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25. Februar 2016 Bürgerschaftsfraktion

Bericht zu Taylers Tod wirft viele Fragen auf

Der tragische Tod des Kleinkinds Tayler und insbesondere der Bericht der Jugendhilfeinspektion (JI) werden heute den Familien-, Kinder- und Jugendausschuss beschäftigen. Bereits im Vorfeld hatte die Fraktion DIE LINKE die vorzeitige Veröffentlichung des Berichts kritisiert. Doch auch inhaltlich wirft der Bericht viele Fragen auf, vor allem die darin veröffentlichten Schlussfolgerungen sind zweifelhaft. „Im Bericht wird an vielen Stellen fahrlässig der Eindruck vermittelt, dass bei Einhaltung sämtlicher Regeln der Tod von Tayler hätte verhindert werden können“, erklärt dazu Sabine Boeddinghaus, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Dabei kommt die Jugendhilfeinspektion selber in ihrem Resümee zu dem Schluss, dass es zu viele Regeln gibt, diese zu unübersichtlich sind und dass das Instrumentarium gestrafft werden muss. Allein im Anhang werden 34 Dokumente aufgelistet, die die ASD-Abteilungen im Alltag berücksichtigen sollen. Der Umfang der Kontroll- und Dokumentationspflichten ist erschreckend, es gibt ein Übermaß an Bürokratie. Die Facharbeit und die MitarbeiterInnen bleiben dabei auf der Strecke.“

Auch das Instrument der JI an sich ist aus Sicht der Fraktion DIE LINKE problematisch: „Die JI ist Teil der Behördenstruktur und funktioniert als Instrument der Leitung“, so Boeddinghaus. „In der Vergangenheit hat es schon in den Bezirken Harburg, Bergedorf und Altona fachlich begründete Kritik an Prüfberichten gegeben. Auch zum aktuellen Bericht zu Tayler liegt mir eine Stellungnahme einer ASD-Leitung aus Altona vor, die dem Bericht widerspricht.“ Die Abgeordnete wird daher im Ausschuss viele Fragen zu Ungenauigkeiten im Bericht der JI stellen und mindestens eine überarbeitete Fassung unter Berücksichtigung der Darstellung und fachlichen Stellungnahme der MitarbeiterInnen sowie eine Evaluation des Instruments Jugendhilfeinspektion fordern.

Boeddinghaus plädiert vor diesem Hintergrund erneut für die Einrichtung einer Enquete-Kommission zur Jugendhilfe in Hamburg. „Eckpunkte, die eine grundsätzliche Untersuchung ratsam erscheinen lassen, sind aus meiner Sicht die Implementierung der UN-Kinderrechte in die Ausbildung und Fachpraxis, die Berücksichtigung der Herausforderungen der Flüchtlingskinder und Jugendlichen in der Kinder- und Jugendhilfe, die Berücksichtigung der Verfestigung von Armut in bestimmten Stadtteilen Hamburgs, die Evaluation der Sozialräumlichen Hilfen (SHA), die Berücksichtigung der Wirkungen des Ausbaus von Kita und schulischen Ganztags auf das Gesamtsystem der Kinder und Jugendhilfe, die Zunahme der Kontrollinstrumente mit der Folge einer Zergliederung der Arbeitsabläufe und die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und ihre Folgen.“ Die Untersuchung der Einzelfälle dagegen muss nach Auffassung der Fachabgeordneten den dafür zuständigen Gerichten überlassen werden.