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15. Mai 2012 Bürgerschaftsfraktion

Commerzbank-Umfrage zeichnet falsches Bild vom Mittelstand und blendet Probleme kleinerer Betriebe aus

Georg HH /wikipedia.org

Zur Commerzbank-Umfrage bei mittelständischen Unternehmen "Gute Schulden, schlechte Schulden: Unternehmertum in unsicheren Zeiten" erklärt Kersten Artus, wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: "Diese Studie spiegelt nicht die derzeitige Situation des regionalen Mittelstandes wider. Sie blendet die wahren Ursachen der Krise aus und ignoriert die Probleme der kleineren Unternehmen."

Laut Commerzbank hätten die befragten Unternehmen erklärt, sie würden einen Investitionsstau befürchten, wenn die derzeitige Situation noch lange anhalten würde. Die befragten mittelständischen Unternehmen würden lieber wieder die Möglichkeit der 'Innenfinanzierung' nutzen. Die Schuldenkrise sorge dafür, dass deutsche Mittelständler ihr Engagement in Europa zurückschrauben würden. Zudem würde die Investitionsbereitschaft der Unternehmen durch das neue Regelwerk zur Bankenregulierung "Basel III" erschwert werden. 

"Die zurückhaltende Kreditvergabe der regionalen Banken auf Basel-III-Anforderungen zu schieben, ist dreist", sagt Artus. Nicht Regulierungsauflagen, sondern risikobehaftete Eigengeschäfte mit Eigenkapitalbindung seien Schuld daran, dass zu wenig Geld für kleinere und mittlere Unternehmen da sei. Artus fordert die Banken auf, "ihre Hausaufgaben zu machen, riskante Geschäfte auf eigene Rechnung zurück zu fahren und sich endlich für den regionalen Mittelstand verantwortlich zu zeigen. Dann gäbe es auch wieder eine ausreichende und dringend benötigte Kreditversorgung der Wirtschaft."

Schon die Commerzbank-Definition vom Mittelstand sei falsch, kritisiert Artus. Der Studie zufolge definiert sich "kleiner Mittelstand" bei Umsatzgrößen von 2,5 bis 12,5 Mio. Euro pro Jahr. "Das ist aus unserer Sicht kein kleiner Mittelstand", sagt Artus. Die Grenze müsse man viel tiefer ansetzen. Denn gerade Unternehmen mit Umsatzgrößen unter 2,5 Mio. Euro jährlich gehe es deutlich schlechter. "Deren Meinung wird aber überhaupt nicht abgefragt. Diese Unternehmen befinden sich in einer Kreditklemme und niemand scheint sich der Problematik anzunehmen." Firmen in diesen Umsatzgrößenordnungen hätten auch gar nicht die Möglichkeit, auf die Variante 'Innenfinanzierung' auszuweichen. "Viele Unternehmen, insbesondere Handwerksbetriebe und Einzelhandel, haben gerade so ihr Auskommen und sind froh, wenn sie ihre Miete, Gehälter und einen kleinen Gewinn zum eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften können", sagt Artus.