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26. September 2015 Landesvorstand, Beschluss

Beschluss zum Arbeitspapier Leitlinien Flüchtlingspolitik Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen in Hamburg

1. Das Arbeitspapier „Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen in Hamburg“ wird als Arbeitsgrundlage für flüchtlingspolitische Leitlinien der LINKEN in Hamburg gebilligt.
2. Der Landesvorstand beauftragt eine Arbeitsgruppe bestehend aus den Gen. Rainer Bennecke, Sabine Wils, eine Vertreter_in der AG Flucht und Migration, Inge Hannemann, Surya Stülpe, Antje Schellner und  Michael Joho mit folgenden Aufgaben:
a. Das Papier auf der Basis von Rückmeldungen aus den Gliederungen und Zusammenschlüssen sowie von aktuellen Entwicklungen zu aktualisieren und zur nächsten Landesvorstandssitzung eine Beschlussvorlage zur Vorlage auf dem Landesparteitag am 22.11.2015 vorzulegen.
b. dem Geschäftsführenden Landesvorstand aktuelle Positionen, Aktionen und Maßnahmen auf Basis dieser Grundpositionierung vorzuschlagen.


Arbeitspapier Leitlinien Flüchtlingspolitik
Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen in Hamburg


Weltweit erleben wir die größte Flüchtlingsbewegung nach dem II. Weltkrieg mit derzeit über 60 Mio. Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Zerstörung und menschenunwürdigen Lebensbedingungen in ihren Heimatländern. Deutschland, Österreich und Schweden sind als Länder in Zentraleuropa mit der Unterstützung und Hilfeleistung vor besondere Herausforderungen gestellt.

Die Bundesregierung hat zuletzt die Zahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge und Zufluchtsuchenden in 2015 auf 800.000 Menschen nach oben korrigiert.

Auch Hamburg erreicht eine deutlich höhere Zahl von Flüchtlingen als ursprünglich prognostiziert. Die Hansestadt Hamburg erwartet bis Ende dieses Jahres rund 30.000 Flüchtlinge. Ca. 15.000 müssen in der Stadt auf mittlere Sicht eine Unterkunft finden und mit all dem versorgt werden, was ihnen eine Lebensperspektive gibt. Die anderen werden auf andere Bundesländer umverteilt. Zurzeit ist in der Hansestadt Platz für 25.000 Flüchtlinge, Unterkünfte für weitere 11.500 Flüchtlinge sollen bis zum Ende des Jahres folgen. Ungefähr 3.000 Flüchtlinge leben in Zelten, die nun durch Heizgeräte winterfest gemacht werden sollen.

Neben der Schaffung von winterfesten Quartieren und der medizinischen Betreuung kommt es auf die Integration in den Arbeitsmarkt, in Schule und Kita an. Und Hamburg wird mehr als 6.000 neue Wohnungen im Jahr bauen müssen. Außerdem ist davon auszugehen, dass die Bewegung der Schutzsuchenden auch im nächsten Jahr auf einem hohen Niveau blieben wird. Angesichts der sich in den letzten Monaten verschärfenden internationalen Krisenlage und der unzureichenden Finanzierung der UN-Organisation UNHCR und der Welthungerhilfe steht die Hansestadt Hamburg – wie viele andere Kommunen auch – vor der großen Herausforderung, die gestiegene Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen und kurzfristig für eine menschenwürdige Unterbringung und Betreuung Sorge zu tragen.

Dies stellt die Verwaltung vor erhebliche Herausforderungen, die nur gemeinsam mit der gesamten Stadtgesellschaft gelöst werden können, damit Hamburg weiterhin eine menschenwürdige Unterbringung und Integration der Flüchtlinge gewährleisten kann. (1)

Unsere Forderungen

1.    Der Senat entwickelt in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft und den Bezirken ein gesamtstädtisches ressortübergreifendes Handlungsprogramm zur Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen.
Flüchtlingspolitik ist ein Querschnittsthema. Ein offenes Aufnahme- und Integrationskonzept muss darum ressortübergreifend angelegt sein. Flüchtlingspolitik ist Senatsangelegenheit und nicht in der Zuständigkeit nur einer Verwaltung. Die verschiedenen Maßnahmen müssen koordiniert und auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet werden. Erst Kooperation, Steuerung und Berichterstattung stellen sicher, dass die Umsteuerung gelingt, die einzelnen Maßnahmen ineinandergreifen und Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie notwendig sind.

