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20. April 2011 Bürgerschaftsfraktion

Blaue Briefe verschärfen soziale Auslese

Nach § 45,2 des neuen Hamburgischen Schulgesetzes sind Klassenwiederholungen nur noch in Ausnahmefällen mit Genehmigung der Schulbehörde erlaubt. Abschulen soll es nur noch nach Klasse sechs des Gymnasiums geben. Auch DIE LINKE hat dieser Änderung in der Bürgerschaft zugestimmt. Die Absicht dahinter war, dass auch Gymnasien in Zukunft vom pädagogischen Konzept, alle mitzunehmen und nicht abzuschulen, ausgehen müssen.

Doch die Praxis sieht anders aus, wie aus der Kleinen Anfrage (Drs. 20/170) der schulpolitischen Sprecherin der LINKEN Dora Heyenn hervorgeht:

"Bereits bei der Schullaufbahnempfehlung nach Klasse vier ist die CDU - unterstützt von Ties Rabe - vom Geist des Gesetzes abgewichen. Nun verlegen die Gymnasien ihre leidigen Abschulungen in die Klasse sechs. Nicht nur, dass im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele SchülerInnen eine Abschulungs-Warnung (Blauer Brief) zum Halbjahr erhalten haben. In sozial benachteiligten Stadtteilen erhielt jedes sechste Kind einen blauen Brief und in den wohlhabenden Stadtteilen nur jedes 14. Kind. Das ist eine klare Verschärfung der sozialen Auslese."

Im Durchschnitt der Hamburger Schulen liegt die Quote für die blauen Briefe bei 9,5 %, in Schulen mit dem Kessfaktor 2 hingegen bei 17% und mit Kessfaktor 3 sogar bei 25 %. Schulen, die nicht als Einzugsgebiet für Migranten und Transferleistungsempfänger gelten, also mit Kessfaktor 6, liegt die Quote hingegen bei 5 %.

Dazu Dora Heyenn: "Das ist heftig. Noch gravierender wird die Abschulung als Mittel der sozialen Auslese deutlich, wenn man sich die einzelnen Schulen ansieht."

So wurde beim Walddörfer-Gymnasium, Heinrich-Heine-Gymnasium,Gymnasium Marienthal, Gymnasium Allermöhe, und dem Christianeum keine einzige Abschulungs-Warnung ausgesprochen (0% !). Beim Johannes-Brahms-Gymnasium in Bramfeld/Farmsen/Steilshoop hingegen muss sich jedes vierte Kind auf eine Abschulung zur Stadtteilschule einstellen, im Friedrich-Ebert-Gymnsium in Harburg/Eißendorf sogar fast jedes dritte Kind (28.4 %!) und das Gymnasium Kirchdorf in Wilhelmsburg hat 22,5 % der SchülerInnen mit einem blauen Brief beglückt.

"Das ist nicht nur ein Problem für die betroffenen Kinder, sondern auch für die Stadtteilschulen. Die Kinder kommen mit einem Negativerlebnis dort an, haben ein gebrochenes Selbstwertgefühl und den Stempel, fürs Gymnasium zu doof zu sein. Das ist definitiv keine gute Voraussetzung für eine gleichwertige zweite Säule, in der auch das Abitur gemacht werden kann", so Dora Heyenn abschließend.