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6. November 2014 Bürgerschaftsfraktion

Ausbildungsmarktstatistik irreführend

Zur „Jahresbilanz Ausbildungsmarkt Hamburg 2014: Auf hohem Niveau stabil“ von SPD-Senat, Arbeitsagentur, Handels- und Handwerkskammer erklärt Dora Heyenn, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft:

„DIE LINKE weist seit Jahren darauf hin, dass die Ausbildungsmarktstatistik der Arbeitsagentur irreführend ist. Sie ist ein schönes Beispiel für „So lügt man mit Zahlen“ (so der Titel eines Statistikbuches von Gerd Bosbach). Schon im Ausbildungsreport 2009 des damaligen Senats wurde vor der Ausbildungsmarktstatistik der Arbeitsagentur gewarnt  und sie als ‚weniger geeignet‘ bezeichnet. Ein Grund ist, dass die Arbeitsagentur auch solche Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz als ‚versorgt‘ zählt, die gar keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.

Selbst Jugendliche in Warteschleifen, die jobben oder von denen der ‚Verbleib‘ unbekannt ist, werden nach außen als ‚versorgt‘ verkauft. Wenn SPD-Senat, Arbeitsagentur, Handels- und Handwerkskammer die Welt erst einmal so zu Recht gebogen hat, können sie  behaupten, dass mit 16,5 % ‚noch nicht alle Bewerberinnen und Bewerber einen Ausbildungsplatz fanden‘. Im Umkehrschluss muss jeder unvoreingenomme Bürger oder Bürgerin denken, dass dann 83,5 % einen Ausbildungsplatz gefunden hätten. Das ist aber mitnichten der Fall. Tatsächlich haben nur 42,3 % der Bewerberinnen und Bewerber einen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist weniger als die Hälfte und kein ‚hohes Niveau‘ oder keinesfalls ‚positiv‘, wie SPD-Senat, Arbeitsagentur, Handels- und Handwerkskammer behaupten.“


Zum Hintergrund

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht Ende Oktober eines jeden Jahres die Zahlen für das zurückliegende Berufsberatungsjahr (siehe Anlage). Besonders wichtig darin sind die Zahlen für die Berufsausbildungsstellen, „Bewerber“, die Einmündenden (das sind diejenigen Bewerberinnen und Bewerber, die auch tatsächlich einen Ausbildungsplatz bekommen haben) und die unbesetzten Berufsausbildungsstellen. Die nachfolgende Tabelle enthält diese Zahlen für die letzten 4 Jahre.


Tabelle 1 „Ausbildungsstellenmarkt“ in Hamburg
2010/2011 bis 2013/2014

 

2010/2011

2011/2012

2012/2013

2013/2014

Gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen

7.545

8.365

8.446

9.221

einmündende Bewerber

3.270

3.718

3.766

3.899

      Einmündende in % aller Bewerber

43,3%

44,4%

44,6%

42,3%

Gemeldete Berufsausbildungsstellen

9.550

10.625

10.936

9.698

unbesetzte Berufsausbildungsstellen im Monat

97

169

669

483

 

Zu beachten ist, dass es sich bei den „Bewerbern“ allesamt um Jugendliche handelt, die sich bei der Arbeitsagentur gemeldet haben und die von der Arbeitsagentur als „geeignet“ für eine Ausbildung getestet worden sind. Im letzten Berufsberatungsjahr 2012/2013 sind von den 15.200 „Ratsuchenden“ etwa 6.700 Jugendliche (= 44 %) als ungeeignet aussortiert worden.  Weiterhin ist zu beachten, dass nur „Bewerber“ aus Hamburg gezählt werden. Über 40 % der Ausbildungsplätze in Hamburg gehen an Jugendliche aus dem Umland.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich seit Amtsantritt des SPD-Senats die Ausbildungsversorgung nicht verbessert hat. Im Gegenteil: Mit 42,3 % Einmündende wurde in diesem Jahr das schlechteste Ergebnis erreicht.