2.    Die Verwaltung wird beauftragt einen Hamburger Flüchtlingsratschlag unter Einbeziehung der verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und ehrenamtlichen Selbsthilfeorganisationen durchzuführen, um notwendige Maßnahmen und Kooperationen zur Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge zu optimieren. Daran sollen u.a. die kirchlichen Träger und engagierten Gemeinden, die Wohlfahrtsverbände, der Integrationsrat, die Willkommensinitiativen, die Stadtwerke, die SAGA AG, das Jobcenter und die Bundesanstalt für Arbeit teilnehmen. Letztere werden ersucht, die Anstrengungen für die Qualifizierung und Vermittlung von Flüchtlingen zu verstärken.

3.    Der Stadtstaat Hamburg hat nur begrenzte Spielräume für die Entwicklung eines offenen Aufnahme- und Integrationskonzeptes. Viele der auf Ausgrenzung ausgerichteten, repressiven Regelungen gegen Flüchtlinge sind Bundesgesetz. Hamburg setzt sich ein für die Abschaffung der Kettenduldungen und aller Gesetze, die eine schnelle Integration und Bleibeperspektive verhindern.

Hamburg setzt sich dafür ein, das Abschottungssystem der Europäischen Union abzubauen. Nicht die Grenzen, die Geflohenen müssen geschützt werden, deshalb ist die EU-Grenzschutzagentur Frontex abzuschaffen. Wir wollen das Dublin-System verändern, damit Geflüchtete ihr Aufenthaltsland selbst bestimmen können und es zu einem fairen Ausgleich zwischen den EU-Staaten kommt. Die EU muss Verantwortung gegenüber Geflüchteten insbesondere aus armen und kriegsgezeichneten Ländern übernehmen. Neben dem Bundesrat kann sich Hamburg auch über die europäischen Städtenetzwerke für eine andere EU-Politik stark machen.

Die Aufnahme von Flüchtlingen unterliegt vielfältigen bürokratischen Schikanen. Dazu gehören die verpflichtende Wohnsitznahme in bestimmten Bundesländern, die Verpflichtung, in Sammelunterkünften zu wohnen sowie die Residenzpflicht. Dieses durch die Bundesgesetzgebung erzwungene System der Zwangsverteilung verhindert, dass Flüchtlinge ihre familiären und privaten Kontakte nutzen und z.B. bei Verwandten oder Bekannten wohnen können (kostenlos oder gegen geringe Kosten). Dies würde auch deren Ankommen und ihre Integration in die Gesellschaft erheblich erleichtern.

Wir setzen uns für die Streichung solcher flüchtlingsfeindlicher Gesetze ein. Auch bei den Verteilungsregeln und der Verpflichtung zur Wohnsitznahme in einem bestimmten Bundesland sind Änderungen erforderlich, um im Einzelfall angemessene Lösungen zu ermöglichen.

Bei der Verteilung sollten Kontakte zu Verwandten (auch außerhalb der Kernfamilie) und engen Bekannten berücksichtigt werden, insbesondere, wenn dort Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Um Verwandte nicht zu überlasten, sollten auch hier Mindeststandards formuliert werden. Flüchtlingen sollte es zudem ermöglicht werden, bundesweit eine Wohnung anmieten zu können. Die Aufgabe oder Aufweichung des bisherigen Systems der Zwangsverteilung nach dem »Königsteiner Schlüssel« macht unter Umständen finanzielle Ausgleichsmechanismen erforderlich, um regionalen Ungleichgewichten entgegenzuwirken.

