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2. September 2013 Bürgerschaftsfraktion, Kersten Artus

Asklepios setzt junge tunesische Fachkräfte auf die Straße

Zur Bekämpfung des Pflegenotstands in Deutschland hatte der Krankenhausbetreiber Asklepios 150 junge tunesische Fachkräfte nach Hamburg geworben. Nach einer Serie von Planungsfehlern und Pannen zog sich Asklepios jedoch kurzerhand aus dem Projekt zurück und kündigte zahlreiche Verträge. Die jungen Leute stehen nun arbeits- und mittellos und zum Teil hochverschuldet alleine in Hamburg, ihr Aufenthaltsstatus lautet nur noch „geduldet“. Die Jobs in ihrer Heimat hatten sie gekündigt. „Das Unternehmen hat sich seiner sozialen Verantwortung entzogen. Und obwohl der Senat mit zwei Mandaten im Aufsichtsrat des Klinik-Konzerns sitzt, hat er sich um das Projekt nur unzureichend gekümmert“, kritisiert Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Die jungen Tunesier und Tunesierinnen stehen vor dem Scherbenhaufen ihrer Berufs- und Lebensplanung.“ Vor dem Hintergrund des Pflegefachkräftemangels sollten die Behörden alles daran setzen, dass sie in Hamburg bleiben können, fordert Artus: „Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, den Frauen und Männern die zugesicherten Ausbildungs- und Arbeitsplätze auch zu geben.“

Über die Bedingungen der Anwerbung und der Unterbringung und Betreuung in Hamburg wurde der Senat angeblich ausführlich informiert. Dass dies nicht der Fall war, zeigen die Antworten auf die Anfragen 20/5671 und 20/9052 der Abgeordneten Kersten Artus. „Weder wusste der Senat, dass die jungen Menschen zum großen Teil bereits eine höher qualifizierte Ausbildung hatten, als es die Krankenpflegeausbildung in Deutschland beinhaltet“, kritisiert sie. „Noch wusste er, dass der Projektleiter die Gruppe mit Mietverträgen für Wohnungen in eine doppelte Abhängigkeit brachte und die 20- bis 24-Jährigen unzumutbaren Umständen ausgesetzt waren. Sie besaßen nach ihren Aussagen zum Beispiel keine alleinige Schlüsselgewalt über ihre Wohnungen, in einigen der Wohnungen gab es keinen Strom.“ Außerdem seien die Tunesier und Tunesierinnen angehalten worden, Rechtsanwälten keine Vollmachten zu erteilen.

Obwohl der Unmut wuchs, habe sich niemand der Probleme angenommen, die jungen Menschen wurden allein gelassen. „Erst zwei Tage, bevor Asklepios die ersten Kündigungen gegen die Tunesier und Tunesierinnen aussprach, wurde der Senat über das Scheitern des Projekts in Kenntnis gesetzt“, erklärt Artus. „Wenigstens jetzt ist der Senat in der Pflicht, sich um die gestrandeten Fachkräfte zu kümmern!“

Kersten Artus hat inzwischen einen Spendenaufruf für die mittellosen Tunesier und Tunesierinnen initiiert und bittet darum, auch kleine Beträge auf das extra eingerichtete Konto zu überweisen. Nähere Informationen dazu auf der Website kerstenartus.de.