Mrd. Euro) Experten schätzen, dass die HSH als Marktführer mit etwa 50% involviert ist.
  2. Die Auslastung der derzeit eingesetzten Schiffe ist ebenfalls nicht mehr gegeben. Bereits im Schiffsbestand der Reedereien herrscht Überkapazität vor. Etliche Schiffe werden schon gar nicht mehr eingesetzt.
  3. Die HSH mischte kräftig im Schiffsfonds-Geschäft mit Privatanlegern mit. Den geschlossenen Fonds brechen als Folge der schlechten Auftragslage der Umsatz und damit die Geschäftsgrundlage weg. Zu befürchten ist als Folgeeffekt ein Fondssterben mit allen Konsequenzen.

Nach den eigenen Planungen soll die HSH 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben. In der Bank wie bei der politischen Führung in Hamburg und Kiel dominiert das Prinzip Hoffnung. Solvente Banken überstehen Krisen mit ihren Reserven. Die aber hat die HSH schon lange nicht mehr. Das Führungspersonal der Bank hat zudem ein ausgebildetes Talent, größere Teile der Öffentlichkeit durch Boni- und Entlohungssysteme gegen sich aufzubringen.

Auch in den beiden parlamentarischen Untersuchungsausschüssen zeichnet sich die Führungsetage der Bank nicht durch praktische Bereitschaft aus, den Aufklärungsprozess zügig voranzubringen. Der entscheidende Mangel ist freilich die fragwürdige Ausrichtung: Die Bank musste sich grundlegender mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell beschäftigen. Im Bereich "Shipping" wird auch in den kommenden Jahren kaum Geld zu verdienen sein.

Zu all diesem programmierten Ärger kommt noch ein Prüfverfahren der EU-Kommission über den Restrukturierungsprozess, ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen das Führungspersonal wegen des Verdachts der schweren Untreue und nicht zuletzt eine Entscheidung über Ersatzansprüche gegen vier Vorstandsmitglieder wegen des Vorwurfes der Pflichtverletzung. Die Bank wird also noch länger wird entsprechenden Gesprächsstoff sorgen.