Flüchtlingspolitische Sofortforderungen
1.    Wohnen

a. Das Wohnraumförderungsprogramm – die Förderung von derzeit 2.000 Wohnungen pro Jahr – ist aufzustocken. Der Anteil an Sozialwohnungsbau ist bei allen Bauvorhaben auf mindestens 50 Prozent zu erhöhen, bei städtischen auf 100 Prozent. Mietpreis- und Belegungsbindungen müssen in großem Umfang verlängert beziehungsweise zurückgekauft werden. Für diese Aufgaben sind die alljährlichen Überschüsse der SAGA GWG zu nutzen.
b. Die Versorgungsverpflichtung der SAGA GWG von derzeit 3.000 Wohnungen jährlich, davon 1.300 an berechtigte Wohnungssuchende und 1.700 an vordringlich Suchende, ist aufzustocken: Mindestens die Hälfte aller jährlich neu zu vermietenden Wohnungen – sowohl der Wohnungen aus dem Bestand wie der neugebauten Sozialwohnungen – ist an berechtigte Wohnungssuchende zu vergeben, 55 Prozent davon an vordringlich Suchende. Eine feste Quote für Wohnungslose und Flüchtlinge ist festzulegen.
c. Das System der Vermittlung von Flüchtlingen in private Wohnungen muss überprüft und effektiviert werden. Bürokratische Hürden, die den Bezug von privaten Wohnungen behindern, müssen beseitigt, die Beratungsstrukturen für potenzielle Vermieter/-innen und Flüchtlinge gestärkt, das große solidarische Engagement vieler Hamburgerinnen und Hamburger ausgeschöpft werden.
d. Zukunftsweisende integrative Wohnprojekte, die das Zusammenleben mit Flüchtlingen praktizieren (wollen), sind verstärkt und aktiv zu fördern. Auch hier sind Beratungsstrukturen einzurichten beziehungsweise zu stärken. Zur Information über die vielfältigen Möglichkeiten ist eine Zusammenstellung von Best-Practice-Projekten zu erstellen.
e. Die Belegung von Leerstand beziehungsweise seine Umwandlung zu Wohnraum sind konsequent in Angriff zu nehmen:
• Leer stehende Wohnungen in städtischem Eigentum sind unverzüglich für die Vergabe an Flüchtlinge und Wohnungslose herzurichten.
• Die durch das Hamburgisches Wohnraumschutzgesetz begründete Pflicht zur befristeten Zwischenvermietung bei geplanten Um- und Neubauten von Wohnungen ist durchzusetzen.
• Für leer stehende Wohnungen und Gebäude ist sofort ein Zwischennutzungskonzept zu entwickeln.
• Für leer stehende Gebäude, eingeschlossen leer stehende Büroflächen, die sich prinzipiell für die Umwandlung in Wohnraum oder als Unterbringungsort eignen, ist ein Sanierungskonzept auszuarbeiten. Kriterien für die Prüfung und Entscheidung sind überprüfbar zu machen.
• Leer stehender Wohnraum und für die Umwandlung beziehungsweise Unterbringung geeigneter Leerstand sind zur Gefahrenabwehr beziehungsweise Abwehr von Obdachlosigkeit zu beschlagnahmen (§ 3 (1) SOG).
f. Nach Ablauf der Wohnverpflichtung in Gemeinschaftsunterkünften gemäß § 47 Absatz 1 Satz 1 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG) ist allen schutz- und asylsuchenden Flüchtlingen, auch solchen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus, zu ermöglichen, eigenen Wohnraum anzumieten. Eine Mietkostenübernahme erfolgt analog der Regelung für Leistungsempfänger/-innen nach dem SGB XII. Die Obergrenzen der Kosten der Unterkunft (Mietobergrenzen) sind zu erhöhen.
g. Dazu ist ein System der Mietkostenübernahme zu erarbeiten, das unter Wahrung der gesetzlichen Rahmenbedingungen dem Hamburgischen Wohnungsmarkt angemessen ist und das grundsätzlich eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge über das Stadtgebiet ermöglicht.
