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20. Juli 2015 Bürgerschaftsfraktion

Campus Steilshoop – Linke fordert Moratorium

© CC-BY-SA 2.5: Daniel Schwen via wikipedia.org

Die Beantwortung einer Anfrage der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft zum geplanten Campus Steilshoop (Drs. 21/ 908, 21/ 927 und 21/ 990) lässt das gegenwärtig teuerste Schulbauprojekt des rot-grünen Senats fragwürdig erscheinen. Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, hält mehr Investitionen in Hamburgs Schullandschaft für zwingend notwendig. Was die Pläne in Steilshoop betrifft ist sie aber skeptisch: „Bei genauem Hinsehen haben wir hier ein Prestigeprojekt des Schulsenators vor uns, das viel an Augenmaß und Sachverstand vermissen lässt. Die Stadt wird horrende Summen in diesem Bau versenken, ohne dass nachhaltige Verbesserungen für den Standort sicher sind. Geld, das andernorts städtischen Schulen fehlen wird.“

Tatsächlich beziffern offizielle Kalkulationen die Ausgaben allein für den Schulabriss und Neubau inklusive der Begleitkosten auf fast 36 Millionen Euro. Hinzu kommen projektbedingte Ausgaben von ca. 3,5 Millionen Euro. Diese entstehen durch die Interimsunterbringung der ansässigen Handelsschule H20, ehe diese ab 2018 mit der H5 einen Berufsschulneubau in der City Nord beziehen soll, der über 28 Millionen Euro teuer wird. „Modernisierung und angemessener Ausbau des kompletten Schulbaus am Gropiusring wären für einen vergleichsweise geringen Anteil dieser Kosten möglich, aber das wurde nicht einmal ernsthaft angedacht. Stattdessen reißt man einfach ab“, kritisiert Boeddinghaus. Zumal das jetzige Gebäude bereits für insgesamt 16 Millionen Euro saniert wurde (siehe Drs. 20/ 11699).

Am schlimmsten aber findet die Schulexpertin die Belastungen für Schülerschaft und Schulbetrieb, die in den angesetzten 4 Jahren Bauzeit in einen unsanierten Gebäudetrakt des Altbaus verlegt werden. Auch die offene Kinder- und Jugendeinrichtung „Haus der Jugend“, die am Standort einen wertvollen Beitrag zum Ganztagskonzept Schule und zur Betreuung des Stadtteils leistet, wird gezwungen ihre gut ausgestatteten Räumlichkeiten zu verlassen. Der Umzug in schlechtere Räume der unsanierten Altsubstanz, dürfte die Arbeit dort negativ beeinflussen.

Das Konzept Campus Steilshoop lobt der Senat als Aufwertung des Schulstandorts, der nun die nahe Grundschule am Borchertring mit der Stadtteilschule am See zusammenfasse. Boeddinghaus meldet da klare Zweifel an: „Dass die Schulen hierbei die Gewinnerinnen sind, ist für mich schwer vorstellbar. In jedem Fall wird der Senat ein lukratives Stadtgrundstück, das der Grundschule nämlich, privaten Investoren verkaufen können. Der Senat setzt mit dem Campus seinen Willen durch, unseres Wissens ohne echte Beteiligung der BürgerInnen. Das geht so nicht“, erklärt Boeddinghaus. Darum fordert die LINKE. ein sofortiges Moratorium des Bauprojektes mit neuer Bewertung und Einbindung aller betroffenen Akteure vor Ort