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25. März 2011 Bürgerschaftsfraktion

Broschek wird dicht gemacht: Hamburg muss helfen!

Die letzte Tiefdruckerei Hamburgs wird abgewickelt. 140 Menschen in Druckerei, sowie je 50 in der Weiterverarbeitung und im Versand verlieren ihre Arbeit. Damit findet eine 200-jährige Tradition ihr Ende. Für die Stadt ist das ein Desaster und ein denkbar schlechtes Signal für den Industriestandort Hamburg. Die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft teilt die Wut und Empörung der Belegschaft und kritisiert das Verhalten des Managements scharf.

Vor einigen Monaten hatte die Unternehmensgruppe Schlott, zu der Broschek gehört, Insolvenz angemeldet. Nun ist klar: Es gibt niemanden, der die Druckerei übernimmt. Damit wird der Betrieb im Insolvenzverfahren abgewickelt. Auf der heutigen Betriebsversammlung wird der Insolvenzverwalter teilnehmen und der Belegschaft das Ende offiziell verkünden.

Die Bürgerschaftsabgeordnete Kersten Artus erklärt dazu: "Das ist ein trauriger Anlass. Wir finden es empörend, dass der ehemalige Gesellschafter Nikolaus Broschek noch vor kurzem eine Masse seiner Aktien verkauft hat - als so genannter "Ehrbarer Kaufmann". Er muss finanziell zur Verantwortung gezogen werden. Die Stadt Hamburg steht außerdem in der Verantwortung, über ihre Möglichkeiten finanzielle Mitteln für eine Beschäftigungsgesellschaft zur Verfügung stellen. Und es ist juristisch zu prüfen, welche Möglichkeiten gegenüber Nikolaus Broschek mit seinen verschiedenen Firmen am Standort agiert werden kann. Wirtschaftssenator Frank Horch, Arbeitssenator Detlef Scheele und die SPD haben nun ihre erste Bewährungsprobe!"

Das drohenden Ende der Hamburger Traditionsdruckerei, die in einem internen Benchmark durch den Insolvenzverwalter als günstigster der fünf Standorte angesehen wird, wird Opfer einer Konkurrenzauseinandersetzung und einer Unternehmensstrategie des Vorstandes, durch die bereits in den letzten zwei Jahren über 100 Beschäftigte in Hamburg ihre Arbeit verloren haben. "Die Schlott Gruppe hat ihr Wachstum in den letzten Jahren nicht konsolidiert", kritisiert Kersten Artus. "Der Aufsichtsrat. hat seine Kontrollfunktion nicht ausreichend wahrgenommen. Stattdessen wurde vom ruinösen Preiswettbewerb geredet. Fakt ist, dass die schlott gruppe selber Treiberin dieser Entwicklung gewesen ist! Die Arbeiter von Broschek müssen nun ausbaden, was hochbezahlte Bosse angerichtet haben. Letztere werden irgendwo anders als Manager aufschlagen. Den Kollegen jedoch droht Hartz IV."

Der Prozess macht deutlich, wohin ungehindertes Konkurrenztreiben im Wettbewerb führt. Es ist genügend Arbeit für die Tiefdruckereien vorhanden. Der Zweck der Auseinandersetzung war und ist, "den Markt von Kapazitätenanbieter zu bereinigen". Dabei wurden und werden außerdem hunderte Millionen Euro und Maschinenkapazitäten vernichtet. Auch das ist ein Beleg dafür, dass man es nicht den Marktakteuren überlassen darf, sondern das es des Eingriffs und der Kontrolle der Beschäftigten und des Staates bedarf. Paritätische Mitbestimmung hätte es ermöglicht, abenteuerliche Renditeziele einzugrenzen.