Langfristig ist anzustreben, dass alle Flüchtlinge nach den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft in dezentralen Einzelwohnungen leben können. Angesichts der aktuellen und absehbaren Entwicklung ist eine schnelle Erreichung dieses Ziels unrealistisch. Hamburg ist deshalb verpflichtet, Gemeinschaftsunterkünfte vorzuhalten. Hamburg gehört allerdings zu den Bundesländern, die keinerlei verbindliche Mindeststandards für die Unterbringung von Flüchtlingen festgeschrieben haben. Mindeststandards sind jedoch ein unverzichtbares Element eines jeden an den Menschenrechten orientierten Konzepts.
a. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, dem DGB und Organisationen der Flüchtlingssolidarität sind klar definierte und verbindliche Mindeststandards auszuarbeiten im Hinblick auf Größe (Begrenzung) der Einrichtungen, Bauweise, Standortbedingungen (Anbindung an ÖPNV, Stadtteilinfrastruktur und so weiter), Wohn- und Schlaffläche, Ausstattung, Zustand, Personalausstattung und so weiter. Ein Zeitplan für die Umsetzung der Mindeststandards ist festzulegen.
b. Wie unter anderem vom Deutschen Institut für Menschenrechte gefordert, ist in allen Unterkünften ein effektiver Schutz vor geschlechts- und sexualitätsspezifischer Gewalt und sexueller Belästigung zu gewährleisten. Zimmer und Sanitäranlagen müssen abschließbar sein, es muss innerhalb der Sanitäranlagen abschließbare Einzelkabinen zum Duschen, Umziehen und Herrichten mit Spiegel geben. Innerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte sind Frauenräume einzurichten. Mindestens eine Gemeinschaftsunterkunft ist einzurichten, in denen Frauen und ihre Kinder unterkommen, die im Herkunftsland, auf der Flucht oder in den Unterkünften Gewalt erfuhren. Zudem muss sicherer Raum für schwule, lesbische, bisexuelle, transidente und intergeschlechtliche Menschen geschaffen werden; es ist zu sichern, dass ihnen schnellstmöglich Einzelwohnungen zur Verfügung gestellt werden können.
c. Die Wohn- und Lebensbedingungen in den Lagern verstoßen gegen elementare Rechte des Kindes. Kinder gehören nicht in Gemeinschaftsunterkünfte. Kinder und Jugendliche müssen deshalb – mit ihren Familien – nach spätestens drei Monaten in Wohnungen leben können. Sofern sie zum Leben in Gemeinschaftsunterkünften gezwungen sind, müssen diese über spezielle Gemeinschaftsräume für Kinder und Jugendliche, geeignete Rückzugsräume, Räume des Lernens und so weiter verfügen.
d. Der Vorschlag der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, bei Gemeinschaftsunterkünften auf genormte Stahl-Wohncontainer und damit auf die rein technologisch gelöste Unterbringung zugunsten einer (Holz-) Modulbauweise zu verzichten, ist zu prüfen.
e. Es sind eine ausreichende Anzahl behindertengerechter Unterbringungsmöglichkeiten mit Rampe und Sanitäranlagen auch für Rollstuhlfahrer/-innen und ein barrierefreier Zugang zu allen Verwaltungsgebäuden sicherzustellen.
f. Die Gemeinschaftsunterbringung für alle Flüchtlinge ist schrittweise auf zwölf Monate zu begrenzen.
g. Qualitätssicherung: Die Kontrolle der zuständigen Senatsverwaltung ist zu stärken. Weiter ist ein Verfahren analog dem in Sachsen bereits seit 2010 praktizierten »Heim-TÜV« auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus ist ein auf Ombudspersonen gestütztes Beschwerdemanagement einzurichten.
h. Flüchtlinge sind keine Objekte. Ihnen sind Partizipationsrechte einzuräumen. Ein geeignetes Instrument können Heimbeiräte sein, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Bewohner/-innen der Einrichtungen, von Nachbarschaftsinitiativen und Beratungsstellen sowie der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bezirke und von f & w fördern und wohnen AöR zusammensetzen.

