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10. Mai 2012 Bürgerschaftsfraktion

Arbeit darf nicht krank machen - betrieblichen Gesundheitsschutz stärken!

Auf steigende gesundheitliche Belastungen im Berufsleben wies die Fraktion DIE LINKE in der heutigen Bürgerschaftssitzung hin. "Arbeitsstress macht immer häufiger krank", sagte Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin in einer von der LINKEN angemeldeten Aktuellen Stunde, "Burn-Out-Syndrome, Depressionen und Angststörungen sind auf dem Vormarsch."

So lägen Hamburg und Berlin mit 179 Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen pro 100 Versicherte ganz vorn bei den Ausfallzeiten - im Bundesdurchschnitt gab es nur 134 Ausfalltage. Auch steige die Anzahl der Frühverrentungen, wie eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion ergeben hat.

"Die Ursachen von psychischen Erkrankungen sind bekannt: Arbeit wird immer mehr verdichtet, Stellen nicht wieder besetzt. Neue Software beschleunigt Workflows, Restrukturierungen sorgen für fortwährende Unruhe", sagt Artus. "Und wenn eine Unternehmensleitung Entlassungen ankündigt - wie jetzt aktuell bei Otto - dann wirkt das direkt auf die Seele des Menschen."

Auch die Bundesregierung antwortet auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion DIE LINKE, dass die Ursachen von psychischen Erkrankungen unter anderem an der fortlaufenden Beschleunigung, permanenter Erreichbarkeit, erhöhter Eigenverantwortung, häufig wechselnden Beschäftigungsverhältnissen und beruflicher Unsicherheit liegt.

"Hamburg hat es bitter nötig, sich im betrieblichen Gesundheitsschutz zu engagieren", sagt Artus. Zwar wurde bereits zum siebenten Mal ein Gesundheitspreis für Betriebe ausgelobt, der Senat sehe zudem den Ausbau der Versorgungsstrukturen als erforderlich an. "Preisverleihungen und der Ausbau von Behandlungen reichen aber nicht aus", mahnte Artus.

In den meisten Chefetagen und Personalabteilungen würde das Thema geleugnet, geradezu ideologisch bekämpft. Ein Burn-Out würde als Einzelfall angesehen. Ursachen für Depressionen würden immer nur im privaten Bereich gesucht. "Es fehlt seitens des Senats eine klare Kritik an Hamburgs Unternehmen. Wenn sich nur 20 Betriebe für den Gesundheitspreis beworben haben, dann duckt der Senat sich weg, wenn er die anderen Betriebe ohne ein klares Wort weiter machen lässt wie bisher."

Das Problem, resümiert Artus, sei vor allem die Entgrenzung: "Arbeit und der Rest des Lebens fließen ineinander. Die Erwerbstätigkeit dient nicht mehr dazu, alles andere zu ermöglichen. Sie wird zum Lebensinhalt." Artus fordert mehr Demokratie und Mitbestimmung in den Betrieben und entsprechende Gesetzesinitiativen des Senats, denn "unternehmerische Freiheit muss da enden, wo sie krank macht."