Zurück zur Startseite
15. Juli 2009 AG Bildungspolitik

Das schwarz-grüne Zweieinhalb-Klassenschulsystem

Die Linke verfolgt seit über 100 Jahren das Ziel eines einheitlichen und demokratischen Bildungswesens vom Kindergarten bis zur Weiterbildung. Sein Kern ist die „Eine Schule für Alle“[1]. Alle Kinder und Jugendlichen sollen bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen. Ein großer Schritt in diese Richtung ist vor 90 Jahren im Jahre 1919 im Zuge der Novemberrevolution mit dem „Gesetz betreffend die Einheitsschule“ in Hamburg gegen den erbitterten Widerstand der rechten und rückwärtsgewandten Kräfte durchgesetzt worden. Die gymnasialen Vorschulen für die Klassen 1 – 4 wurden verboten und die Grundschule geschaffen, in der alle Kinder bis Klasse 4 gemeinsam lernen. Die Grundschule hat sich zur erfolgreichsten Schulform in Deutschland entwickelt, wie jüngst IGLU, die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung, gezeigt hat.

Längeres gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse in Einer Schule für Alle Kinder und Jugendlichen ist gerechter und effizienter. Das zeigen auch die PISA-Untersuchungen. Wenn man die äußere Differenzierung nach Schulformen aufhebt, hat man ganz unterschiedliche Kinder und Jugendliche im Unterricht. Es gibt nicht nur drei Arten von jungen Menschen, sondern: Jungen und Mädchen, Ältere und Jüngere, Reichenkinder und armen Kinder, Deutschstämmige und Migranten, „Brave“ und „Rebellische“, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Lerntypen usw. Die Unterschiede sind das eigentlich Interessante im Unterricht, so der große Pädagoge Hartmut von Hentig. Wenn alle Menschen gleich wären, wäre dies langweilig. Die großen Unterschiede stellen die Lehrerinnen und Lehrer vor große Aufgaben. Wenn man keine äußere Differenzierung mehr macht, kommt man um eine innere Differenzierung nicht herum. Der übliche Frontalunterricht hat dann weitgehend ausgedient. Es ist ein ganz anderer, reformpädagogischer Unterricht erforderlich. Ein gutes Bespiel ist der Offene Unterricht des marxistischen Pädagogen Freinet, in dem die Kinder und Jugendlichen nicht belehrt werden, sondern nach ihrem Wochenplan selbstgesteuert lernen und forschen. Die äußere Schulreform zieht also die innere Schulreform unweigerlich nach sich.

Der reformierte Unterricht ist nur mit einer exzellenten Ausstattung der Schulen zu verwirklichen. Dazu gehören: Ganztagsschulen mit einem ganztägigen pädagogischen Konzept, kleine Klassen von 18 bis 20 SchülerInnen, eine  Unterrichtsverspflichtung  von maximal 23 Stunden für alle LehrerInnen, deren Fortbildung als Teil der Stundenverpflichtung, Schulbibliotheken, Schulkantinen und die Sanierung der „verrotteten“ Schulen.

1 Primarschule und „Zwei-Säulen-Modell“  

Daran messen wir den am 16. März 2009 vom schwarz-grünen Senat vorgelegten Entwurf zur Änderung des Hamburgischen Schulgesetzes (HmbSG). Mittlerweile ist der etwas geänderte Entwurf am 2. Juni 2009 an die Bürgerschaft weitergeleitet worden. In dessen allgemeinen Teil werden einerseits Bekenntnisse abgelegt, um die heute keiner mehr herumkommt: So will der schwarzgrüne Senat den „Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft gleiche und gerechte Chancen“ ermöglichen; die Bildungsbeteiligung soll erhöht und „mehr Schülerinnen und Schüler ein erfolgreicher Übergang in Studium und berufliche Ausbildung“ ermöglicht werden; es soll eine „neue Lernkultur“ mit „individueller Förderung“  etabliert werden.