2.    Schule Bildung
Um die Teilhabechancen von Flüchtlingskindern und jugendlichen Flüchtlingen zu verbessern, fordern wir
·    die Schulpflicht für alle Kinder und Jugendlichen möglichst frühzeitig, unabhängig vom Aufenthaltsstatus und mit bundesweit einheitlicher Umsetzung,
·    die Angebote für jugendliche Flüchtlinge zum Nachholen des Schulabschlusses an einer berufsbildenden Schule auszubauen. Gegebenenfalls ist das Recht auf Schulbesuch über die Volljährigkeit hinaus / bis zum 25. Lebensjahr zu verlängern,
·    Lehrkräfte besser zu unterstützen, Lernstandserhebungen und Einstufungstests bei Flüchtlingskindern durchzuführen,
·    alle Schulen, die Flüchtlingskinder unterrichten, mit zusätzlichen Lehrkräften die Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache unterrichten können, herkunftssprachlichen Mittler/innen, Schulsozialarbeiter/innen und sozialpädagogischer Betreuung auszustatten,
·    Willkommensklassen / Lerngruppen in allen Schularten für Flüchtlingskinder einzurichten und diese ausreichend auszustatten.


3.    Arbeit
Um einen Zugang in Ausbildung, Studium und Arbeitsmarkt für junge Flüchtlinge und Geduldete zukünftig gewährleisten zu können, fordern wir:
·    Abschaffung des generellen Arbeitsverbots (§ 33 BeschVO) für Geduldete insbesondere bei Minderjährigen.
·    Schaffung eines rechtssicheren Aufenthalts unabhängig des Duldungssystems während und nach erfolgreichem Abschluss einer beruflichen Ausbildung. Schon mit Beginn einer Ausbildung sollen junge Menschen ein Bleiberecht für die gesamte Ausbildungszeit und nach erfolgreichem Abschluss für 18 Monate bundesweit zugesichert bekommen. In diesem Zusammenhang müssen auch Ausbildungswechsel möglich sein. Ausbildungsabbrüche dürfen nicht automatisch zur Abschiebung führen.
·    In gleicher Weise Schaffung eines rechtssicheren Aufenthalts unabhängig des Duldungssystems für Studierende während und nach erfolgreichen Abschluss eines Studiums.
·    Gleichberechtigter Zugang zu den arbeitsmarktpolitischen Fördermöglichkeiten und zusätzliche Steuermittel zur besseren Förderung insbesondere im SGB II-Bereich. Auch die Förderung von und die Teilnahme an ausbildungsbegleitenden Hilfen oder der Assistierten Ausbildung muss für Flüchtlinge möglich sein.
·    Gleichberechtigter Zugang auch zu bildungspolitischen Fördermöglichkeiten wie z.B. der Berufsausbildungsbeihilfe und dem BAföG ab dem dritten Monat. Der Zugang zu bestehenden Stipendienprogrammen der Länder ist auf alle Asylbewerber/innen und Geduldeten auszuweiten.
·    Verbesserung der ausländer- und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen, die die Arbeitsmarktintegration faktisch erschweren, insbesondere:
- Aufhebung der Wohnsitzauflage,
- Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes und
- Einbeziehung dieses Personenkreises in das SGB II sowie
- Aufbau von rechtskreisübergreifenden Förder- und Beratungsprogrammen.

4.     Gesundheit
Die medizinische Versorgung für Flüchtlinge ist durch das Asylbewerberleistungsgesetz erheblich eingeschränkt. Mehr Druck auf den Bundesgesetzgeber zur Abschaffung des  Asylbewerberleistungsgesetzes ist darum notwendig. Dennoch gibt es auch jetzt schon Modelle für eine angemessenere medizinische Betreuung, die umgesetzt werden sollen. Besondere Unterstützung brauchen Traumatisierte, Minderjährige, Schwangere, Behinderte.

