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13. August 2011 Bürgerschaftsfraktion

Die Hamburg WG“ - Hamburg Marketing verzockt 279.000 Euro bei fragwürdigem „Gewinnspiel“

Die „vier glücklichen Gewinner“ des Gewinnspiels „#hh_wg – Die Hamburg WG“ dürfen ein Jahr in einer stylischen kostenfreien Wohnung auf der Reeperbahn wohnen und erhalten zudem einen „attraktiven Job in einem der Partnerunternehmen“. Dafür sind sie vertraglich verpflichtet auf Facebook, Twitter oder YouTube über ihre „beruflichen und/oder privaten Höhepunkte“ zu berichten. Kommen die Bewohner ihren Pflichten nicht nach, kann das zum Rauswurf aus der WG und aus dem Job führen. Was wie eine neue schlechte TV-Gameshow klingt, ist ein  „Gewinnspiel“ bzw. „Wettbewerb“ der stadteigenen Marketingagentur, das die Stadt Hamburg 279.000 Euro kostet. Das geht aus der Antwort des Senats auf zwei Schriftliche Kleine Anfragen (Drs. 20/1166, 20/1167) des Abgeordneten Norbert Hackbusch von der Faktion DIE LINKE hervor.

Dazu erklärt Norbert Hackbusch, Fachsprecher für Kultur der Fraktion DIE LINKE und Kulturausschussvorsitzender: „Hamburg Marketing inszeniert hier einen absurden Wettbewerb und spielt mit den Perspektiven junger Menschen. Es wird ein Lifestyle konstruiert, den sich die wenigsten Hamburgerinnen leisten können und der mit der Realität nichts zu tun hat. Die Situation von Auszubildenden und Studierenden wird hier ebenso verzerrt dargestellt, wie die Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt. Die Stadt und ihre Partnerunternehmen benutzen vier junge Leute ein Jahr lang als Statisten für einen Marketinggag. Sie übernehmen aber keine Verantwortung dafür wie es danach mit ihnen weitergehen soll. Arbeitsrechtlich bleiben hierbei noch diverse Fragen offen, die wir mit einer weiteren Anfrage abfragen werden. Nach den peinlichen Schlagzeilen der vergangenen Wochen, wirft dieses Projekt einmal mehr ein überaus unangenehmes Licht auf die Hamburg Marketing Gesellschaft.“

Bewerberinnen und Bewerber aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz waren aufgerufen sich per „Online-Casting“ um „ein Jahr WG-Wohnen in einer stylischen kostenfreien Wohnung“ und um einen „attraktiven Job in einem der Partnerunternehmen OTTO, der Sparda-Bank oder bei Radio Hamburg“ zu bewerben.  Für alle die „nicht ins Raster“ passen, wurde die Kategorie „Wildcard“ eingerichtet.
Insgesamt kostet das so genannte „Social Media-Projekt“ 534.000 Euro. Laut Senatsantwort ist „beabsichtigt, den Anteil privater Drittmittel im Laufe des Projekts weiter zu erhöhen.“ Aufgrund der bisher sehr dürftigen Resonanz könnte diese Rechnung aber möglicherweise nicht aufgehen. Bis zum, um eine Woche verlängerten, Einsendeschluss haben sich gerade mal 51 Personen beworben. Davon „30 auf die Kategorie Wildcard, 5 auf die Kategorie Otto, 9 auf die Kategorie Radio Hamburg, 7 auf die Kategorie Sparda-Bank Hamburg.“ (Drs. 20/1166) Das Partnerunternehmen OTTO kann sich so schon mal die Auswahl der besten sechs Bewerber/innen sparen. Die bei Facebook übliche „Daumen hoch-Gefällt mir“-Funktion haben bis dato nicht mal 7200 Personen gedrückt – das sind sogar weniger als sich an dem Online-Voting beteiligt haben.

Die „stylische kostenfreie Wohnung“, befindet sich in einem Privatgebäude in der Reeperbahn 83, kostet 2065 Euro im Monat und hat 200 Quadratmeter. Von dort aus sollen die „vier glücklichen Gewinner“ auf Facebook, Twitter oder YouTube über ihre „beruflichen und/oder privaten Höhepunkte“ berichten und bloggen. Zu dieser „Berichterstattung“ müssen sich die WG-Bewohner/innen vertraglich verpflichten.
Was aber passiert, wenn ein „Gewinner“ den Marketingvertrag mit der Stadt bricht? Die Antwort des Senats lautet: „Ein Vertragsbruch kann eine Abmahnung und in letzter Konsequenz eine Kündigung des Vertragsverhältnisses bedeuten. Dies kann in schweren Fällen mit einer Kündigung des Wohnrechts in der WG“ und des „Arbeitsverhältnisses einhergehen.“ (Drs. 20/1167) Wie die rechtliche Konstruktion aussieht verrät die Senatsantwort jedoch nicht.

Dateien:
SKA_hh_wg_20-01166.pdf25 K