Andererseits finden wir überkommene Begründungen für das von uns abgelehnte „Zwei-Säulen- Modell“, die wir als zentrale und traditionelle Argumentation für das „gegliederte“ Schulwesen stets bekämpft haben. Dazu einige Beispiele:

  • Die Stadtteilschule ist für „alle Schülerinnen und Schüler“ da – die Gymnasien nur für die „besonders leistungsfähigen“.
  • Schwerpunkte in der Stadtteilschule sind „praxis- und lebensweltbezogenes Lernen“ und das Lernen an „außerschulischen Lernorten“.
  • Das Lernen an Gymnasien soll „zunehmend selbständig, eigenverantwortlich kooperativ und zielorientiert“ sein. Es wird vorausgesetzt, dass Gymnasien ein „anregendes Lernmilieu“ und „vielfältige Profile“ bieten.
  • In der Stadtteilschule sollen „frühzeitige Erfahrungen in der Berufs- und Arbeitswelt“ gesammelt werden und die SchülerInnen sollen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung „begleitet“ werden.
  • -Das Gymnasium soll die SchülerInnen auf den „Bildungsweg an der Hochschule oder in einer anspruchsvollen beruflichen Ausbildung.“ vorbereiten.

So widersprüchlich wie in den allgemeinen Zielsetzungen und Begründungen geht es auch im folgenden Paragrafenwerk weiter. Einerseits soll das gemeinsame Lernen mit der Primarschule von 4 auf 6 Jahre ausgedehnt werden. Die CDU hatte in den Koalitionsverhandlungen von Februar 2008 der GAL dies angeboten. Die GAL willigte ein, obwohl sie noch im Wahlkampf unter dem Motto „9machtklug“ die Eine Schule für Alle versprochen hatte. Andererseits soll  in der Schulgesetznovelle die schädliche Sortierei nach Klasse 6 im „Zwei-Säulen-Modell“ fortgesetzt.

1.1 Primarschule

DIE LINKE unterstützt die geplante 6-jährige Primarschule, sofern sie mehr gemeinsames Lernen eröffnet. Mit der Primarschule wird die erfolgreichste Schulform Deutschlands, die Grundschule, um 2 Jahre verlängert. Es wäre ein kleiner Schritt in Richtung Eine Schule für Alle. Die Primarschule wird aber nur dann ein Erfolg werden, wenn das gemeinsame Lernen konsequent umgesetzt wird. Alle Versuche der CDU, reaktionärer und rückwärtsgewandter Kräfte, das gemeinsame Lernen zu verwässern und Schlupflöcher für Möchtegerneliten zu schaffen, müssen vereitelt werden. Diese Schlupflöcher sind vielfältig und werden hübsch getarnt.

  • Wenn die CDU den Eltern nach Klasse 3 den Wechsel der Kinder auf andere Primarschulen (mit einem „gymnasialen“ Profil) erlauben will, bedeutet dies nicht mehr, sondern weniger gemeinsames Lernen.
  • Ein anderer Plan der CDU sieht vor, dass „Elitegymnasien“ eigene Primarschulen bekommen und bereits nach Klasse 3 über „Aufnahmegespräche“ entscheiden, welche Kinder diese Anstalten besuchen dürfen.
  • Wir lehnen auch die räumliche Anbindung von Primarschulen an Gymnasien ab. Räumliche Nähe bedeutet soziale Nähe. Eltern mit Gymnasialaspiration werden versuchen, ihr Kind dort unterzubringen. Dadurch würde es zu weniger gemeinsames Lernen kommen.

1.2 Zweieinhalb-Säulen-Modell

Das zergliederte Schulwesen in Hamburg aus Sonderschule, Haupt- und Realschule, Gesamtschule und Gymnasium soll durch ein Zweieinhalb-Säulen-Modell aus Sonderschule, Stadtteilschule und Gymnasium ersetzt werden. Die Sonderschule wird im von Schwarzgrün fälschlich so genanten „Zwei-Säulen-Modell“ nicht mitgezählt.