Asylsuchende in die gesetzliche Krankenversicherung aufnehmen
Asylsuchende und Geduldete erhalten eine ärztliche Versorgung nur bei Krankheiten, wenn sie »zur Sicherung […] der Gesundheit unerlässlich« (AsylbLG) sind. Medizinische Unterversorgung, Verschleppung von Krankheiten und chronische Entwicklungen sind die Folge. Notwendig ist die Einbeziehung aller nach dem AsylbLG Leistungsberechtigten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), wie sie Hamburg nach dem »Bremer Modell« praktiziert.

Den Öffentlichen Gesundheitsdienst angemessen ausstatten
Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, die besondere Leistungen für neu ankommende Asylsuchende bieten, sind derzeit vollkommen überlastet. Das betrifft vor allem die Dienste, die Impfungen und die Tuberkulose-Tests durchführen. Alle Flüchtlinge müssen, bevor sie in eine Unterkunft kommen, auf Tuberkulose getestet werden

5.    Ausländerbehörde reformieren
Die Entscheidungen der Ausländerbehörde sind für die Bleibeperspektive und die schnelle Integration eines Flüchtlings in allen Handlungsfeldern von zentraler Bedeutung. Wie sie ihre Ermessensspielräume nutzt, entscheidet über das Schicksal der Menschen.
Die Hamburger  Ausländerbehörde steht trotz mancher Verbesserungsbemühungen weiter für Abwehr und Abschreckung. Sie zeigt keine Ansätze, den neuen Herausforderungen einer auf Bleibeperspektiven und Integration ausgerichteten Flüchtlingspolitik gerecht zu werden.
Unser Drei-Punkte-Plan umfasst:
1. Intensivierung der Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen neben fachlichen auch soziale und fremdsprachliche Kompetenzen besitzen.
2. Einrichtung einer Beschwerdestelle und eines Beirats aus Nichtregierungsorganisationen, Bezirken und der Senatsverwaltung, der den Prozess des weitergehenden Umbaus begleitet.
3. Neue Zuordnung: Die Zuordnung der Ausländerbehörde in die Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Inneres bewirkt, dass Aufenthaltsfragen in erster Linie als Fragen der Sicherheit betrachtet werden. Die Arbeit der Ausländerbehörde soll deshalb in die Zuständigkeit der BASFI –Abteilung Integration – übergehen.

6.    Finanzierung
Der Senat hat für 2015 und 2016 jeweils rund 600 Mio. Euro für die Flüchtlingshilfe veranschlagt. Das wird voraussichtlich nicht reichen. Die davon bisher im Haushaltsplan nicht berücksichtigten knapp 600 Mio. Euro will er durch Umschichtungen im Haushalt finanzieren. Dies obwohl sich für dieses Jahr wegen der anhaltend guten Konjunktur und daraus resultierenden Steuermehreinnahmen ein Haushaltsüberschuss von 600-700 Mio. Euro abzeichnet. Durch diese Umschichtungen wird die soziale Spaltung in der Stadt vertieft. Deshalb lehnen sie ab. Eine solche Haushaltspolitik wird gegenwärtig nicht einmal mehr in Bayern praktiziert. Hinzu kommt, dass Hamburg als Land und Kommune von der Übernahme eines Teils der Kosten der Flüchtlingspolitik durch den Bund vorrausichtlich im dreistelligen Millionenbereich profitieren wird, was den Hamburger Haushalt entlastet.

 

(1) Trotz der immensen Herausforderungen durch die Flüchtlingspolitik dürfen die dringend notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der sozialen Spaltung in der Stadt nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Beispiel Wohnen. Bei der Diskussion um eine massive Ausweitung des Baus preiswerter Wohnungen müssen neben den Schutzsuchenden selbstverständlich auch die Wohnungslosen und die vielen BürgerInnen einbezogen werden, die dringend eine entsprechende Wohnung suchen. Die im Finanzierungskonzept des Senats vorgesehenen Kürzungen etwa im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit oder bei der integrierten Stadtteilentwicklung lehnen wir deshalb ab, weil gerade in diesen Bereichen großer Bedarf besteht, um die soziale Spaltung einzudämmen.

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