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20. April 2016 Bürgerschaftsfraktion

Beim Schulsystem nicht um den heißen Brei herumreden!

Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft

Die Zahl der Kinder mit Gymnasialempfehlung an den Hamburger Stadtteilschulen nimmt massiv ab. „Reden wir doch nicht um den heißen Brei herum: Das Konstrukt ,Zwei-Säulen-Modell‘ ist gescheitert“, erklärt dazu Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Verantwortung dafür tragen alle politischen Parteien, die auf Biegen und Brechen das Gymnasium als erste Säule von der Aufgabe der Inklusion und der Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendlicher frei halten wollen und zugleich diese große pädagogische Leistung fast alleine den Stadtteilschulen aufbürden. Und das noch dazu, ohne diese entsprechend mit Ressourcen auszustatten. Zudem müssen die Stadtteilschulen Jahr für Jahr mehr als 15 Prozent aller SchülerInnen, die die Gymnasien nach der 6. Klassen wieder verlassen müssen, zusätzlich integrieren.“ Angesichts dieser gewaltigen Aufgaben vollbringen die Stadtteilschulen Großartiges: Viele Jugendliche, die ohne eine Gymnasialempfehlung in der 5. Klasse gestartet sind, schaffen das Abitur.

Dennoch ist die Stadtteilschule, wie die aktuellen Anmeldezahlen zeigen, für immer mehr Eltern keine Option. Je nach Herkunft, Bildungshintergrund und sozialem Status begreifen die einen das Gymnasium als Chance für ihre Kinder auf sozialen Aufstieg und fürchten die anderen den Besuch der Stadtteilschule als Stigmatisierung und sozialen Abstieg. „Tatsache ist, dass beide Schulformen – Gymnasium und Stadtteilschule – erst dann gleichberechtigt wären, wenn sie beide im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und des §12 des Hamburgischen Schulgesetzes inklusiv arbeiten würden, gemeinsame Verantwortung übernehmen für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen und sowohl Berufs- als auch Studienorientierung anböten“, erinnert Boeddinghaus. „Dann erst hätte das zusätzliche Lernjahr auf den Stadteilschulen wieder den notwendigen Charme auch für die so genannten bildungsnahen Eltern. Dann hätten wir zwei inklusiv arbeitende Säulen. Dann hätte das Gymnasium aber nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal der angeblichen Elitebildung und des ,Unter-Sich-Bleibens‘. Im Sinne und zum Wohle aller Kinder und Jugendlichen wäre diese Entwicklung aber ganz sicher!“