  • Die Sortierei der Schülerinnen und Schüler geht weiter. Nur werden diese jetzt nicht mehr nach Klasse 4, sondern nach Klasse 6 auf Stadtteilschule und Gymnasium aufgeteilt. Außerdem sollen letztendlich die LehrerInnen der Primarschule entscheiden, ob ein Kind aufs Gymnasium gehen darf. DIE LINKE erklärt: Für diese Sortierei von Elfjährigen, die ihr ganzes späteres Leben bestimmen wird, kann es keine wissenschaftlich fundierten Prognosen und kein gerechtes Verfahren geben. DIE LINKE lehnt jede Art von Sortiererei ab.
  • Die Hauptschule wurde zwar abgeschafft und läuft aus, die Hauptschulabschlüsse soll es aber weiterhin geben (nach § 15 Absatz 4 „am Ende der Jahrgangsstufe 9 oder 10“ als „ersten allgemeinbildenden Schulabschluss“). DIE LINKE tritt für einen Mittleren Bildungsabschluss als ersten Bildungsabschluss ein.
  • Es können nach § 45 Absatz 3  „leistungsdifferenzierte“ Kurse gebildet werden. Die CDU würde damit am liebsten schon ab Klasse 5 beginnen. DIE LINKE lehnt eine derartige äußere Leistungsdifferenzierung ab. Auch hier stellt sich das Problem des Sortierens, das immer fehlerhaft und ungerecht ist. Weiterhin  zeigen die Erfahrungen der Gesamtschulen, dass es Kurwechsel überwiegend von oben nach unten („Abkursungen“) und kaum von unten nach oben gibt. Schließlich führt äußere Leistungsdifferenzierung weg vom gemeinsamen Lernen hin zu leistungsmäßig sortierten Lerngruppen, in denen überwiegend  traditioneller Frontalunterricht und kaum moderner, offener Unterricht praktisiert wird. Letztendlich kann somit innerhalb der Schulen das überkommene Dreiklassenschulsystem entstehen aus: Sonderschulkursen, Hauptschulkursen, Realschulkursen und Gymnasialkursen.
  • Die Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen bleibt weiterhin  möglich. So wird zwar einerseits in § 12 Absatz 1 Satz 1 versprochen: „Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben das Recht, allgemeine Schulen zu besuchen“. Damit verstößt Schwarzgrün gegen die UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die von der Bundesrepublik Deutschland Ende 2008 unterschrieben worden ist und die eine getrennte Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen verbietet.
    Anderseits finden sich aber keine Übergangsregelungen, wie dieses Recht realisiert werden soll. Im Gegenteil. Tatsächlich wird das Recht an mehreren Stellen wieder zurückgenommen. So heißt es in § 12 Absatz 1 Satz 3: „Die Förderung kann zeitweilig in gesonderten Lerngruppen erfolgen, wenn dieses im Einzelfall pädagogisch geboten ist.“ Diese „gesonderten“ Lerngruppen sind nichts anderes als Sonderschulkurse. Nach § 12 Absatz 1 Satz 5 können behinderte SchülerInnen auch auf unterschiedliche Lernorte sortiert werden, wenn es heißt: „Bei der Festlegung des Lernorts sind die Wünsche der Sorgeberechtigten zu berücksichtigen.“ Schließlich werden die Sonderschulen nicht abgeschafft, sondern in § 19 explizit aufgeführt. Zu guter Letzt soll es nach § 19 Absatz 1 Satz 3 sogar gesonderte Vorschulklassen an Sonderschulen geben.[2] Durch Sonderschulkurse, Sonderlernorte, Sonderschulen und Sondervorschulklassen kann die Ausgrenzung von SchülerInnen mit Behinderungen in dieser speziellen Schulform fortgeführt werden. Damit verstößt Schwarzgrün gegen die UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die von der Bundesrepublik Deutschland Ende 2008 unterschrieben worden ist und die eine getrennte Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen verbietet. Menschenrechte darf es nicht nach Kassenlage geben.
    DIE LINKE fordert daher: Behinderte Kinder und Jugendliche müssen in die normale Schulorganisation einbezogen werden. Hierzu muss die Integration in Regelklassen für alle Behinderungsarten zum Regelangebot gemacht und müssen ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden (zum Beispiel durch Mehrfachzählung von behinderten Kindern und Jugendlichen). Wenn es nur einen individuellen Rechtsanspruch gibt, wird dieser vor allem von den bildungsinteressierten Eltern wahrgenommen werden. Das Regelangebot sollte vordringlich sofort in den sozialen Brennpunkten eingerichtet werden.
  • Das entwürdigende Sitzenbleiben soll es nicht mehr geben. Ebenso soll das Abschulen vom Gymnasium auf die Stadtteilschule und von der Stadtteilschule auf die Sonderschule abgeschafft werden. DIE LINKE setzt sich seit langem dafür ein. Dies erfordert aber eine erheblich stärkere Förderung der SchülerInnen in einer Art schulischem „Nachhilfeunterricht“. Um Schulwiederholungen zu vermeiden, müssen die Mittel zur individuellen Förderung von SchülerInnen aufgestockt werden. Ohne Neueinstellungen wird dies ein Lippenbekenntnis bleiben. Zu befürchten ist allerdings, dass Schwarzgrün im Abschaffen des Sitzenbleibens und Abschulens eine willkommene Sparmaßnahme sieht. Denn wer weniger „Ehrenrunden“ macht, geht nicht so lange zur Schule.

2 Weitere Regelungen

Neben der Einführung der Primarschule und des Zwei-Säulen-Modells gibt es eine Reihe von weiteren Änderungen in der Schulgesetznovelle. Insgesamt will Schwarzgrün 24 der 118 Paragrafen ändern. Dabei sind nicht nur die Paragrafen von Interesse, die novelliert werden sollen, sondern auch diejenigen, bei denen alles beim Alten bleiben soll. Im Einzelnen nimmt DIE LINKE dazu wie folgt Stellung:

§ 1 Recht auf schulische Bildung

Das Recht auf schulische Bildung muss auch für „papierlose“ Kinder und Jugendliche gelten. Daher ist der § 1 um folgenden Satz zu ergänzen: „Die Wahrnehmung des Rechtes auf schulische Bildung und Erziehung des Kindes soll nicht dazu führen, dass sich daraus aufenthaltsrechtliche Konsequenzen ergeben.“

§ 8 Stundentafel

Der Schülerrat soll – ähnlich der Lehrerkonferenz – ein Vorschlagsrecht für die schuleigene Stundentafel erhalten. DIE LINKE schließt sich hier der Forderung der „schülerInnenkammer“ an.

§ 14 Primarschule, hier: Vorschulklassen und Hortbetreuung

In § 14 Absatz 2 Satz 3 heißt es: „Kinder, die bis zum 31. Dezember das fünfte Lebensjahr vollenden, werden auf Antrag der Sorgeberechtigten in demselben Jahr in eine Vorschulklasse aufgenommen, wenn dafür örtlich die räumlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen gegeben sind.“ Damit wird in der schwarzgrünen Schulgesetznovelle der Besuch einer Vorschulklasse von der Kassenlage abhängig gemacht. Dagegen fordert DIE LINKE einen Rechtsanspruch auf einen Besuch der Vorschulklassen und auf Hortbetreuung. Diese dürfen nicht zu Aufbewahranstalten verkommen, sondern müssen in ihren Gruppengrößen deutlich unter 20 liegen.

§ 15 Stadtteilschulen besonderer Prägung

Der § 15 Absatz 5 mit den Stadtteilschulen besonderer Prägung sollte erhalten bleiben.

§ 21 Produktionsschule, Berufsfachschule, Berufsvorbereitungsschule

Der schwarzgrüne Senat will im Bereich der Beruflichen Schulen eine neue Schulart einführen: die Produktionsschule. Die Idee der Produktionsschule ist bereits in den 1920-er Jahren von linken Reformpädagogen um den „Bund der entschiedenen Schulreformer“ als „Elastische Einheitsschule“ in Abgrenzung zur „Buchschule“ entwickelt worden. Der schwarzgrüne Senat will mit der Produktionsschule eine Berufsvorbereitungsschule für Jugendliche ohne  Hauptschulabschluss kreieren. Mit deren Besuch sollen die Jugendlichen sogar die Berufschulpflicht erfüllen. Eigenartigerweise findet sich die Produktionsschule aber nicht in der Schulgesetznovelle. Hierfür kann es nur eine Erklärung geben: Die Berufsvorbereitung soll durch die sogenannte „trägergestützte Ausbildung“ auf private Träger outgesourct und damit verbilligt und privatisiert werden.

DIE LINKE lehnt dies ab. Sie fordert, dass die Produktionsschulen ins Schulgesetz aufgenommen und – ähnlich wie in Bremen – an staatlichen beruflichen Schulen eingerichtet werden. Nach der Produktionsschule muss im Sinne einer Nahtlosigkeitsregelung der garantierte Übergang in eine vollqualifizierende Berufausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf stehen.

Die Schulgesetznovelle sieht im § 21 sieht keine Veränderungen zur Berufsvorbereitungsschule und (teilqualifizierenden) Berufsfachschule vor. Jedes Jahr werden tausende von SchulabgängerInnen in diese schulischen Warteschleifen (neuerdings auch „Übergangssystem“ genannt) abgeschoben. Viele erhalten keine Ausbildung. [3] Ihnen steht damit ein unsicheres und prekäres Arbeitsleben bevor.

DIE LINKE fordert eine Ausbildungsgarantie und ein Recht auf Vollausbildung für alle Jugendlichen. Die Berufsvorbereitungsschulen und (teilqualifizierenden) Berufsfachschulen sind durch moderne Ausbildungskonzepte und einer Verlängerung der Ausbildungszeit auf drei Jahre in vollqualifizierende Berufsfachschulen umzuwandeln, in denen die Jugendlichen einen Berufausbildungsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf erwerben können. Die Jugendlichen erhalten ein Schüler-BAFöG.

§ 22 Berufsoberschule und Fachoberschule

Die Fachoberschule vermittelt die Fachhochschulreife. Die Fachoberschule ab Klasse 11 für SchülerInnen mit mittlerem Abschluss ist im Jahre 2003 vom damaligen Rechtssenat unter CDU-Führung allein auf Wunsch der Handelskammer abgeschafft worden.  Es gab große Proteste von SchülerInnen und LehrerInnen. Auch die GAL und Christa Goetsch waren damals dagegen. DIE LINKE fordert, dass die Fachoberschule ab Klasse 11 – wie in den meisten Bundesländer auch – wieder zugelassen wird.

Die Berufsoberschule vermittelt insbesondere SchülerInnen mit mittlerem Bildungsabschluss und einer abgeschlossenen Berufausbildung die Fachhochschul- bzw. Hochschulreife. DIE LINKE begrüßt die Einrichtung dieser Schulform, da sie eine Lücke für diejenigen schließt, die sich erst später für eine weitere Schullaufbahn und eine Studium entschließen.

§ 23 Berufliche Gymnasien

Für den Besuch eines Technischen bzw. Wirtschaftsgymnasiums will Schwarzgrün eine neue Hürde errichten. SchülerInnen sollen zukünftig die Beruflichen Gymnasien nur noch besuchen dürfen, „wenn sie die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mitarbeit erwarten lassen und Neigung und Eignung für die berufsbezogene Ausrichtung des Bildungsgangs nachweisen.“ DIE LINKE schließt sich dem Vorschlag der Lehrerkammer an, die die Wahl der Eingangsvoraussetzungen in die Entscheidung der Schulen stellen lassen will.

§ 30 Entgeltlichkeit und Beschaffung der Lernmittel

Bereits vor 90 Jahren wurde mit dem „Gesetz betreffend die Einheitsschule“ die Lernmittelfreiheit in Hamburg eingeführt. Im Jahre 2006 hat der CDU-Senat die Lernmittelfreiheit gegen den Widerstand von Eltern, LehrerInnen und Gewerkschaften aufgehoben. DIE LINKE fordert: Der § 30 ist zu streichen. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Die Einkommensermittlung geht in Richtung Schnüffelstaat. Schließlich ist es äußerst fraglich, ob Aufwand und Ertrag in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen.

§ 32 ff Schuldemokratie

DIE LINKE fordert für die Schulen die Schuldemokratie. So können die Schülerinnen und Schüler lernen, sich für die Demokratie einzusetzen und ihre Verhältnisse zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern demokratisch zu regeln. DIE LINKE will keine Schulleiterautonomie, sondern Schulautonomie. Als erste Schritte in Richtung von Schuldemokratie sind die autoritären und bürokratischen Regelungen der Schulgesetznovellen von 2003 und 2006 zurückzunehmen, die sich nach wie vor in der schwarzgrünen Schulgesetznovelle finden. Dies gilt insbesondere für folgende Paragrafen:

  • § 49 Absatz 3: Wegfall des Elterneinverständnisses bei Umsetzungen in Parallelklassen oder andere Schulen in der Grundstufe der Primarschule
  • § 61 Absatz 2: Stimmrecht der Schulleitung auf der Klassenkonferenz
  • § 85: Die obrigkeitsstaatliche Schulinspektion ist durch Peer Reviews (kollegiale Schulbesuche) zu ersetzen.
  • § 92 – 94: Wir wollen Schulleitungsteams, die zeitlich befristet auf fünf Jahre durch die Schulkonferenz gewählt werden.

Weiterhin setzen wir uns ein für:

  • Die regionalen Schulkonferenzen sind zu Mitbestimmungsorgane in Sachen Schulentwicklungsplanung weiterzuentwickeln. Sie sollen Initiativrechte und ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung erhalten, das nur durch die Bürgerschaft überstimmt werden kann.
  • DIE LINKE schließt sich der Forderung der Elternkammer Hamburg nach einem „Schulparlament“, das an die Stelle der Schulkonferenz tritt und das erweiterte Vollmachten erhält.
  • Zur dringend notwendigen Redemokratsierung der beruflichen Schulen siehe § 85.

§37 Grundsätze der Schulpflicht

Die Schulpflicht soll auf insgesamt 11 Jahre begrenzt werde. DIE LINKE lehnt dies ab. Wenn allen Jugendlichen eine Berufausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf garantiert werden soll, muss die Schulpflicht mindestens 12 Jahre dauern.

§44 Leistungsbeurteilung, Zeugnis

Die Fragwürdigkeit von scheinobjektiven Notenzeugnissen ist vielfach wissenschaftlich belegt. Insofern stellt die Ermöglichung von Berichtszeugnissen ist ein längst überfälliger Schritt dar. Allerdings kann der schwarzgrüne Senat hier nur bescheidene Zugeständnisse machen, weil er an der Sortierei festhält.

§ 85 ff Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB)

Das „Hamburger Institut für Berufliche Bildung“ (HIBB) ist das Ergebnis einer „besonders missratenen CDU-Reform“ (Wahlprogramm der GAL zur Bürgerschaftswahl 2008). Die Verwaltung und Steuerung der Beruflichen Schulen wurde entgegen einer erfolgreichen Volksinitiative und einem erfolgreichen Volksbegehren aus der Bildungsbehörde in dieses Institut ausgelagert und den Kapitalvertretern einseitig die Hälfte der Stimmen im Kuratorium des Instituts übertragen. DIE LINKE fordert die Auflösung dieser „besonders missratenen CDU-Reform“. Entsprechend sind auch die Schulvorstände in den Berufliche Schulen paritätisch zu besetzen.

§ 87 Klassen- bzw.  Lerngruppengrößen

Das „individualisierte Lernen“, von der in der Schulgesetznovelle so gern die Rede ist, lässt sich nicht in den bisherigen Klassengrößen von 25 bis über 30 SchülerInnen durchführen. Diese müssen auf deutlich unter 20 SchülerInnen verkleinert werden. Als ersten Schritt unterstützt DIE LINKE die Forderungen der Elternkammer Hamburg, die fordert: „Keine Klasse oder Lerngruppe an Primarschulen soll größer als 23, an Stadtteilschulen größer als 24 und an Gymnasien größer als 26 Schülerinnen und Schüler sein, in Primarschulen mit einer sozialstrukturell benachteiligten Schülerschaft soll die Klassengröße von 20, in Stadtteilschulen von 22 und in Gymnasien von 24 nicht überschritten werden.“


[1] Wir übernehmen diese Schreibweise von der Volksinitiative Eine Schule für Alle.

 

[2] Stutzig muss auch machen, dass im Entwurf der Schulbehörde für die Schulentwicklungs­planung von Anfang Juli 2009 die „Förderschulen, Sprachheilschulen und spezielle Sonderschulen“ (S. 26) weiterbestehen sollen, ihre aber nicht Standorte benannt werden.

 

[3] Berufsvorbereitungsschulen sind einjährig und die teilqualifizierenden Berufsfachschulen ein- und zweijährig. Dabei handelt es sich um „(Aus-)Bildungsangebote, die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kompetenzen von Jugendlichen zur Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung zielen und zum Teil das Nachholen eines allgemein bildenden Schulabschlusses ermöglichen.“ (Konsortium Bildungsberichterstattung (Hg)., Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration, Bielefeld 2006, S,79).